Gewerkschafts-Ferkeleien

Oskar Lafontaine22.04.2017Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft

Am 1. Mai werden Gewerkschafts-Funktionäre wieder im Verein mit sozialdemokratischen “Spitzenpolitikern” im Brustton der Überzeugung Lohndrückerei und den Abbau von Arbeitnehmerrechten beklagen und dabei darauf hoffen, dass die braven Zuhörer vergessen, welche Mitverantwortung die Festredner daran tragen, dass die Arbeitsbedingungen in Deutschland immer schlechter werden.

Seit 1969 bin ich Mitglied der ÖTV (heute ver.di). Eine demokratische und freie Gesellschaft braucht starke Gewerkschaften.

Unübersehbar ist, dass auch die Gewerkschafts-Funktionäre und -Mitglieder dem Zeitgeist unterworfen sind. Der Kapitalismus frisst seine Kinder. Der neoliberale Abbau von Arbeitnehmer-Rechten und die Spaltung der Belegschaften in zwei Klassen (Kern-Belegschaft, Leiharbeiter und Werkverträgler), sie gehen weiter. Und mehr und mehr spielen Gewerkschafts-Funktionäre dabei mit.

Es ist schon eigentümlich, zu erleben, wie “grandiose Tarifabschlüsse” von vier Prozent Lohn- und Gehaltszuwachs gefeiert werden, wobei man “vergisst”, die Laufzeit von zwei Jahren hinzuzufügen und darauf hinzuweisen, dass die jährliche Preissteigerung bei zwei Prozent liegt, so dass der “große Erfolg” darin besteht, reale Einkommenseinbußen verhindert zu haben.

Auch die IG Metall ist längst nicht mehr, was sie einmal war. Nicht genug damit, dass sie eine Betriebsrente befürwortet, die die Privatisierung der Rente in Deutschland im Interesse der Versicherungskonzerne vorantreibt und noch nicht einmal die eingezahlten Beiträge garantiert. Jetzt hat die IG Metall mit den Arbeitgebern vereinbart, dass die Leiharbeit tarifvertraglich auf vier Jahre verlängert werden kann. Wenn man das liest, traut man zunächst seinen Augen nicht. Wie sagte doch der IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann: “Digitalisierung, Globalisierung und demografischer Wandel treffen auf eine Gesellschaft, die von Unsicherheit und Ungleichheit gekennzeichnet ist. Das sind die Folgen der Agenda 2010… Die Prekarisierung, die gerade einen Teil der Arbeiterschaft betrifft”, sei mit ursächlich für den Aufstieg der AfD. Ob er wirklich begriffen hatte, was er da sagte?

Am 1. Mai werden Gewerkschafts-Funktionäre wieder im Verein mit sozialdemokratischen “Spitzenpolitikern” im Brustton der Überzeugung Lohndrückerei und den Abbau von Arbeitnehmerrechten beklagen und dabei darauf hoffen, dass die braven Zuhörer vergessen, welche Mitverantwortung die Festredner daran tragen, dass die Arbeitsbedingungen in Deutschland immer schlechter werden (Niedriglohn, Leiharbeit, Werkverträge,…).

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Der Rundfunkbeitrag ist einfach nicht mehr zeitgemäß

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU fordert die Landesregierungen auf, die Stimmung in der Bevölkerung ernst zu nehmen und umgehend Kostenschnitte für die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten zu beschließen.

Deutschland ist über Nacht zu einer offenen Gesinnungsdiktatur geworden

Man wird in der Geschichte wohl kein Beispiel finden, welches veranschaulicht, wie in einer Demokratie von Politik und Medien so offen ein urdemokratischer Prozess dämonisiert und ein gewählter Ministerpräsident einer solchen Hasskampagne von Politikern und Medien ausgesetzt wurde, dass er und se

Wir dürfen uns von der AfD nicht die Demokratie zerstören lassen

Es gibt sie noch, die besonnenen Köpfe in der Politik. Wohltuend unaufgeregt das Interview mit Thüringens früherem Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU), Solche besonnenen Stimmen, die die Dinge vom Ende her durchdenken und nicht nur flotte Parolen oder moralische Dauerempörung im Programm h

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“. Wenn die Grünen wirklich Frieden und Klimaschutz wollen, dann müssen sie der skrupellosen US-Oligarchie, die die halbe Welt terrorisiert, die kalte Schulter zeigen. Europa muss sich aus der Bevormundung der

Rechtsterror: Sofortmaßnahmen für eine sichere Gesellschaft

Jeder Mensch – egal, woher sie kommt, egal, wie er aussieht – muss in unserem Land sicher leben können, so Katrin Göring-Eckardt im Statement.

Sich mit der AfD wählen zu lassen, ist ein inakzeptabler Dammbruch

Es ist ein inakzeptabler Dammbruch, sich mit dem Stimmen der AfD und Herrn Höckes wählen lassen, so Ministerpräsident Bayerns Markus Söder.

Mobile Sliding Menu