Wird das Establishment Donald Trump einfangen?

von Paul Craig Roberts16.11.2016Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Die US-Bevölkerung hat den Oligarchen eine Niederlage beschert. Hillary Clinton, eine Repräsentantin dieser US-Oligarchie, wurde trotz der brutalen Medienkampagne gegen Donald Trump geschlagen. „Sollten die Oligarchen Trump nicht steuern und kontrollieren können“, schreibt Paul Craig Roberts, einst stellvertretender Finanzminister unter Ronald Reagan, „wird man ihn möglicherweise erschießen“.

Die diesjährigen Präsidentschaftswahlen haben eine historische Dimension,hat doch die US-Bevölkerung den Oligarchen eine Niederlage beschert. Hillary Clinton, eine Repräsentantin der Oligarchie, wurde trotz der brutalen Medienkampagne gegen Donald Trump geschlagen. Das wiederum zeigt uns, dass die Medien und das politische Establishment der politischen Parteien in den Augen der US-Bevölkerung keine Glaubwürdigkeit mehr besitzen. Es wird sich zeigen, ob es Trump gelingt, für seine Regierung Mitglieder auszuwählen und zu ernennen, die ihm und seinen Zielen dienen werden, wieder Arbeitsplätze in den USA zu schaffen sowie mit Russland, China, Syrien und dem Iran freundliche und respektvolle Beziehungen zu etablieren.

Es bleibt auch abzuwarten, wie die Oligarchie auf Trumps Sieg reagieren wird. Die Wall Street und die Federal Reserve könnten eine Wirtschaftskrise herbeiführen und Trump somit in die Defensive drängen. Und sie könnten die Krise nutzen, um Trump dazu zu zwingen, einen der ihren zum Finanzminister zu ernennen. Skrupellose Agenten der CIA und des Pentagons könnten eine verborgene Operation (False Flag Attack) inszenieren, um freundschaftliche Beziehungen mit Russland zu torpedieren.

Trump könnte auch den Fehler begehen, Neokonservative in seiner Regierung zu behalten. Mit Trump besteht wenigstens Hoffnung. Sofern sich Trump seinen Weg nicht mit der Ernennung ungeeigneter Kandidaten für Regierungsämter verbaut und ihm keine Hindernisse in den Weg gelegt werden, sollten wir ein Ende des instrumentalisierten Konflikts mit Russland, den Abbau der US-Raketen entlang der russischen Grenze in Polen und Rumänien, das Ende des Konflikts in der Ukraine und das Ende des Umsturzversuchs der syrischen Regierung sehen. Allerdings setzen solche Fortschritte einen Sieg gegen die Oligarchie voraus. Trump gewann zwar gegen Hillary Clinton. Doch die Oligarchie existiert weiter, und sie hat nach wie vor starke Macht.

Trump sagte, er sehe 25 Jahre nach dem Kollaps der Sowjetunion in der NATO keinen Sinn mehr. Sollte er bei seiner Sichtweise bleiben, wäre das für Washingtons Vasallen eine entscheidende Veränderung. Die derzeit Verantwortlichen in EU und NATO müssten ihre feindschaftliche Haltung gegenüber Russland ablegen. Die deutsche Kanzlerin Merkel müsste über ihren Schatten springen oder abgelöst werden. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg müsste entlassen werden.

Die entscheidende Personalfrage

Wir wissen nicht, welche Personen Trump auswählen wird, um in seiner Regierung zu dienen. Wahrscheinlich ist Trump weder mit seinen verschiedenen Möglichkeiten noch damit vertraut, welche Positionen diese Personen zu unterschiedlichen Themen einnehmen. Alles hängt davon ab, wer Trump in welcher Weise berät. Wenn wir seine Regierung sehen, werden wir wissen, ob wir hinsichtlich der Veränderungen, die nun möglich geworden sind, zuversichtlich sein können.

Sollten die Oligarchen Trump nicht steuern und kontrollieren können und er es tatsächlich schaffen, die Macht und die finanziellen Möglichkeiten des Militär-/Sicherheits-Komplexes zu beschränken sowie den Finanzsektor künftig politisch rechenschaftspflichtig zu halten, wird man Trump möglicherweise erschießen. Trump sagte, er wolle Hillary Clinton ins Gefängnis bringen. Er sollte sie erst einmal für ihren Landesverrat und ihre Kriegsverbrechen gemeinsam mit allen Neokonservativen auf die Anklagebank bringen. Damit würde er klar Schiff und den Weg für Frieden mit den beiden anderen großen Nuklearmächten frei machen, über die die Neokonservativen Hegemonie ausüben wollen. Zwar würden die Neokonservativen nach wie vor über Kontakte zum verborgenen Deep State verfügen. Doch es würde für das Gesindel schwer werden, False Flag-Operationen und Ermordungen zu organisieren. Natürlich könnten skrupellose Elemente innerhalb des Militär- und Sicherheitskomplexes nach wie vor politische Morde veranlassen. Doch ohne Neokonservative in der Regierung würde es den Drahtziehern schwerer fallen, sich zu verbergen.

Der President-Elect weiß zuviel

Trump hat mehr Verständnis und Einsicht, als es seine Gegner wahrhaben wollen. Als Mann, der das Risiko eingeht, sich derart viele mächtige Feinde zu machen und seinen Reichtum sowie seinen Ruf aufs Spiel zu setzen, muss er gewusst haben, dass die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem regierenden Establishment bedeutete, dass er zum Präsidenten gewählt werden konnte. Wir werden erst dann wissen, was wir erwarten können, wenn wir sehen, wer seine Minister und Staatssekretäre sind. Ist es die übliche Clique, wissen wir, dass man Trump eingefangen hat.

Ein glückliches, nachhaltiges Ergebnis dieser Wahl ist die vollständige Diskreditierung der US-Medien. Die Medien sagten Hillary einen leichten Sieg voraus und sogar, dass die Demokraten künftig den US-Senat kontrollieren werden. Noch wichtiger für die Einfluss- und Glaubwürdigkeitsverluste der Medien ist, dass die Medien – trotz der bösartigen Medienattacken auf Trump während der Vorwahlen und des Präsidentschaftswahlkampfs – außerhalb des Nordostens und der Westküste, also den Tummelplätzen des „Einen Prozents“, also dem „top-one-percent“ der US-Bevölkerung, keine Wirkung erzielten. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, dass die Oligarchen Trumps Sieg zulassen würden. Doch offensichtlich, so scheint es, wurden die Oligarchen von ihrer eigenen Medienpropaganda getäuscht. Sicher, dass Hillary die Wahl gewinnen würde, hatten sie keine effektiven Pläne in petto, ihm den Wahlsieg zu nehmen.

Hillary ist am Ende. Die Oligarchen sind es nicht. Sollte Trump geraten werden, sich versöhnlich zu geben, seine Hand auszustrecken und das Establishment in seine Regierung zu holen, werden die US-Bürger einmal mehr enttäuscht werden. In einem Land, in dem die Regierungsinstitutionen von den Oligarchen derartig korrumpiert wurden, ist es schwer, ohne Blutvergießen wirkliche Veränderungen herbeizuführen.

_Der “englische Originaltext”:http://www.paulcraigroberts.org/2016/11/09/the-working-class-won-the-election-paul-craig-roberts/ wurde am 9. November veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung stammt von Johannes Maruschzik, Glasshouse, Studies on a New Economy._

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