Rauft Euch zusammen!

Oran R. Young2.12.2013Politik, Wirtschaft

Im Kampf gegen den Klimawandel müssen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen. Nur eines dürfen wir nicht tun: Internationale Kooperation vernachlässigen.

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In einem kürzlich auf „The European“ erschienenen “Kommentar()”:http://www.theeuropean.de/bjoern-lomborg/7589-anstehender-klimagipfel-in-warschau behauptet Bjørn Lomborg, dass die Bemühungen, das internationale Klima-Regime zu stärken, ins Leere laufen. Aber das sei auch nicht weiter schlimm. Denn bereits eine überschaubare Investition in Forschung und Entwicklung von nicht mehr als 0,2 Prozent des globalen BIP würde reichen technische Innovationen hervorzubringen, mit denen wir dem Klimawandel auch ohne internationales Abkommen beikämen.

Lomborgs Argumentation ergibt bis zu einem gewissen Grad Sinn. Bemühungen um ein international bindendes Klimaabkommen verlaufen langsam und sind oft frustrierend. Technologische Innovationen helfen oft genug dabei, den Ausstoss von Treibhausgasen zu vermeiden. Diese Innovationen zu unterstützen ist also sinnvoll.

Nicht alles auf eine Karte setzen

Dennoch hat Lomborg an mindestens zwei Stellen unrecht. Denn es gibt viele Wege, den Ausstoß gefährlicher Gase zu reduzieren: Nachfragemanagement, ein Fokus auf erneuerbare oder atomare Energie, CO2-Speicherung oder die Entwicklung neuer, grüner Energien.

Portland, Oregon beispielsweise hat seinen Pro-Kopf-Ausstoß um 25 Prozent verringert, indem es seine Bürger von einer alternativen Lebensweise überzeugte. Ganz allgemein ist es so, dass sich schwer vorhersagbare Ereignisse auf die relativen Vorzüge bestimmter Handlungsoptionen auswirken. Die Schiefergas-Revolution in den USA hat beispielsweise einen scharfen Anstieg der Erdgas-Nutzung verursacht und damit einen Rückgang der amerikanischen Treibhausgase um neun Prozent. Andererseits hat die Katastrophe von Fukushima den Willen, dem Klima zuliebe auf Atomkraft zu setzen, geschwächt – und das selbst an Orten, die so weit von dem Unglück entfernt sind wie Deutschland.

Drei Dinge scheinen offensichtlich in diesem Zusammenhang:

1) Viele Alternativen zu umweltschädlicher Energieerzeugung mithilfe fossiler Brennstoffe würden attraktiver, wäre der Ausstoß von Treibhausgasen mit Strafen belegt.

2) Die relative Anziehungskraft spezieller Alternativen unterliegt dramatischen Schwankungen (etwa wenn es um die Gunst der öffentlichen Meinung geht), die kaum vorhergesagt werden können.

3) Daraus folgt, dass wir eine Vielzahl Alternativen erforschen und nicht alles auf eine Karte setzen sollten: Etwa Wind, Sonne, Atom und Brennstoffzellen.

Wir dürfen hoffen, dass uns technischer Fortschritt hilft, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren und dass diese finanziell so attraktiv sind, dass sich Verbraucher freiwillig für sie entscheiden. Diese Aussicht ist nicht vollständig unrealistisch Es braucht kein gesetzlich bindendes Abkommen, um Kraftwerksbetreiber davon zu überzeugen, auf schmutzige Kohle zu verzichten und stattdessen auf saubereres Erdgas zu setzen. Der jüngste Rückgang der US-Emissionen belegt das.

Dennoch – und das ist der zweite Irrtum Lomborgs – bedeutet das nicht, dass wir kein internationales Abkommen mehr bräuchten. Weshalb? So lange die Verbraucher nicht gezwungen werden, ihren Ausstoß zu reduzieren, werden sie sich schlicht für die günstigste Option entscheiden – egal, was dies für die Umwelt bedeutet. Wir befinden uns mitten in einer „Tragödie der Allmende“: Die Konsumenten gleichen Schwarzfahrern, die hoffen, dass ihre Mitbürger sich schon irgendwie um die Reduzierung der Treibhausgase kümmern werden und deshalb einfach weitermachen wie bisher.

China, die USA, Europa und Indien müssen sich zusammentun

Wie geht es weiter? Ein bindendes Abkommen basierend auf der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) ist eine Möglichkeit, die wir nicht aufgeben sollten. Aber das ist nicht der einzige Schritt vorwärts. Der Kampf gegen das Ozon etwa hat bislang einen größeren Emissionsrückgang gezeigt als die UNFCCC. Deshalb sollten wir uns in diesem Forum verstärkt um das Problem mit teilhalogenierten Fluorkohlenwasserstoffen kümmern, einem besonders schädlichen Treibhausgas.

China und die USA sind gemeinsam für 44 Prozent des weltweiten Kohlenstoffdioxidausstosses verantwortlich. Ein Abkommen zwischen diesen beiden Ländern wäre ein ernsthafter Impuls zur Reduzierung der Emissionen und könnte uns auf die richtige Spur zur Lösung des Klimaproblems bringen. Nähme man Europa und Indien hinzu, wären wir bei mehr als 60 Prozent des globalen Ausstoßes: Ein Vertrag zwischen diesen Ländern wäre der richtige Schritt.

Lomborg hat Recht, wenn er behauptet, dass jeder Mensch auf klimaschädliche Energie verzichten würde, würde er dabei auch noch Geld sparen. An der Entwicklung solcher Technologie müssen wir hart arbeiten. Aber alles was wir heute wissen, deutet nicht auf eine einfache Lösung des Problems hin. Deshalb müssen wir weiter internationale Abkommen forcieren, ganz besonders unter den größten Emmitenten von Treibhausgasen.

_Übersetzung aus dem Englischen_

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