Würde ist was für die Mittelschicht. Harald Schmidt

Die USA muss für kriegerische Verbrechen zahlen

“Die USA sind für die Folgen ihrer Politik verantwortlich und müssen den größten Teil der Milliarden übernehmen, die aufgebracht werden müssen, um den Menschen zu helfen, die vor diesen verbrecherischen Kriegen fliehen”, schreibt Oskar Lafontaine.

„Wir müssen uns selbst verteidigen, mit Blick auf China, Russland und sogar die Vereinigten Staaten von Amerika“, sagte der französische Präsident Emmanuel Macron. Postwendend twitterte der Unberechenbare im Weißen Haus: Dass Macron die USA zu Europas Feinden zähle, sei „sehr beleidigend. Vielleicht sollte Europa erst einmal seinen fairen Anteil an der Nato zahlen, die von den USA in großem Umfang subventioniert wird.“

Mit dieser Forderung, die auf einer großen Lüge basiert, hat Trump die ängstlichen Staatenlenker Europas, allen voran Angela Merkel, genötigt, die Rüstungsausgaben auf zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes zu erhöhen und damit eine neue Rüstungsspirale in Gang gesetzt. Zur Erinnerung: Die USA gaben letztes Jahr für ihr Militär rund 610 Milliarden Dollar aus (dieses Jahr 700 Milliarden), Deutschland 44,3 Milliarden, Frankreich 57,8 Milliarden, Russland 66,3 Milliarden, Europa insgesamt 342 Milliarden.

Entgegen der weitverbreiteten Propaganda ist die Politik der USA gegenüber Europa feindselig, weil sie auf die Interessen des alten Kontinents kaum Rücksicht nimmt. Europa braucht Frieden und Ausgleich mit Russland. Die Einkreisung Russlands durch die USA gefährdet die europäische Sicherheit. Zu Recht bezeichnete der Diplomat George F. Kennan die Nato-Osterweiterung als „verhängnisvollsten Fehler amerikanischer Politik in der Zeit nach dem Kalten Krieg“. Mittlerweile stehen auch US-Raketenbasen in Polen und Rumänien.

Zu allem Überfluss will Trump den 1987 abgeschlossenen INF-Vertrag kündigen, der es verbietet, nukleare Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern in Europa und Russland zu stationieren. Dieser Vertrag ist ein Abrüstungsvertrag und stabilisiert den Frieden in Europa.

Ziel der US-Politik ist es, zu verhindern, „dass deutsches Kapital und deutsche Technologien sich mit russischen Rohstoffen und russischer Arbeitskraft verbinden – eine einzigartige Kombination, vor der die USA seit Jahrhunderten eine Höllenangst haben“ (George Friedman, Gründer und Vorsitzender des US-amerikanischen Think-Tanks „Stratfor“). Daher auch das ständige Polemisieren des US-Präsidenten gegen Nordstream 2.

Macron hat etwas richtiges erkannt: Wenn Europa in Frieden leben will, muss es zusammen mit anderen Ländern den US-Imperialismus zurückdrängen, der die Welt beherrschen und rücksichtslos seine Interessen durchsetzen will. Die USA führen Handelskriege, verdeckte Kriege und Bombenkriege, destabilisieren viele Länder und gefährden permanent den Weltfrieden.

Die 700 Milliarden Dollar geben die USA nicht für die Nato aus, sondern für ihre auf die Eroberung von Absatzmärkten und Rohstoffen ausgerichteten Kriege in der ganzen Welt. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Europäer müssen dem Dealmaker endlich die Gegenrechnung aufmachen. Die US-Kriege haben den Vorderen Orient und Libyen destabilisiert und viele Millionen Menschen zur Flucht gezwungen, von denen die Nachbarländer der mit Krieg überzogenen Staaten, aber auch die europäischen Länder viele aufgenommen haben. Die USA sind für die Folgen ihrer Politik verantwortlich und müssen den größten Teil der Milliarden übernehmen, die aufgebracht werden müssen, um den Menschen zu helfen, die vor diesen verbrecherischen Kriegen fliehen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Bill Wirtz, Wolf Achim Wiegand, Nils Christian Hesse.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Krieg, Usa, Barack-obama

Debatte

Für einen Neubeginn in Europa

Medium_f42454e0ce

Macron: Und doch war Europa noch nie in so großer Gefahr

"Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg war Europa so wichtig. Und doch war Europa noch nie in so großer Gefahr", schreibt der französische Präsident Emmanuel Macron in einem bewegten Brief an die Bür... weiterlesen

Medium_75ce95026b
von Emmanuel Macron
12.03.2019

Kolumne

Medium_2c39e622cc
von Stefan Groß
07.03.2019

Debatte

Wo ist Deutschland?

Medium_843e5373ba

Wird Deutschland „eingesandwiched“ zwischen China und den USA?

Das ist eine interessante Frage, die sich seit einiger Zeit wohl Viele fragen. Eine genauso interessante Möglichkeit der Antwort: Es besteht die Gefahr, dass Deutschland „eingesandwiched“ wird zwis... weiterlesen

Medium_ad7ea38ca5
von Beatrice Bischof
04.03.2019
meistgelesen / meistkommentiert