Dramatischer Appell einer Krankenschwester | The European

Die Corona-Leugner gehen mir auf die Nerven

Originalquelle 23.01.2021Gesellschaft & Kultur, Medien

„The European“ hat einen Brief einer Krankenschwester erhalten. Darin spricht sie von der täglichen Überlastung und ihrer Verstörung gegenüber denjenigen, die das Coronavirus immer noch verleugnen.

Krankenschwester mit Atemmaske mit positivem Bluttest für Corona, Quelle: Shutterstock

Der Alltag in der Klinik ist hart, wir arbeiten seit dem Beginn der Pandemie im Dauerstress. Ich kann nicht mehr, bin so unendlich müde, kraftlos und verzagt. Müde, weil mich das Arbeitspensum überfordert, weil wir kaum Personal oder zu wenig davon haben. Enttäuscht, weil uns die Politik nicht hilft. Ich habe Angst, dass wir den vielen Patienten, die um ihr Leben kämpfen nicht mehr gerecht werden. Aber ich muss mir selbst eingestehen, dass meine Kräfte schwinden. Die Situation scheint ausweglos und kein Hahn kräht mehr nach uns.

Wir arbeiten durchweg, haben kaum Pausen, essen erst am Nachmittag unser Frühstück, schlafen wenig. Den Tod kann ich kaum mehr ins Auge blicken, das macht mit krank. Doch wir müssen funktionieren, weil es sonst kein anderer tut. Nach uns fragt keiner, ob wir noch können, wie lange wir den Stress noch aushalten. Gern würde ich ins Home-Office gehen, wünschte mir mehr Ruhe. Ich selbst habe Asthma und muss dennoch eine Maske tragen. Das belastet.

Doch was noch schwerer wiegt, sind all die Menschen, die Corona da draußen nicht ernst nehmen, die weder Abstand halten, sich an die Corona-Regeln halten, den eigentlich alles egal ist und die damit auch uns gefährden, weil die Zahl der Kranken dann über uns zusammenschlägt. Was ist denn so schlimm daran, eine Maske zu tragen, einfach so, um die anderen zu schützen?

Was mich nervt sind die ständigen Diskussionen um Corona, die Corona-Leugner und alle, die nicht kapieren, wie ernst die Lage ist. Die mit ihrem Unwissen sich über Menschen lustig machen, die sich an die Vorschriften halten, die keine Ahnung von Medizin haben und so andere gefährden. Und all das nur, weil sie ausgemachte Egoisten sind, die an sich denken, denen das Leben anderer egal ist. Sie haben alle noch kapiert, dass Corona keine normale Grippe ist, das hier die Krankheitsverläufe viel komplizierter sind, dass die Schädigungen an Organen so schwer sind, dass die Betroffenen ihr ganzes Leben darunter leiden.

All das macht mich so wütend, es ist einfach nur inakzeptabel. Ich kann es nicht entschuldigen. Immer noch wird in den Geschäften zu wenig Abstand gehalten, immer noch fahren sie als Touristen in den Skiurlaub, immer noch werden die AHA-Regeln missachtet, der Mund-Nasen-Schutz als etwas erachtet, was mach nicht braucht. Doch all das ist verkehrt und hilft in der derzeitigen Lage wenig. Es ist kontraproduktiv und schadet auch unserer Gesellschaft, die eigentlich auf Vertrauen und Mitmenschlichkeit ausgerichtet sein soll. Immer wieder werde ich dafür angegriffen, dass ich mich an alle Regeln halte, aber ich will mich nicht ständig rechtfertigen.

Und an alle, die aus Risikogebieten heraus von einem Bundesland ins nächste fahren, ihr braucht Euch nicht zu wundern, wenn die zahlen weiter dramatisch steigen, wenn sich die Deutschlandkarte immer weiter und tiefer in rot einfärbt. Daher appelliere ich an Euch alle: Haltet zusammen, übt Verzicht, helft einander. Nur in der Gemeinschaft können wir diese schwere Krise überstehen.

 

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