Die Fusion zwischen Tochter T-Mobile US und Sprint rückt näher

von Oliver Götz5.08.2019Medien, Wirtschaft

Oder bricht sie ein? Unter Analysten ist man sich diesbezüglich erstaunlich uneins. Fakt ist: Die Fusion zwischen Tochter T-Mobile US und Sprint rückt mit dem „Okay“ des US-Justizministeriums näher. Und das ist nicht die einzige positive Entwicklung.

Nun allerdings sind seither fast 20 Jahre vorüber, vielleicht ist es Zeit für eine Annährung. Es muss ja nicht gleich wieder Freundschaft sein. Immerhin landete die Deutsche Telekom zuletzt gehäuft in den Schlagzeilen, und das – ebenso häufig – positiven Hintergründen geschuldet. Der wohl medienwirksamste und entscheidendste dürfte die seit Jahren diskutierte Fusion zwischen Tochter T-Mobile US und dem ebenfalls US-amerikanischen Mobilfunkanbieter Sprint sein. Zwischenzeitlich beinahe schon in Vergessenheit geraten, sieht es auf einmal wieder danach aus, als könnte es tatsächlich klappen mit dem Zusammenschluss, den nicht nur CEO Tim Höttges so gerne will, sondern der auch auf Anlegerseite zu neuen Wachstums- und Ergebnisphantasien führen dürfte.

Am Freitag der vergangenen Woche nämlich gaben die US-Kartellbehörden unter Auflagen grünes Licht für die Fusion des dritt- und viertgrößten Mobilfunkanbieters auf dem US-Markt. Die Aktien von T-Mobile US und Sprint schossen daraufhin um 5,4 beziehungsweise 7,4 Prozent in die Höhe, die der Telekom, die an der Nordamerika-Tochter noch 63 Prozent der Anteile hält, zog am Montag mit einem Plus von rund drei Prozent auf 15,30 Euro nach. Auch wenn im Rahmen der Auflagen das Prepaid-Geschäft von Sprint an Dish Networks gehen und den Amerikanern so wohl vier große Mobilfunkbetreiber erhalten bleiben, erhoffen sich die beiden Unternehmen Synergieeffekte – unter anderem durch den Netzausbau – in Höhe von 43 Milliarden Dollar.

T-Mobile US stark

Das freilich klingt auch aus Anlegersicht verlockend. Auch, da der US-Markt offenbar einer ist, der sich für die Deutsche Telekom schon jetzt als ein besonders lukrativer erweist. T-Mobile US untermauerte diese Hypothese erst vor kurzem mit starken Zahlen, die noch dazu über den Erwartungen der Analysten lagen. So schloss das Unternehmen im zweiten Quartal des laufenden Jahres und nach Abzug der Kündigungen 710.000 neue Telefonverträge ab, steigerte dazu den Gewinn gegenüber des Vorjahreszeitraums um 20 Prozent auf 939 Millionen Dollar und den Umsatz um vier Prozent auf elf Milliarden Dollar. Die Abonnentenzahlen hätten deutlich über seinen Erwartungen gelegen, schrieb Goldman Sachs-Analyst Brett Feldman. Auch DZ-Bank Analyst Karsten Oblinger wertete die Ergebnisse positiv und hob sein Kursziel für die Mutter-Aktie auf 17,40 Euro an.

Nun partizipiert die Deutsche Telekom von diesem Erfolg freilich nur teilweise, da T-Mobile US eben keine einhundertprozentige Tochter der Deutschen ist, aber bereits nach den Konzernzahlen zum ersten Quartal 2019 sagte Höttges: „Die Telekom hat viel mehr zu bieten als den sensationellen Erfolg in den USA. Wir sehen überall im Konzern positive Entwicklungen.“

