Mühsame Aufbauhilfe ist der einzige Weg

Omid Nouripour5.02.2010Gesellschaft & Kultur, Politik

Die Entwicklungen in Somalia und Jemen lehren den Westen: Sicherheits- und entwicklungspolitische Ansätze müssen im Kampf gegen Terrorismus besser vernetzt werden – und zwar ganz ohne Ideologie.

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Dass die Vereinigten Staaten von Amerika am 25. Dezember einem weiteren traumatischen Anschlag mit zahlreichen Todesopfern entgangen sind, ist in gewisser Hinsicht dem Zufall zu verdanken: Ein schlecht funktionierender Sprengsatz und aufmerksame Passagiere an Bord haben 300 Menschen gleichsam in letzter Minute retten können. Der Vorfall hat die Diskussion um die Gefahren des internationalen Terrorismus neu angefacht und die Aufmerksamkeit auf den Jemen gelenkt. Das ist richtig, aber bei Weitem nicht hinreichend. Der verhinderte Attentäter von Detroit, Abdul Faruk Abdulmutallab, wurde im Jemen für seinen Anschlag ausgebildet. Das Land ist ein Beispiel für einen “Failing State”. Wir sehen einem Staat beim Zerfall zu, die internationale Gemeinschaft ist zum Handeln aufgefordert. Sie muss dazu beitragen, einerseits die Sicherheitslage zu stabilisieren und die Konfliktparteien zu Verhandlungen zu drängen, andererseits die Regierung zur Rechtsstaatlichkeit zu bewegen, um ihr eine langfristige Legitimität zu verschaffen.

Die Lage ist die Folge einer Reihe von Fehleinschätzungen der USA

Im Jemen können wir einer Lage vorbeugen, die in Somalia bereits eingetreten ist: ein “Failed State” ohne funktionierende Zentralregierung. Die Al-Shahab-Milizen, die in einigen Regionen des Landes Verwaltung und Gerichtsbarkeit stellen, haben hier Kontakt mit El Kaida, gewähren dem internationalen Terrorismus Unterschlupf und ziehen in ihren Schulen eine neue Generation potenzieller Extremisten heran. Diese missliche Lage ist die Folge einer Reihe von Fehleinschätzungen der USA im Kampf gegen islamistische Kräfte im Land. Diese beiden Beispiele, bei Weitem nicht die einzigen Unterstützerländer des Terrorismus, zeigen, dass die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zuerst aus einer entschiedenen Anwendung vernetzter sicherheits- und entwicklungspolitischer Strategien jenseits unrealistischer ideologischer Positionen bestehen müssen. Danach aber dürfen wir die Länder nicht aus den Augen verlieren – die oft mühsame und langsame Hilfe beim Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen und der Wahrung von Menschenrechten aber ist langfristig der einzige Weg, Krisenregionen zu befrieden und dem Terrorismus den Boden zu entziehen.

In diesen Attentätern steckt ein Unbehagen an der globalisierten, westlichen Weltordnung

Dem Entstehen von Rückzugsräumen für Terroristen vorzubeugen ist aber nur ein Teil einer nachhaltigen Antiterrorpolitik. Die Attentäter, das konnten wir im Fall Detroit einmal mehr beobachten, stammen oft aus hochgebildeten und wohlhabenden, westlich orientierten Familien. Und doch steckt in diesen Attentätern ein Unbehagen an der globalisierten, westlichen Weltordnung, zu der sie im fanatischen Islamismus, den sie unter einer angepassten Oberfläche ganz tief in sich tragen, eine Alternative suchen. Wir müssen dieses Grundproblem ernst nehmen. Eine globalisierte Welt muss der Vielfalt der Kulturen Rechnung tragen und beispielsweise den Islam nicht nur als Problem sehen, sondern seinen Beitrag integrieren. Natürlich dürfen wir über alldem nicht versäumen, Fehler in den geheimdienstlichen Abläufen und im Sicherheitssystem zu verbessern. Der entscheidende Schritt aber ist, dem Terrorismus entschieden vorzubeugen. Die liberale westliche Welt auf ein “Höchstmaß an Zwängen und Restriktionen, die denen einer fundamentalistischen Gesellschaft gleichkommen” hin zu orientieren, wie es Baudrillard nach dem 11. September formulierte, ist jedenfalls keine Lösung.

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