Virologe Kekulé: "Wir haben für Omikron nicht die richtigen Impfstoffe, um epidemisch erfolgreich zu sein" | The European

Alexander Kekulé: „Die allgemeine Impfpflicht ist totaler Unsinn“

Originalquelle 1.02.2022Medien, Wissenschaft

Der Virologe Alexander Kekulé hat sich gegen eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen. Wir haben für Omikron nicht die richtigen Impfstoffe, um epidemisch erfolgreich zu sein“, betonte er in einem Gespräch mit web.de. Wir zitieren in Ausschnitten.

Alexander Kekule zu Gast in der "M.Lanz", Foto: picture alliance / Stephan Persch | Stephan Persch

Im Interview mit web.de erklärt der Virologe Alexander Kekulé, dass mit der Omikron-Welle die „Häufigkeit der schweren Verläufe ganz massiv zurückgeht. Der Wissenschaftler geht aber davon aus, dass wir jeden Herbst eine Coronawelle haben werden. Zu den derzeitigen Corona-Regeln betont er, dass man zwar viel zu spät Ende auf die Delta-Welle reagiert habe, „aber die Maßnahmen, die der Bundestag beschlossen hat, sind aus gutem Grund immer noch in Kraft. Was den “Corona-Strenge-Index” angeht, so nenne ich das jetzt einfach mal, sind wir eines der am besten aufgestellten Länder der Welt.“

Zur Impfpflicht betont er: „Die allgemeine Impfpflicht ist totaler Unsinn“. Zur Begründung heißt es: „Man muss unterscheiden, ob ich mit einem Impfstoff eine Infektionskrankheit eindämmen, also die sogenannte Herdenimmunität erzielen kann. Aus wissenschaftlicher Sicht muss man ganz nüchtern festhalten: Wir haben für Omikron nicht die richtigen Impfstoffe, um epidemisch erfolgreich zu sein, die waren schon bei der Delta-Variante nicht ausreichend wirksam. Wir können also die Pandemie nicht wegimpfen, denn wir sind vor einer Omikron-Infektion fast gar nicht geschützt durch die Impfung.“

Zur Überlastung der Intensivstationen sagt er im Gespräch: „Weltweit ist die Welle ja in einigen Ländern schon durchgelaufen, und die Intensivkapazitäten wurden bislang nie überlastet. Im Vergleich zu anderen Ländern haben wir in Deutschland außerdem wesentlich mehr Kapazitäten. Deshalb ist auch bei uns keine massive Überlastung der Intensivstationen zu erwarten, die theoretisch eine allgemeine Impfpflicht begründen könnte.“

Auf die Frage: „Warum sagen dann sehr viele Experten, eine Impfpflicht würde uns vor der nächsten Welle im Herbst schützen?“ sagt Kekulé: „Sehr wahrscheinlich würde auch eine Impfung mit den jetzt bereits verfügbaren, gegen die ursprüngliche Wuhan-Variante entwickelten Vakzinen auch dann einen gewissen Schutz vor schweren Verläufen bieten, wenn im Herbst eine vollkommen neue Variante kommen sollte. Um jetzt eine allgemeine Impfpflicht zu beschließen, müsste diese Maßnahme jedoch erstens geeignet und zweitens angemessen sein, sonst ist ein derart massiver Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit nicht vertretbar. Geeignet wäre sie nur, wenn es einen erheblichen Unterschied bei den Krankenhausbelegungen macht, je nachdem ob die Menschen nur freiwillig geimpft und genesen sind oder zusätzlich eine Impfpflicht besteht.“

Zur Risikogruppe zählt er Virologe die ungeimpften Über-60-Jährigen. „Das war schon bei der Delta-Variante so und ist jetzt bei Omikron noch klarer. Den besten denkbaren Schutz hat jemand, der von COVID genesen ist und danach – mit Abstand von vier Monaten oder mehr – noch eine Impfung erhalten hat. Der Fachausdruck dafür lautet “Superimmunität”. Danach kommen die von Delta Genesenen, die werden bei Omikron keine schweren Verläufe haben, selbst wenn sie schon etwas älter sind. Das gilt aber nicht für diejenigen, die sich zu Beginn der Pandemie mit einer älteren Variante infiziert haben, die befinden sich im Ranking weiter hinten.“

Und an alle diejenigen, die denken, sich jetzt mit Omikron freiwillig zu infizieren, erteilt Kekulé eine Absage: „Ein Virologe würde sich nie freiwillig mit einem Virus infizieren lassen. Es gibt genetische Unterschiede zwischen den Menschen, die beeinflussen, wie schwer solche Krankheiten verlaufen.“

Quelle: Web.de

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