Dazu gehören neben soliden Zahlen zum Jahresbeginn – Umsatz und Gewinn stiegen gegenüber dem Vorjahr um 8,9 und 7,2 Prozent auf 19,5 respektive 5,9 Milliarden Euro – und einer nach wie vor Bestand habenden Jahresgewinnprognose von 23,9 Milliarden Euro, auch der 5G-Ausbau. Der mag zu Beginn erst einmal viel Geld kosten, der deutschen Telekom für 130 Megahertz 2,2 Milliarden Euro. Doch damit haben die Bonner bei der Versteigerung der Frequenzen auch ein großes Stück vom Kuchen abbekommen. Vodafone ersteigerte sich mit 130 Megahertz gleich viel, Drillisch bekam am Ende 70 Megahertz und Telefonica Deutschland 90. Der gefürchtete Huawei-Angriff blieb aus. Und in Zukunft dürfte sich mit der 5G-Technik als neuem Maßstab auch wieder neues Geld verdienen lassen. Vieles, über das man sich grundsätzlich freuen kann. Und so stieg die Telekom-Aktie ausgehend von ihrem letzten größeren Tief bei rund 13 Euro im Februar 2018 konstant auf inzwischen knapp 15 Euro an. Ein Plus von fast 16 Prozent. Hinzu kommt eine ordentliche Dividendenrendite in Höhe von 4,7 Prozent.

Aktie zwischen Einbruch und Ausbruch

Nur, wie geht es jetzt weiter? Trotz eigentlich guter Nachrichten stagniert der Kurs 2019, trotz sehr gut laufendem DAX ging es für das Telekom-Papier bislang nur um rund drei Prozent nach oben. Und ein wenig scheint es, als würde der Kurs feststecken, sich nicht entscheiden können zwischen Ausbruch oder Einbruch. Beides scheint für den Moment möglich, was die Einstiegsentscheidung kompliziert macht. Am 8. August veröffentlicht der Konzern die Zahlen zum zweiten Quartal. Das könnte helfen. Doch für den Moment entscheidend ist das, was in Nordamerika passiert. Und vor allem, wie sich dann welches Szenario im Kurs widerspiegeln könnte.

Unter Analysten ist man sich diesbezüglich erstaunlich uneins. Die jüngsten Spekulationen um die behördliche Freigabe der Fusion hätten den Kurs der T-Mobile-US-Aktie schon um zwölf Prozent ansteigen lassen, während sich der der Telekom-Aktie zwar stabil entwickelt habe, eigentlich jedoch ein Anstieg um fünf Prozent gerechtfertigt gewesen wäre, schrieb UBS-Analyst Polo Tang. Auch die Fusionsvorteile herausgerechnet hält er die Aktie der Deutschen für unterbewertet. Ohne Berücksichtigung möglicher Synergien sieht Tang das Papier so mit 18,30 Euro fair bewertet. Das entspräche bei dem derzeitigen Kurs von 15 Euro einem Aufwärtspotenzial von 22 Prozent.

Im Gegensatz dazu sieht Berenberg-Analyst Usman Ghazi die T-Mobile-US-Aktie inzwischen als überbewertet an und deren Kursgewinne seien zuletzt der Hauptantrieb für die im Branchevergleich überdurchschnittliche Entwicklung der Telekom-Aktie gewesen. Weiter schrieb er: Würde die Fusion Realität – was unter anderem durch ausstehende Klagen einzelner US-Bundesstaaten längst nicht sicher scheint – müssten Anleger mit einer Dividendenkürzung von bis zu 30 Prozent rechnen. Und die T-Mobile-US-Aktie wäre weiter bereits angemessen bewertet. Käme es zu keinem Zusammenschluss, könnte der Aktienkurs der Tochter um 20 Prozent einbrechen, was dann wiederum der Telekom-Aktie rund 1,30 Euro an Wert kosten könnte. Sein Kursziel senkte Ghazi deshalb auf 12,70 Euro, ein Abschlag von 16 Prozent zum derzeitigen Kurs.

Unterschiedlicher könnten Meinung und Einschätzung zu einer Aktie wohl kaum sein. Das macht die Sache für Anleger gefährlich. Alles in allem jedoch scheint die Deutsche Telekom derzeit recht zielsicher unterwegs. Womöglich könnt es sich lohnen einen deutlichen Rücksetzer abzuwarten, also auf den möglichen Einbruch zu setzen, und sich das Papier dann günstig ins Depot zu legen. Sich vorsichtig annähern eben.

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