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Cem Özdemir - Minister für Coolness

Paul Emtsev21.12.2021Medien, Politik

Mit seiner Fahrradtour zum Schloss Bellevue hat sich Cem Özdemir selbst zum Minister für Coolness ernannt. Von Paul Emtsev.

Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), neuer Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, kommt mit dem Fahrrad zur Amtsübergabe im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Foto: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Sein Migrationshintergrund hat Cem Özdemir in seiner politischen Karriere nicht daran gehindert, im Vordergrund mitzuspielen. 1994 kam Özdemir als erster Abgeordneter mit türkischen Wurzeln in den Deutschen Bundestag. Jetzt, 27 Jahre später, ist Cem Özdemir der erste Bundesminister türkischer Herkunft geworden. Die Ernennungsurkunde zum Minister für Ernährung und Landwirtschaft hat er sich auf dem Fahrrad abgeholt – eine Aktion, die von vielen Medien als unnötige Inszenierung kritisiert wurde. Özdemir scheint das egal zu sein.

Cem Özdemir ist stolz ist auf seinen Erfolg. Er spricht öffentlich über seine Eltern, die diesen Meilenstein leider nicht mehr miterlebt haben, über seine Mutter, die im vergangenen August verstorben ist. Er verspüre „Dankbarkeit und Demut“ angesichts seiner Nominierung. Man merkt es ihm an: Es ist für ihn nicht nur ein weiterer Karriereschritt, sondern auch eine persönliche Angelegenheit. Er sei bewegt von den positiven Zuschriften anderer Menschen mit Migrationsgeschichte, die ihm sagen: „Du bist jetzt da, wo noch keiner von uns war“.

Gleichzeitig spürt Özdemir auch die Verantwortung, „es gut zu machen“. Er weiß, dass es unter deutschen Bäuerinnen und Bauern auch „Fragezeichen“ gibt, oder wie Özdemir die Skepsis ihm gegenüber ausdrückt: „Kann der des“? Es ist die Mischung aus Selbstbewusstsein und kritischer Selbstreflexion, die Özdemir sympathisch macht. Ernährungsminister als Vegetarier? Lebensstilfragen gehen jeden selber an, sagt Özdemir. Seine Kinder dürfen ja auch Fleisch essen. Dieser grüner Fahrstil mit Bodenhaftung könnte bei Landwirten gut ankommen. Özdemir will zuhören und nicht über die Köpfe der Menschen hinweg Politik machen. Seine Botschaft formuliert er positiv: Er will der Landwirtschaft helfen, besser zu werden.

Zu seiner Ernennung beim Bundespräsidenten ist Cem Özdemir nun also mit dem Fahrrad erschienen. Eine „kalkulierte Sache“ sei das gewesen, kritisieren die Kommentatoren von BILD: Gott sei Dank, dass er „nicht auch noch einen Joint im Mund“ hatte. Özdemir „hätte auch Traktor fahren können“. Warum es denn ein E-Bike sein müsse, fragt man bei der WELT. Während sich die Journalisten echauffieren, genießt Özdemir die frische Luft. Nach den jahrzehntelangen Debatten um Integration in Deutschland ist es irgendwie auch ein besonderer Moment, wie Özdemir da mit seiner Urkunde auf dem Gepäckträger und einem Lächeln im Gesicht einfach an den ganzen deutschen Limousinen vorbeifährt.

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