Der Krieg ist und war nie aus der Welt. Christopher Clark

Auch mal eine Pause machen

Das Alltagsleben ist oft mühsam und bisweilen sogar langweilig. Um sich diesem Rhythmus zu entziehen, sollte man sich das Übernatürliche als Ruhepunkt suchen.

Wir machen nur Pause, wenn wir müssen. Die einen lassen sich vom Winter in eine große Pause drängen. Im täglichen Arbeitsfluss ist es die Zigarettensucht, die einen zwingt, die Arbeit zu unterbrechen. Dafür muss jeder Verständnis aufbringen. Natürlich auch dafür, wenn einer wegen eines dringenden Bedürfnisses seine Arbeit unterbricht. Auch das Klingeln des Mobiltelefons hat diese Macht. Manche unterbrechen dafür das aktuelle Gespräch, gehen zur Seite und lassen ihren Gesprächspartner dumm stehen.

Diese Art Unterbrechung ist Teil des gewohnten Ganges unseres Lebens. Sie hilft uns nicht, Anschluss zu finden an die tieferen Schichten des Lebens. Sie stoppt nicht das Hamsterrad, in dem wir uns zwar in Bewegung wähnen, aber keinen Schritt vorankommen. Es gehört eine Portion Zivilcourage dazu, vor den gewichtigen Gründen, warum man das Leben unterbricht, dem wichtigsten aller Gründe Geltung zu verschaffen. Terminkalender, Handyklingeln, Verdauungsprobleme schreiten zwar wie Breaking News beständig in unser Leben ein. Wir verschaffen ihnen nur scheinbar das Recht, den gewohnten Gang aufzuhalten. Bei Licht gesehen gehören sie aber selber schon zum gewohnten Gang. Wir zappen von Ereignis zu Ereignis, lassen uns bannen von flimmernden Nachrichtenlaufbändern und sind doch schon wieder beim Nächsten, das uns vielleicht noch näher ranbringt – und uns gleichzeitig davon abhält, das zu tun, was wir heute eigentlich wollten.

Weihnachtszeit ist Pause vom Alltag

Damit wir sinnvoll leben, brauchen wir übernatürliche Gründe, den natürlichen Lauf des Lebens zu unterbrechen. Wer nur die Winterzeit begeht, beugt sich unter das Diktat des natürlichen Weltenlaufes. Der Wunsch für eine schöne Winterzeit ist trostlos. Denn dem Schnee folgt Matsch. Und dem Leben der Tod.
Die weihnachtliche Festzeit ist für Christen eine Art Ausstiegsluke aus den Zwängen des Alltags. Wir leben nicht für Lust und Laune. Das Christfest singt von einer Lebensqualität, die dort beginnt, wo man dem göttlichen Du vertraut, das die Natur übersteigt.

Ob Meditation oder Gebet: Wer sich jetzt freie Zeiten einräumt, die keinen bestimmten Zweck verfolgen, macht sich fit für die Zwänge, die ihn schnell genug wieder einholen werden. Wir brauchen übernatürliche Gründe, um zu entscheiden, was und wer sich im eigenen Leben wichtigmachen darf. Wem wir es erlauben, für uns wichtig zu sein. Wir entscheiden, was uns aus dem Bett holt. Im Blick auf Arbeit und Freizeit kann der Rhythmus “frei von” und “gebunden an” von uns bestimmt werden. Oder sagen wir es realistischer: Er kann von uns mitbestimmt werden.

Auf diese Weihnachtstage hin gesagt: Sie dürfen jetzt auch früh aufstehen und morgens allein oder in der Familie eine Zeit füreinander verbringen, die nicht verplant ist. Uns werden Festtage geschenkt, die uns klarmachen, dass wir nicht im Griff der Natur unser Dasein verbringen sollen, sondern in der Freiheit unserer Entscheidungen.

Das Leben im Blick

Auf das Jahr hin gesagt, das nun wieder neu beginnt: Wir können mitbestimmen, wie es uns führt. Ich wünsche Ihnen nicht eine schöne Winterzeit, sondern auch einen guten Jahreswechsel. Sie haben die Freiheit, jetzt durchzuatmen und sich neu zu stärken, Natur und Gesellschaft zu gestalten. Gönnen Sie es sich, Ihr Leben als Ganzes in den Blick zu nehmen und es vom Ende her zu sehen. Für mich ist der Gedanke, dass ich einmal anfing zu leben und dass mein Leben einst verlöschen wird, mal ganz abgesehen von meinem Glauben, wie zwei Haltepunkte, zwischen denen ich leben will – und zwischen denen ich nicht gelebt werden will. Dazwischen entsteht eine Spannung, die mich in die Verantwortung nimmt. Dem ist kein Tag im Leben langweilig, der sich fit hält, auf der Spur zu bleiben, was wohl aus seinem ganzen Leben werden kann.

Wir können uns auf die Spur machen, das Glück zu finden, das wir in unserem Leben schlummern spüren. Dafür müssen wir uns aber an einen Rhythmus binden, der weder von der Natur noch von anderen sogenannten Notwendigkeiten vorgegeben wird. Die halten uns nur oberflächlich auf Trab und erzeugen auf die Dauer eine tödliche Langeweile. Gönnen Sie sich einen Lebensrhythmus, der Ihnen hilft, sich von Zeit zu Zeit neben Ihr Leben und die ganze Welt zu stellen. Gönnen Sie sich Ruhepunkte, die mit keinem Ding dieser Welt zu begründen sind. Bejahen Sie Zeiten und Lebensphasen, in denen Sie nichts bringen wollen. Wo Sie einkehren bei sich. Wo Sie alles einfach mal sein lassen können. Wo Sie sich hineinfallen lassen ins Hier und Jetzt und der übernatürlichen Welt für 2010 einen Weihnachtsschritt weit näher kommen.

Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Paulus Terwitte: Jungen Leuten etwas zutrauen

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