Die Würde des Menschen ist ungeklärt

Patrick Spät8.05.2011Gesellschaft & Kultur, Politik

Man kann das Pferd nicht von hinten aufzäumen: Wer nicht grundlegend klärt, was die Menschenwürde ausmacht, der kann sich in der aktuellen PID-Debatte nicht auf sie berufen und weitreichende Entscheidungen treffen.

„Zieht ein Bienenschwarm aus, so wird er herrenlos, wenn nicht der Eigentümer ihn unverzüglich verfolgt oder wenn der Eigentümer die Verfolgung aufgibt.“ (“BGB, § 961(Link)”:http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__961.html). Gut, dass das geklärt ist. Weit wichtigere Dinge sind im deutschen Rechtsstaat noch immer ungeklärt. Die deutsche Rechtssprechung erstickt in Paragrafen und Definitionen, doch sie teilt uns immer noch nicht mit, was der Begriff „Menschwürde“ überhaupt bedeuten soll. Und die aktuelle Debatte um die “PID”:http://www.theeuropean.de/debatte/3724-praeimplantationsdiagnostik benötigt genau das: eine exakte Definition der Menschenwürde. Denn in den Medien und im Bundestag fliegt einem dieser Begriff im Sekundentakt um die Ohren – und jeder verwendet das Wort, wie es ihm gefällt. Zur Debatte steht die PID. Bevor die Volksvertreter in dieser bedeutenden Frage eine Entscheidung fällen, sollten sie die fundamentale Bedeutung von Artikel 1 des Grundgesetzes festlegen – in einem ergänzenden und verbindlichen Gesetzestext. Ansonsten versucht man ein Kartenhaus zu bauen, indem man zuerst die Spitze statt das Fundament errichtet.

Was meint Würde?

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Worauf zielt dieser Satz ab? Der “Philosoph Immanuel Kant(Link)”:http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant übte zweifelsohne den größten Einfluss auf unseren modernen Würde-Begriff aus. Kant unterscheidet zwischen Dingen, die einen Preis und einen Wert haben. Ein Kugelschreiber oder ein Autoreifen sind austauschbar: Sie haben nichts sonderlich individuelles an sich, ihr Wert lässt sich in Euro oder Dollar angeben und sie lassen sich für unsere Ziele instrumentalisieren. Ein Mensch aber hat keinen Preis, sondern einen Wert: Seine Existenz lässt sich durch nichts in der Welt ersetzen und deshalb hat ein Mensch ein gegen nichts abzuwägendes Recht als Individuum zu existieren. Ein Mensch ist also kein austauschbares Gut, sondern einmalig – und deshalb hat er eine Würde. Im englischen Wort für Würde („dignity“), das vom lateinischen dignitas („Wert“) stammt, ist die ursprüngliche Bedeutung noch zu erkennen. Der Würde-Begriff geht noch einen Schritt weiter. In Kants etwas angestaubten Worten: „Handle so, daß du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“ Im Alltag bedeutet das: Wir verletzten die Würde eines Menschen, wenn wir ihn für unsere eigenen Ziele instrumentalisieren. Natürlich machen wir das tagtäglich, wenn wir die Dienste eines Taxifahrers oder Rechtsanwalts in Anspruch nehmen. Der springende Punkt ist das „niemals bloß“. Wir müssen unseren Mitmenschen mit Respekt begegnen, ihre Entscheidungsfreiheit tolerieren und ihr Lebensrecht würdigen.

Wann ist ein Mensch ein Mensch?

„Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie“, wie der Psychologe “Kurt Lewin”:http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Lewin treffend feststellte. Zuerst sollten die Volksvertreter den Würde-Begriff dahingehend klären, dass sie die Einmaligkeit, die Unverletzlichkeit und den Wert des Lebens festschreiben. Erst dann kann man über die PID und ihre Anwendung diskutieren. Und erst dann kann man sich präzise mit einer weiteren entscheidenden Frage beschäftigen: Wann ist ein Mensch ein Mensch? Als potentieller Mensch in der Eizelle und im Spermium? Als befruchtete Eizelle? Nach 14 Wochen Schwangerschaft? Oder erst mit der Geburt? Mögen die Gesetzgeber hier den gleichen Elan an den Tag legen wie bei den Bienenschwärmen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Deutschland ist über Nacht zu einer offenen Gesinnungsdiktatur geworden

Man wird in der Geschichte wohl kein Beispiel finden, welches veranschaulicht, wie in einer Demokratie von Politik und Medien so offen ein urdemokratischer Prozess dämonisiert und ein gewählter Ministerpräsident einer solchen Hasskampagne von Politikern und Medien ausgesetzt wurde, dass er und se

Der Rundfunkbeitrag ist einfach nicht mehr zeitgemäß

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU fordert die Landesregierungen auf, die Stimmung in der Bevölkerung ernst zu nehmen und umgehend Kostenschnitte für die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten zu beschließen.

Wir dürfen uns von der AfD nicht die Demokratie zerstören lassen

Es gibt sie noch, die besonnenen Köpfe in der Politik. Wohltuend unaufgeregt das Interview mit Thüringens früherem Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU), Solche besonnenen Stimmen, die die Dinge vom Ende her durchdenken und nicht nur flotte Parolen oder moralische Dauerempörung im Programm h

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“. Wenn die Grünen wirklich Frieden und Klimaschutz wollen, dann müssen sie der skrupellosen US-Oligarchie, die die halbe Welt terrorisiert, die kalte Schulter zeigen. Europa muss sich aus der Bevormundung der

Regierungsbildung in Thüringen: Dies ist ein bitterer Tag für die Demokratie

Dieses Ergebnis ist ein Dammbruch. Die Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten hat gezeigt, dass CDU und FDP den Wählerauftrag nicht verstanden haben. Gemeinsam mit Stimmen der AfD haben sie die Wiederwahl Bodo Ramelows verhindert. FDP und CDU werden damit zum Steigbügelhalter der rechtsextremen

Sich mit der AfD wählen zu lassen, ist ein inakzeptabler Dammbruch

Es ist ein inakzeptabler Dammbruch, sich mit dem Stimmen der AfD und Herrn Höckes wählen lassen, so Ministerpräsident Bayerns Markus Söder.

Mobile Sliding Menu