US-Atomraketen haben auf europäischem Boden nichts verloren

Oskar Lafontaine7.02.2019Gesellschaft & Kultur, Politik, Wirtschaft

Jetzt haben die USA den INF-Vertrag zur Begrenzung von Mittelstrecken-Raketen gekündigt. Die Reaktionen von Merkel und Maas – Russland ist Schuld, wie könnte es anders sein – sind erbärmlich und nicht im deutschen Interesse. Die USA geben dieses Jahr rund 700 Milliarden Dollar für Rüstung aus, Russland 66 Milliarden. Ein Beitrag von Oskar Lafontaine.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Welt durch Atomwaffen zerstört werden kann, wenn ein „Staatsmann“ durchdreht oder die Technik versagt. 1983 zum Beispiel meldeten sowjetische Computer einen US-Raketenangriff, und nur weil der diensthabende Oberst Stanislaw Petrow die Nerven behielt und einen Computerfehler vermutete, blieb die Welt von einem nuklearen Inferno verschont.

Jetzt haben die USA den INF-Vertrag zur Begrenzung von Mittelstrecken-Raketen gekündigt. Landgestützte Mittelstrecken-Raketen sind besonders gefährlich, weil sie treffgenau sind und nur kurze Vorwarn-Zeiten haben.

Die Reaktionen von Merkel und Maas – Russland ist Schuld, wie könnte es anders sein – sind erbärmlich und nicht im deutschen Interesse. Die USA geben dieses Jahr rund 700 Milliarden Dollar für Rüstung aus, Russland 66 Milliarden. Ein Blick auf die Landkarte zeigt: Die USA kreisen Russland und China ein. Um ihr Drohpotential zu erhöhen, brauchen sie landgestützte Atomraketen mit hoher Treffgenauigkeit und kurzen Vorwarnzeiten – Flugdauer: circa zehn Minuten -, die Moskau oder Peking bedrohen.

Wieder genügt ein Blick auf die Landkarte, um zu erkennen, dass die USA solche Raketen nicht zu fürchten brauchen, es sei denn, Russland oder China kämen auf die Idee, solche Systeme auf Kuba, in Mexiko oder in Kanada zu stationieren.

Wenn landgestützte Raketen in Europa stationiert werden, dann ist es logisch, dass Russland seine Raketen auf diese Standorte richten wird. Leider ist zu befürchten, dass die europäischen Vasallen der USA die Stationierung landgestützter US-Raketen mittragen werden, weil bekanntlich der Russe an allem Schuld ist und sie unfähig sind, eine eigenständige europäische Außenpolitik zu verfolgen und die deutschen und europäischen Interessen wahrzunehmen. Und das in einer Zeit, in der Donald Trump die Maske fallen ließ und aller Welt gezeigt hat: „America first“ heißt: Die Führungsclique der USA verfolgt nur ihre eigenen Interessen, der Rest der Welt ist ihr egal. Für Europa und Deutschland kann das nur heißen: US-Atomraketen haben auf europäischem Boden nichts verloren.

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