Deutschland sollte seine Hausaufgaben machen. Viviane Reding

Neue Kampagne gegen Christen?

Christen und christliche Gemeinden in Algerien sind in den vergangenen Wochen verstärkt unter Druck geraten. Die christliche Hilfsorganisation Middle East Concern (MEC) äußerte deshalb Befürchtungen, dahinter könne eine „koordinierte Kampagne eines verstärkten Vorgehens gegen Kirchen durch staatliche Stellen“ stehen.

Ein „vereitelter Evangelisationsversuch“ und fehlende Genehmigungen

Am 19. Dezember wurden drei Christen in Chlef verhaftet, 200 km nordwestlich der Hauptstadt Algier. Nach Angaben von MEC stammen sie aus der Stadt Tizi Ouzou und waren in einem öffentlichen Café mit einer Kontaktperson verabredet. „Die Polizei kam auf sie zu, fand christliche Literatur bei ihnen und nahm sie daraufhin mit aufs Revier. Dort folgte ein langes und intensives Verhör“, so MEC.

Eine Lokalzeitung berichtete von einem „vereitelten Evangelisationsversuch“ und beschuldigte die Christen, unter dem Deckmantel humanitärer Aktivitäten zu agieren, während sie junge Muslime mit finanziellen Anreizen und Reisen zum Religionswechsel verführten. Obwohl die Christen kurz darauf wieder freikamen, droht ihnen eine Anklage wegen „Proselytismus“ (Verführung zum Religionswechsel)

In derselben Woche erhielten zwei Kirchen in der Provinz Bejaia (nordöstliche Kabylei) Besuch von einem behördlichen Komitee, das aus Vertretern des Religionsministeriums, der Feuerwehr, der Bundespolizei und des Geheimdienstes bestand. „Die Kirchen wurden informiert, man überprüfe lediglich die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen“, berichtete MEC. „Die beiden Gebäude dienen acht Gemeinden in Bejaia als Versammlungsort. Das Ergebnis der Überprüfung steht noch aus.“

In der südalgerischen Stadt Ouargla erhielt eine seit zehn Jahren existierende Kirche nach einer Gebäudeinspektion am 14. Dezember die Anordnung des Provinzgouverneurs, alle religiösen Aktivitäten einzustellen. „Den Leitern wurde mitgeteilt, sie verfügten nicht über die erforderliche Genehmigung, um das Gebäude für Gottesdienste zu nutzen; außerdem erfülle das Haus nicht die geltenden Sicherheitsauflagen. Man riet ihnen, die nötigen Anträge beim Religionsministerium einzureichen, und wies sie darauf hin, dass weitere religiöse Aktivitäten frühestens drei Monate nach Erhalt einer Genehmigung beginnen dürften“, so der MEC-Bericht weiter.

Bereits im November waren eine Kirche und ein christlicher Buchladen in der Nähe von Oran zur Schließung gezwungen worden.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors nimmt Algerien aktuell Platz 36 unter den Ländern ein, in denen Christen weltweit wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quelle: Middle East Concern, Open Doors

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Rudolf Brandner, Dokumentation - Texte im Original, Daniyel Demir.

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