US-Militärs forschen an Corona-Impfstoffen | The European

Rettet uns US-Armee vor neuen Corona-Varianten?

Oliver Stock29.12.2021Medien, Wirtschaft

Auch in den Labors des US-Militärs wird an Corona-Impfstoffen geforscht. Jetzt könnte ein echter Durchbruch gelungen sein. Ein neuer Impfstoff wirkt bei Tieren und Menschen nicht nur gegen aktuelle Corona-Viren, sondern auch gegen alle Mutationen und sogar gegen die usprünglichen SARS-Viren. Von Oliver Stock.

Im Labor untersuchen Forscher Virusstämme, Foto: mago images / photonews.at

Die US-Armee erzielt Fortschritte bei der Entwicklung eines völlig neuen und sehr umfassenden Impfstoffes, der gegen alle Varianten des Corona-Virus sowie gegen SARS-Viren schützen soll. Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer US-Militär-Zeitschriften ist der Impfstoff bereits erfolgreich an Menschen getestet worden und durchläuft derzeit weitere klinische Studien.

So berichtet die Fachzeitschrift „Defense one“ über die Wissenschaftler des Walter Reed Army Institute of Research. Sie forschten seit zwei Jahren intensiv an Impfstoffen gegen den Virus. Schon früh habe sich die Abteilung für Infektionskrankheiten des Armee-Instituts entschlossen, einen Impfstoff zu entwickeln, der nicht nur gegen den bestehenden Stamm, sondern auch gegen alle seine potenziellen Varianten wirksam ist. Der sogenante Spike Ferritin Nanoparticle COVID-19-Impfstoff (SpFN) von Walter Reed kommt seit Anfang des Jahres in Tierversuchen zum Einsatz – mit positiven Ergebnissen.

Jetzt sei auch Phase 1 abgeschlossen, in der der Impfstoff gegen Omicron und andere Varianten am Menschen getestet wurde. Die Ergebnisse seien ebenfalls ermutigend, heißt es in den Fachbeiträgen. Kayvon Modjarrad, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten von Walter Reed, spricht von „einem für das Team und die gesamt Armee entscheidenden Punkt“, an dem die Forschung angelangt sei.  Im Gegensatz zu bestehenden Impfstoffen verwende SpFN „ein fußballförmiges Protein“ mit 24 Andockpunkten, das es Wissenschaftlern ermöglicht, die Spitzen mehrerer Coronavirus-Stämme auf verschiedenen Seiten des Proteins anzubringen. Der Impfstoff basiert auf Ferritin-Nanopartikeln. Ferritin ist ein im Menschen natürlich und häufig vorkommendes Protein, das Eisen enthält. Für die Impfstoff-Forschung ist das Nano-Eiweiß interessant, weil es sich von selbst zu einer Kugel formt. So kann es durch seine Struktur verschiedene Antigene präsentieren, also Eiweiße, die beispielsweise von Viren stammen. Werden diese Ferritin-Nanopartikel mit den Vireneiweißen und einem Wirkungsverstärker dann gespritzt, bildet das Immunsystem Antikörper und T-Zellen gegen das Antigen, heißt es in der medizinischen Fachzeitschrift Science Translational Medicine.

Bei Affen, die zwei Dosen mit jeweils 50 Mikrogramm Impfstoff erhalten hatten, konnten die Forscher schon zwei Tage nach Infektion mit lebenden Viren kein Viruserbgut mehr in den unteren Atemwegen nachweisen. Auch in den oberen Atemwegen war das Virus spätestens nach vier Tagen völlig verschwunden. Die neutralisierende Wirkung zeigte sich bei Alpha-, Beta-, Gamma- und Deltavariante und sogar beim SARS-1-Virus, das sich von seinem Nachfolger Covid deutlich unterscheidet.

Die Untersuchungen an Menschen dauerten jetzt aber länger als erwartet, sagt Modjarrad, weil das Labor den Impfstoff an Probanden testen muss, die weder geimpft noch zuvor mit Covid infiziert worden waren. Steigende Impfraten und die rasche Verbreitung der Delta- und Omikron-Varianten in den USA machten dieses Vorhaben schwierig. „Mit Omikron gibt es keine Möglichkeit, diesem Virus wirklich zu entkommen. Sie werden es nicht vermeiden können. Ich denke also, dass ziemlich bald entweder die ganze Welt geimpft sein wird oder sich infiziert hat“, sagt der Wissenschaftler. Der nächste Schritt bestehe nun darin, zu sehen, wie der neue Impfstoff bei Menschen ankommt, die zuvor geimpft oder erkrankt waren. Die Wissenschaftler sprechen von Phase-2- und Phase-3-Studien. Sie sind zuversichtlich: „Unsere Plattform und unser Ansatz werden die Menschen in die Lage versetzen, auf Mutationen vorbereitet zu sein.“

Auch Online Plattformen wie army.mil sowie eidresaerch.org, beide stehen dem US-Militär und dem Pentagon nahe, berichten von eindrucksvollen Erfolgen der armeeeigenen Forschungseinrichtungen. SpFN rufe nicht nur eine starke Immunantwort hervor, sondern biete auch einen breiten Schutz gegen SARS und gefährlicher Varianten von Coronaviren. In den Beiträgen ist von einer „ersten Verteidigungslinie“ gegen alle Coronavarianten die Rede.

„Die Bedrohung durch COVID-19 setzt sich fort und irgendwann wird es andere Bedrohungen durch neue Krankheiten geben“, sagt Modjarrads Kollege Nelson Michael. „Unsere Investition in die Entwicklung eines Impfstoffs der nächsten Generation ist ein wichtiger Schritt, um COVID-19 und zukünftigen Krankheitsbedrohungen einen Schritt voraus zu sein.“

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