Ihr Kinderlein kommet

von Patrick Spät23.02.2012Gesellschaft & Kultur

Eine Steuer auf Kinderlosigkeit ist hochgradig hanebüchen und zeugt von einem merkwürdigen Demokratieverständnis. Darf man einen CDU-Mann dann fragen, wie es um all jene steht, die sich dem Zölibat verschrieben haben?

Schockierende Nachricht für den Bundeshaushalt: Immer weniger Deutsche rauchen. Da geht einiges an Tabaksteuer flöten. Tja, gesünder und älter werden wir dadurch obendrein. “Nach einer Prognose von Eurostat wird Deutschland im Jahr 2030 einen Rentneranteil von über 46 Prozent haben – und damit Spitzenreiter in der EU sein(Link)”:http://www.welt.de/politik/deutschland/article5910229/Deutschland-wird-zu-Europas-Rentnerrepublik.html. Was tun, wenn „Rauchen für die Rente“ nicht mehr funktioniert und in Deutschland die künftigen Beitragszahler, sprich Kinder fehlen? Wenn es nach “Marco Wanderwitz(Link)”:http://www.theeuropean.de/marco-wanderwitz/10016-familie-kinder-zukunft geht – seines Zeichens Sprecher der Jungen Gruppe in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion –, dann heißt das neue Zaubermittel wohl „Zeugen für die Rente“.

Diskriminierung Kinderloser

Mit zwei Kindern pro Frau bleibt die Bevölkerungszahl konstant. Derzeit liegt die Quote aber bei 1,3 Kindern, sodass Deutschland schrumpft. So weit die Binsenweisheit. Der abstruse Vorschlag von Wanderwitz lautet nun: Alle Bürger ab 25 Jahren sollen eine Strafgebühr zahlen, wenn sie keine Kinder haben. Wer den Klapperstorch noch nicht auf die Reise geschickt hat, muss eine Abgabe von einem Prozent seines Einkommens zahlen; wer ein Kind hat, liegt bei 0,5 Prozent; Paare mit zwei oder mehr Kindern sind von der Abgabe befreit. Soso, muss man sich jetzt also vom Staat demütigen und diskriminieren lassen, wenn man sich bewusst für die Kinderlosigkeit entscheidet? Irre ich mich, oder schimmert da der Generalverdacht durch, dass alle Kinderlosen unsoziales Gesocks sind? In der Kinderfrage verfolgen alle Demokratien das Prinzip Zuckerbrot statt Peitsche: Wer Kinder hat, wird von der Gemeinschaft unterstützt, indem die Steuergelder in Bildung, Kindergeld und ähnliche Dinge fließen. Das funktioniert im Deutschland der auseinandertriftenden sozialen Schere nur mittelprächtig, aber da ließen sich ja ein paar Schrauben drehen. Nun aber packen Wanderwitz und Co. die Peitsche aus: Wer nicht zeugt, der zahlt. Aber, liebe Volksvertreter, wer ist es denn, der da nicht zeugt? Generation Praktikum, Prekariat, Krisenkinder … kurzum, es ist vor allem jene Gruppe der 25- bis 35-Jährigen, die sich ein Kind schlichtweg nicht leisten können. Menschen, die von Zeitvertrag zu Zeitvertrag springen. Menschen, die gerade so für sich selbst sorgen können. Die vielleicht auch, dank der CDU/CSU-Studiengebühren, Tausende Euro Schulden haben. Frauen, die wegen einer Schwangerschaft ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Gleichgeschlechtliche Paare, denen die CDU zig Steine in den Weg wirft, wenn sie ein Kind adoptieren wollen. Ach ja: Darf man den Vertreter einer christlichen Partei auch fragen, was mit all jenen ist, die sich dem Zölibat verschrieben haben? Was bitte machen wir mit gesundheitlich beeinträchtigten Personen, die entweder kein Kind zeugen können oder – beispielsweise wegen einer Erbkrankheit – nicht wollen? Und muss jetzt jede Frau, die das grausame Erlebnis einer Fehlgeburt hat, dafür blechen?

Wenn die Strafgebühr kommt, verlasse ich das Regime

Ich zahle gerne Steuern, um Kinderfreibeträge, Kindergeld und anderes zu finanzieren. Aber wenn die Strafgebühr kommt, verlasse ich dieses Regime und setze meine Kinder eben woanders in die Welt. Apropos Welt: Die platzt ja aus allen Nähten. Lokal kommt die Strafe, während wir global gerade die sieben Milliarden erreicht haben. Sehr clever. Eine Steuer auf Kinderlosigkeit ist hochgradig hanebüchen und zeugt von einem merkwürdigen Demokratieverständnis. Wer weiß, vielleicht will Wanderwitz ja bald Kondome und Anti-Baby-Pillen verbieten? Wie dem auch sei, dieser Artikel hat mich drei Zigaretten gekostet: Wohl bekomm’s der Rente.

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