Diese Eigentumsordnung macht Demokratie unmöglich

Oskar Lafontaine12.10.2018Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft

Zur Zeit der Aufklärung hieß es noch, Eigentum ist das, was der Mensch sich selbst erarbeitet hat. Heute gehören die großen Vermögen denen, die oft keinen Finger krümmen und das übertragen bekommen, was viele Tausende erarbeitet haben, kritisiert Oskar Lafontaine.

Mit unterschwelligem Stolz verkünden heute viele Medien, dass Klatten und Quandt die reichsten Deutschen sind, mit einem geschätzten Vermögen von 34 Milliarden Euro. Weiter heißt es, den Geschwistern gehören 47 Prozent an BMW. Allein für das Jahr 2017 erhielten sie im Mai rund 1,1 Milliarden Euro Dividende.

Diese Meldung ist pervers. Aber die Tatsache, dass die Geschwister fürs Nichtstun 1,1 Milliarden Euro Jahresdividende erhielten, während Millionen am Monatsende nicht wissen, wie sie über die Runden kommen und ihre Rechnungen bezahlen sollen, führt kaum zu kritischen Kommentaren in der Medienwelt. Zu sehr haben wir uns an die perverse Eigentumsordnung gewöhnt, die dazu führt, dass 42 reiche Menschen (Diebe) so viel besitzen (geklaut haben) wie die Hälfte der Weltbevölkerung (3,7 Milliarden Menschen, darunter rund 800 Millionen, die vom Hungertot bedroht sind) (Oxfam). Milliardenvermögen sind immer Diebstahl.

Zur Zeit der Aufklärung hieß es noch, Eigentum ist das, was der Mensch sich selbst erarbeitet hat. Heute gehören die großen Vermögen denen, die oft keinen Finger krümmen und das übertragen bekommen, was viele Tausende erarbeitet haben.

Dass diese Eigentumsordnung Demokratie unmöglich macht, weil die großen Vermögen politische Entscheidungen kaufen können, spricht sich langsam herum. Man denke nur an das klägliche Herumlavieren der Bundesregierung gegenüber den Automobilkonzernen beim Dieselskandal. Die Eigentümer werden ihre Interessensvertreter in Regierung und Parlament auch in Zukunft mit einigen Spenden bedienen, die im Vergleich zu ihren Milliardenvermögen Brosamen sind.

Gibt es eine bessere Wirtschaftsordnung? Ja! Eine Wirtschaftsordnung, in der das Vermögen denen gehört, die es erarbeiten. Die großen Konzerne würden dann nicht den Quandts und Klattens gehören, sondern der Belegschaft. Und die Propaganda, dass die privaten Eigentümer „bessere Entscheidungen treffen als die Vertreter einer Belegschaft“ ist schon lange widerlegt, wenn man bedenkt, wie viele Unternehmen von Nieten in Nadelstreifen in den Sand gesetzt wurden.

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