Nerd-Sprech

von Oliver Wenzlaff3.11.2012Innenpolitik

Die Piraten stehen im Ruf, im Gegensatz zu den etablierten Politikern, viel näher an den Menschen dran zu sein. Das liegt auch an ihrer Sprache. Sagen wir: rtfg!

Geil, Shit, Kackscheiß, Tittenbonus, sich einen von der Palme wedeln – all dies sind Worte von Piratenpolitikern. Die junge Partei pöbelt gerne. Provoziert mit Vokabular, das unter die Gürtellinie zielt. So ist sie halt, die Sprache der Piraten, mögen viele denken. Laut, aggressiv, ein bisschen pubertär vielleicht, in jedem Fall unsachlich. Gänzlich anders als das, was wir von den etablierten Parteien kennen. Ein Pauschalurteil, das zu kurz greift.

Die Sprache der Piraten ist in mancherlei Hinsicht keineswegs anders als jene der etablierten Parteien. So beispielsweise auf „Liquid Feedback“, einer Art Online-Antragsfabrik für das Parteiprogramm der Piraten. Josef Klein, Professor für Politolinguistik an der Freien Universität Berlin: „Sobald sich die Piraten in einem institutionellen politischen Kommunikationsraum bewegen, fallen sie gar nicht so sehr aus dem Rahmen.“ Wie sie intern und extern mit Sachthemen umgingen, unterscheide sich sprachlich kaum von anderen Parteien. Er sieht gar „eine beachtliche politische Diskussionskultur, die mit relativ viel Sachkenntnis geführt wird“. Manches, das auf Liquid Feedback diskutiert wird, hätte „nicht nur sprachlich, sondern darüber hinaus sogar inhaltlich eine Antragsdiskussion sein können, wie sie in fast jeder anderen Partei auch stattfindet. Nur dass sich die anderen Parteien in einem Vereinsheim treffen und nicht wie die Piraten im Internet.“

Erstaunlich nah an der Sprache der etablierten Parteien

Klein konstatiert auch bei parlamentarischen Reden, dass die Piraten nicht so weit weg von den anderen Parteien sind wie häufig angenommen. Er sieht schlicht und ergreifend „typische Oppositions-Lyrik“ gegen den, der regiert. Ein bisschen Häme, und natürlich auch teilweise lockeres Vokabular. „Deftige Umgangssprache ist in der Politik aber ganz normal in einer konfrontativen Situation, sofern sich ein Politiker nicht als besonders staatsmännisch präsentieren will.“ Selbst Helmut Schmidt habe Worte wie „Scheiße“ im Bundestag verwendet. Oder erinnern wir uns an Joschka Fischers legendäre Worte: „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch.“ Das war 1984, ein Jahr, in dem viele Piratenpolitiker noch gar nicht geboren waren.

Die Piraten bewegen sich noch in einem weiteren Punkt erstaunlich nah an der Sprache der etablierten Parteien. Sie sind ähnlich verständlich – oder wenn man so will – ähnlich unverständlich. Das haben

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