Ryanair kämpft um seine Differenzierung – zu Recht

von Oliver Greiner16.08.2018Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Wirtschaft

Streiks waren für @Ryanair lange ein Fremdwort. Das hat sich geändert, seitdem Gewerkschaften größeren Einfluss bei der Fluglinie gewonnen haben. Mehr als 1000 Flüge musste Ryanair aufgrund von Zwistigkeiten mit seinem Personal allein im Juli annullieren. Nun muss Ryanair um seine Differenzierung kämpfen.

Streiks waren für Ryanair lange ein Fremdwort. Das hat sich geändert, seitdem Gewerkschaften größeren Einfluss bei der Fluglinie gewonnen haben. Mehr als 1.000 Flüge musste Ryanair aufgrund von Zwistigkeiten mit seinem Personal allein im Juli annullieren. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es lediglich 23.

Aktuell streiken die Piloten. Sie fordern unter anderem ein höheres Grundgehalt und weniger variable Bestandteile, feste Regeln für Transfers und Beförderungen sowie die Zusage, dass Urlaube nicht kurzfristig verschoben oder willkürlich zugeteilt werden. Ryanair möchte zwar verhandeln, im Wesentlichen aber hart bleiben. Eventuell werde Ryanair eben Arbeitsplätze aus Deutschland in andere Länder verlegen müssen, so das Management.

Der übliche Zirkus?

Klingt zunächst einmal nach einem üblichen Arbeitskampf, wie man ihn nicht nur aus der Luftfahrt kennt. Und doch geht es hier um wesentlich mehr. Es ist ein direkter Angriff auf das erfolgreiche Geschäftsmodell des Unternehmens.

Ryanair ist in den letzten Jahren fast unbemerkt zur größten und profitabelsten Fluglinie Europas gewachsen, da es die beiden fundamentalen Disziplinen erfolgreicher Unternehmen herausragend beherrscht. Zum einen ist das Unternehmen aus Sicht der Kunden in vielen Bereichen anders als der Wettbewerb, vor allem natürlich durch die konsequente Umsetzung seines »Low Cost«-Geschäftsmodells. Zum anderen ist das Unternehmen aber auch besser in der Umsetzung grundlegender Erwartungen seiner Passagiere: Bei Faktoren wie Sicherheit, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit und selbst »low cost«-gerechtem Service kann Ryanair seinen Wettbewerber mehr als nur Paroli bieten.

Am Thron gesägt

Nun geht es für Ryanair darum, diese Meisterschaft nicht zu verlieren. Geht das Unternehmen zu sehr auf die Forderungen seines Personals ein, wird es an einer wesentlichen Säule seiner Andersartigkeit geschwächt, dem Kostenvorsprung. Peter Bellew, Chief Operations Officer von Ryanair, formulierte daher wie folgt: »Wir werden das Ryanair-Geschäftsmodell nicht verändern, wir werden Low Cost bleiben und keine neue Lufthansa werden«.

Andererseits: Gibt es keine Einigung mit seiner Belegschaft, so riskiert Ryanair sein »Bessersein«.Flugausfälle, Verspätungen, lange Schlangen an den Schaltern, schlechter Service usw. können dazu führen, dass Passagiere sich doch für die teurere Konkurrenz entscheiden.

Anders und besser – auch in Zukunft

Will Ryanair anders und besser bleiben als seine Wettbewerber, muss es daher auf seine Belegschaft zugehen. Denn mit unzufriedenem Personal lässt sich auf Dauer keine Umsetzungsstärke sicherstellen. Gleichermaßen müssen aber auch die Mitarbeiter von Ryanair akzeptieren, dass ihr Arbeitgeber ein Geschäftsmodell besitzt, welches ihnen nicht die Annehmlichkeiten anderer Unternehmen bietet.

Als profitabelste Fluglinie Europas sollte Ryanair allerdings noch genug Spielmasse besitzen, die verschiedenen Sichtweisen in Einklang zu bringen und kundenunfreundliche Streiks eindämmen zu können. Um seine Vision zu erfüllen, wäre dies zwingend nötig. 2017 beförderte Rynair 130 Millionen Passagiere. 2024 sollen es 200 Millionen sein.

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