Die Fußstapfen, in die ich hier trete, sind im wahrsten Sinne des Wortes groß. Ilse Aigner

Zehn Gründe, die die CDU den Sieg kosten

Ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble an diesen Zinsverlusten schuld? Ja, sagen viele Kritiker. Denn er hat sich EZB-Chef Mario Draghi nicht in den Weg gestellt, sondern sich hinter ihm versteckt. Schäuble hat nicht für die Sparer gekämpft, sondern sich an ihnen bereichert.

Die letzte Zinsbastion ist gefallen. Das Bausparkassenurteil hat vielen Sparern diesen Fluchtweg abgeschnitten. Jetzt bekommen sie statt 5 % Zins nur noch 0 %.

Ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble an diesen Zinsverlusten schuld? Ja, sagen viele Kritiker. Denn er hat sich EZB-Chef Mario Draghi nicht in den Weg gestellt, sondern sich hinter ihm versteckt. Schäuble hat nicht für die Sparer gekämpft, sondern sich an ihnen bereichert.

In die Opposition schicken

Solche Politiker braucht man wahrlich nicht. Gut dass Wahlen anstehen. Dann können die Sparer den Bundesfinanzminister in die wohlverdiente Opposition schicken.
Es sei denn, Schäuble gelobt Wiedergutmachung. Und zwar nicht nach, sondern vor den Wahlen. Wiedergutmachung für die Zinsverluste, die jährlich auf mindestens 2 % zu beziffern sind.

Entwertete Altersversorgungen

Also nicht nur Steuerermäßigungen für zu viel gezahlte Steuern. Sondern auch Wiedergutmachung für enteignete Zinsen. Wiedergutmachung für geplatzte Renditeträume, für entwertete Altersversorgungen, für gefährdete Lebensversicherungen.

Die Arbeitnehmer haben “St. Martin”. Er kämpft für die, die im Wohlstandsrennen die Verlierer geblieben sind.

Kampfruf der Sparer

Doch wen haben die Sparer? Es zeigt sich niemand, der ihre Interessen wahren will. Deshalb müssen die Sparer selbst auf die Barrikaden.
Denn Wahltag ist Zahltag. Wer in den nächsten Monaten nicht um seine Interessen kämpft, dem ist nicht mehr zu helfen. Deshalb lautet der Kampfruf der Sparer: Schäuble, gib uns unsere Zinsen wieder.

Studie beweist Sorgen

Auch Umfragen zeigen, dass die Auswirkungen der aktuellen Geld- und Zinspolitik der EZB den deutschen Sparerinnen und Sparern große Sorgen bereiten. Mit 58 % und einem Anstieg von 17 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr wird dieses Thema als größtes Problem im Rahmen der individuellen Vermögensbildung gesehen.

Das ist das Ergebnis des Vermögensbarometers 2016. Diese repräsentative Studie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) wurde zum Weltspartag vorgelegt.

Das Vertrauen bröckelt

Damit ist die Niedrigst- und Negativzinsphase endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der Wegfall von Zins- und Zinseszinseffekt wird für die Menschen zu einer immer größeren Belastung.

Zusätzlich werden die Sparerinnen und Sparer durch politische Diskussionen auf europäischer Ebene, beispielsweise zur Zwangsvergemeinschaftung der europäischen Einlagensicherungen, verunsichert. “Das Vertrauen der Menschen, mit ihren Sparanstrengungen ausreichend für das Alter vorsorgen zu können, bröckelt”, warnt DSGV-Präsident Georg Fahrenschon.

Zinspolitik verfehlt Ziele

Das politische gewollte Überangebot an billigem Kapital führe nicht zu dem gewünschten Effekt. Trotz noch geringer Inflation und gestiegener Reallöhne gäben die Deutschen nicht mehr Geld aus.
Damit habe die Zinspolitik zumindest in Deutschland eines ihrer wesentlichen Ziele verfehlt. Fahrenschon: “In Zeiten gefühlter Unsicherheit wird mehr gespart und nicht mehr Geld ausgegeben.”

Junge Menschen im Sparstreik

Insgesamt legt aber ein gutes Drittel der Bevölkerung (36 %) aktuell kein Geld für die Altersvorsorge zurück. Gefragt nach der monatlichen Sparsumme für diesen Zweck gibt in der Altersgruppe der 14-Jährigen bis 29-Jährigen sogar die Hälfte an, kein Geld anzusparen.

Vor allem Geringverdiener betroffen

Unter den Folgen der Null- und Negativzinsen hätten vor allem Geringverdiener zu leiden. 59 % der Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen bis 1.000 Euro sparten laut Vermögensbarometer 2016 gar nichts für später. Hier ist für Fahrenschon die Versorgungslücke im Alter “schon heute absehbar”.

Diese Hiobsbotschaften dürfen den Bundesfinanzminister nicht kalt lassen. Denn die Fakten legen keine politischen Spinner vor, sondern die soliden Sparkassen. Schäuble steht also vor seinem letzten Gefecht.

Sicherste Wähler nicht verprellen

Wenn Schäuble die Sparer enttäuscht, verprellt er seine sichersten Wähler. Dann drohen der Union viele Jahre der Opposition.

Warnung aus Italien

Ob sich die Union aus dieser Opposition erholt, ist fraglich. Das Schicksal der Christdemokraten in Italien, die sich nach jahrzehntelanger Regierungsführung auflösen mussten, sollte Schäuble eine Warnung sein.

Quelle: The Huffington Post

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Clemens Schneider, Florian A. Hartjen.

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