In Somalia schweben Christen in permanenter Lebensgefahr

von Open Doors21.03.2018Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

11,4 Millionen Menschen leben in Somalia. Darunter sind auch Christen – allerdings nur einige Hundert. Dass ihre Zahl so verschwindend klein ist, liegt auch an der massiven Christenverfolgung.

Wie sie überleben und welcher Bedrohung sie ausgesetzt sind, berichteten einige von ihnen kürzlich dem italienischen Priester Tollu bei seinem Besuch in der somalischen Hauptstadt Mogadischu.

„Sie können uns nicht verstehen“

30 Christen fortgeschrittenen Alters bilden in der Anonymität der Hauptstadt eine verschworene Gemeinschaft. Auch der Priester Tollu kommt nicht im Priestergewand, um seine Glaubensgeschwister nicht zu gefährden. Sie leben in Angst vor Islamisten, aber auch vor den eigenen Verwandten. „In unseren Häusern herrscht Gewalt, und wir als kleine Gemeinschaft riskieren täglich unser Leben“, schildert Moses* ihre Situation. Moses hat noch die italienische Kolonialherrschaft erlebt, während der Christen unbehelligt im Land leben konnten. Er ist so etwas wie ein Sprecher der katholischen Christen im Land. „Unsere in den 1990er Jahren geborenen Kinder sind intolerant geworden und können ihre älteren Angehörigen nicht verstehen, die den christlichen Glauben praktizieren. Darum fliehen die alten Leute und ziehen weg von ihren Kindern und Enkeln. Einige sind von den Kindern ihrer eigenen Kinder getötet worden.“

Das Land von Christen „befreien“

Die somalische Al Shabaab wird oft in einem Atemzug mit Boko Haram (Nigeria) und dem „Islamischen Staat“ genannt. Sie gilt als regionaler Ableger von Al Kaida und wurde gegründet, um einen islamischen Staat am Horn von Afrika zu errichten – und gleichzeitig das Land von allen Christen zu „befreien“. In den weitgehend rechtsfreien Räumen Somalias können die Extremisten nahezu ungehindert agieren. Mittlerweile ist auch der IS in Somalia aktiv und hat begonnen, Kämpfer zu rekrutieren.

Im Juli 2017 wurde nach langer Zeit erstmals wieder eine Kirche in Somalia (Somaliland) eröffnet. Die Regierung schloss sie jedoch auf Druck der Bevölkerung bereits nach einer Woche wieder (Open Doors berichtete). In der somalischen Gesellschaft herrscht allgemein die Auffassung, dass ein wahrer Somalier ein Muslim ist. Jeder Übertritt zum christlichen Glauben gilt als Verrat gegenüber der Familie und dem Clan. Gerät ein Somalier in Verdacht, den christlichen Glauben angenommen zu haben, wird er von Familienmitgliedern und Stammesführern schikaniert, bedroht oder sogar getötet. Im Lauf der letzten Jahre scheint sich die Situation verschlechtert zu haben. Islamistische Kämpfer haben ihre Jagd auf Christen, vor allem auf christliche Leiter, verstärkt.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert Somalia aktuell auf Platz 3 (Vorjahr: 2) unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden

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