Europa muss sich von der amerikanischen Vorherrschaft befreien

von Oskar Lafontaine19.02.2019Außenpolitik, Europa

Viele Kommentatoren jubeln, weil Angela Merkel dem US-amerikanischen Vize-Präsidenten Mike Pence auf der Münchner Sicherheitskonferenz Widerworte gegeben hat. Aber die Konferenz hat ihr Thema verfehlt, zu diesem Schluss kommt Oskar Lafontaine.

Viele Kommentatoren jubeln, weil Angela Merkel dem US-amerikanischen Vize-Präsidenten Mike Pence auf der Münchner Sicherheitskonferenz Widerworte gegeben hat. Aber die Konferenz hat ihr Thema verfehlt.

1997 sagte der renommierte US-Stratege Zbigniew Brzeziński: “Der gesamte (europäisch-asiatische) Kontinent ist von amerikanischen Vasallen und tributpflichtigen Staaten übersät.” Die USA sind ein “Staat von nie da gewesener Ausdehnung und beispielloser Macht”.

Wer auf die Landkarte blickt, sieht, dass die USA Russland und China einkreisen. Sie spielen mit dem Feuer und gefährden die europäische Sicherheit durch die beabsichtige Aufstellung von landgestützten Atomraketen und Anti-Raketenbasen in Polen und Rumänien. Der Tribut, den die USA von ihren europäischen Vasallen verlangen, ist die Erhöhung der Militärausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes, der Ersatz russischer Erdgas-Lieferungen durch umweltschädliches US-Fracking-Gas und die vorbehaltlose Unterstützung der US-Handelskriege mit China, Russland und dem Iran.

Europa muss sich von der amerikanischen Vorherrschaft befreien. Die USA (700 Milliarden Dollar Militärausgaben) brauchen die europäischen Staaten (rund 300 Milliarden Dollar Rüstungsausgaben) für ihre Sicherheit nicht. Sie brauchen sie nur als Vasallen, um ihre Weltherrschaft auszuüben.

Europa ist wirtschaftlich und militärisch in der Lage, sein Schicksal selbst zu bestimmen. Es muss sich vom Schlepptau der USA lösen.

Es gelten die Worte Helmut Schmidts: Europa muss “Russland als Partner sehen, nicht als Gegner… Für den Frieden in der Welt geht von Russland heute viel weniger Gefahr aus, als etwa von Amerika.“

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