Ich schäme mich für die Fanatiker

Oliver Kalkhofe20.12.2016Gesellschaft & Kultur, Medien

So furchtbar es auch im Moment erscheint: Ich möchte meinen Glauben an den Sieg der Vernunft und der Menschlichkeit noch nicht komplett aufgeben – und werde deshalb mit meinen bescheidenen Mitteln auch weiter gegen den wachsenden Wahnsinn und die zunehmende Verzweiflung an der menschlichen Rasse kämpfen.

Ich komme gerade heim und hatte eben meine kleine gemütliche Live-Weihnachtsshow im #TheateramKudamm – nur knapp 500 Meter entfernt von den furchtbaren Ereignissen an der Gedächtniskirche. Ich erfuhr davon während der Pause – nur wenige Minuten nach dem Ereignis selbst – als noch niemand wirklich wusste was wirklich geschehen war.

Und außer einigen Mutmaßern, den Journalismus-Göttern der BILD und den prophetischen Alleswissern der AfD weiß man ja auch zu dem Zeitpunkt dieser Zeilen noch nicht wirklich mehr. Was soll ich dazu sagen? Einer der Momente, an dem einem definitiv die Worte fehlen.

Was tun auf der Bühne mit einigen hundert Menschen, die vor einem sitzen, die einfach nur friedlich ein wenig Spaß haben wollten, die aber wahrscheinlich gerade via Handy solch eine Horror-Nachricht gelesen haben – und während nur wenige hundert Meter entfernt Menschen und Helfer um die Rettung unschuldiger Menschen kämpfen?

Ganz ehrlich – eine der beschissensten und furchtbarsten Situationen, die man sich auf der Bühne nur vorstellen kann. Denn egal, was man tut – im Grunde ist jede Entscheidung falsch. Ich entschied mich in dem Moment, auf der Bühne zu bleiben.

Vielleicht wäre ein Abbruch meiner Show besser gewesen

Mit allem Verständnis für jeden, der lieber gehen wollte – denn im Grunde wäre ich auch am liebsten gegangen. Jedenfalls war mir sicherlich auch nicht danach, gerade den lustigen Kasper auf der Bühne zu geben…Vielleicht wäre ein Abbruch besser gewesen. Ehrlich – ich weiß es nicht.

Doch egal, ich entschied mich für die eine falsche oder richtige oder sowohl-als-auch-Variante, die Show dennoch weiter zu führen. Denn für mich galt in dem Moment: Wir wussten (und wissen jetzt gerade im Moment) noch nicht genau, wer warum wie für diese Wahnsinnstat verantwortlich ist.

Doch egal, ob es ein Terrorist, Asylant, politischer Aktivist, Glaubens-Täter welcher Religion auch immer oder einfach frustrierter Einzeltäter war – oder weder noch – falls es kein Unfall war, war es auf jeden Fall ein Idiot. Ein widerwärtig fehl geleiteter Geist, der glaubte, er könne auf irgendein Leid oder eine Ungerechtigkeit hinweisen, indem er anderen Menschen neues unverdientes Leid zufügt.
Das habe ich noch nie – und das werde ich niemals verstehen. Weder bei religiös motivierten Vollidioten in der Gegenwart, noch in der Vergangenheit, und auch nicht bei Einzeltätern, die aus persönlicher Frustration über das eigene vergeigte Leben andere dafür bestrafen, ob nun in einem Waffen-Amoklauf oder mit einem als Waffe benutzten Wagen oder was auch immer.

Ich verachte blinde dumme Hetzer

Ich verachte Menschen, die anderen Menschen Leid zufügen – unabhängig von deren Hautfarbe, Glaube, Einkommen, Irrsinn oder was auch immer man als Unterscheidungsmerkmal aufrufen möchte.
Ich verachte ebenso blinde dumme Hetzer wie z.B. von der AfD, die ungeachtet der Fakten – die eben zu jenem Zeitpunkt noch nicht bestanden – Merkel, ihrer Politik oder den Flüchtlingen die generelle Schuld an diesem Attentat geben.

Ekelhaft – ich schäme mich, mit solchen Menschen ein Land teilen zu müssen. Und ich schäme mich auch für geisteskranke (Religions-) Fanatiker, die glauben, durch Terror-Anschläge ‘für die gute Sache zu kämpfen’ – und damit vielen Tausenden friedlicher Menschen auf der Flucht noch mehr Schaden als ohnehin schon zufügen…

Aber ich möchte mir niemals von irren Menschen aus welcher Motivation auch immer vorschreiben lassen, was ich zu denken oder zu fühlen habe, was ich glaube oder nicht, ob ich lachen oder traurig sein möchte, oder irgendwas dazwischen. Ich möchte und werde nicht dem Terror den Triumph gönnen, mein und unser Leben diktiert zu haben.

Wenn ich es recht bedenke: Ich schäme mich für einen sehr sehr großen Teil der Menschheit. Rechts wie links, schwarz wie weiß, klug wie weniger klug, dick oder dünn, Mann oder Frau, jung oder alt – im Moment fällt es einfach schwer, irgendwie noch einen Funken Hoffnung zu entdecken…

Dieser Funke kann wahrscheinlich nur im Kleinen entstehen. Bei jedem von uns. Auch wenn es schwer fällt. Immer wieder gegen den Wahnsinn und die Unmenschlichkeit kämpfen, immer wieder noch mal kurz nachdenken bevor man das Maul aufmacht, immer wieder noch mal den Verstand einschalten, obwohl die Emotion schon längst behauptet hat, alles geklärt zu haben…

Ich möchte meinen Glauben nicht verlieren

So furchtbar es auch im Moment erscheint: Ich möchte meinen Glauben an den Sieg der Vernunft und der Menschlichkeit noch nicht komplett aufgeben – und werde deshalb mit meinen bescheidenen Mitteln auch weiter gegen den wachsenden Wahnsinn und die zunehmende Verzweiflung an der menschlichen Rasse kämpfen.

Denn rein theoretisch – könnten wir alle ja irgendwie auch in Frieden leben. Und falls jemand den langen Text bis zum Ende mitgelesen haben sollte – Ich würde mich freuen, wenn Du mitmachst!

Gute Nacht.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf der Facebook Seite von “Oliver Kalkofe”:https://www.facebook.com/kalkofe/posts/1411935605513371.

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