Stimmen aus Nordostsyrien geben Einblick in die Lage nach türkischem Einmarsch

Open Doors18.10.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Der Einmarsch der türkischen Armee im Norden Syriens hat erste zivile Opfer gefordert. Unter den Verletzten sind auch Christen. Religiöse Minderheiten sind nach Einschätzung von Beobachtern in der jetzigen Lage besonders gefährdet. In der Region leben einige zehntausend Christen, allein in der Provinzhauptstadt Hasaka sind es 25.000 – 30.000. Open Doors hat Stimmen aus den umkämpften Gebieten gesammelt.

Zum dritten Mal vertrieben

Pastor George leitet die „Evangelical Christian Alliance Church“ in Kamischli, einer Stadt direkt an der türkischen Grenze. Er berichtet, dass seit Beginn der türkischen Offensive an der Grenzlinie viele Granaten abgefeuert und einige Häuser zerstört wurden. Auch das Haus einer Familie von kurdischen Christen wurde von einer Granate getroffen. Pastor George holte sie daraufhin eigenhändig ab und brachte sie in der Kirche unter.

Ein christliches Ehepaar in Kamischli wurde verwundet, als ihr Haus von einer Granate getroffen wurde. Die Frau liegt wegen ihrer schweren Verletzungen am Rücken im Krankenhaus, der Ehemann befindet sich bereits auf dem Weg der Besserung. Pastor George besuchte die beiden und ließ sich Bilder ihres beschädigten Hauses zeigen.

Die Stadt Derik (Al-Malikiya) liegt im äußersten Nordosten Syriens. Hier leben etwa 2.000 Christen. Einer von ihnen berichtete am 10. Oktober: „Gestern gab es heftiges Artilleriefeuer und Luftschläge rund um die Stadt, aber bislang sind keine Verletzten in die örtlichen Krankenhäuser eingeliefert worden.“

Präsenz der Christen in der Region bedroht

Aus der weiter westlich gelegenen Grenzstadt Kobane (Ain al-Arab) sind bereits einige Familien geflohen. Ein lokaler Partner von Open Doors berichtet: „Es gibt eine große Fluchtbewegung innerhalb der Region. Wir hörten einige Nachrichten über die Evakuierung der Armenier aus dem Nordosten nach Armenien. Wir konnten diese Nachricht nicht bestätigen, aber es ist möglich. Ein kurdischer Pastor mit muslimischem Hintergrund bittet um Gebet für die kurdischen Christen. Dies ist nun bereits die dritte Vertreibung für sie. Erst aus Aleppo nach Afrin; dann aus Afrin in Lager im Nordosten und jetzt zum dritten Mal.“

Joseph Kassab, Präsident des Rates der Evangelischen Gemeinschaft in Syrien und Libanon, warnte bereits kurz vor dem Einmarsch gegenüber dem US-amerikanischen Nachrichtenportal Christianity Today:

„Die erwartete militärische Invasion und die mögliche Konfrontation mit den Kurden könnte die Christen der Region zur Flucht zwingen. Das wäre eine weitere Tragödie für die christliche Präsenz in Syrien.“ Open Doors unterstützt die Christen in der Region unter anderem mit Selbsthilfeprojekten.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert Syrien aktuell an 11. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quelle: Open Doors

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