Ist die LVMH-Aktie noch zu stoppen?

Oliver Götz7.12.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Mit der Übernahme des US-Traditionshauses Tiffany baut LVMH seine Dominanz im globalen Luxusgüter-Sektor nochmals aus. Die Aktie der Franzosen steigt mühelos auf ein neues Rekordhoch und bietet weiter Potenzial ohne Ende.

Nicht zuletzt dank des berühmten Hollywood-Streifens „Frühstück bei Tiffany’s“ ist der 1837 in New York City gegründete US-Juwelier wohl vielen ein Begriff. Ganz anders LVMH. Diese vier Großbuchstaben kennt noch immer kaum jemand. Es sei denn man macht sich die Mühe und schreibt sie aus. Louis Vuitton, Moët und Hennessy nämlich, kennt schon wieder fast ein jeder. Nur steht LVMH noch für viel mehr, als diese drei Unternehmen, deren Zusammenschluss – zunächst Moët und Hennessy 1971, und später, 1987, Moët Hennessy mit Louis Vuitton – den Ausgangspunkt für eine gigantische Expansion hin zum größten Luxusgüterkonzern der Welt markierte. Christian Dior, Tag Heuer, Kenzo oder Dom Perignon sind nur einige Beispiele. Insgesamt verfügt LVMH über ein Imperium von rund 70 exklusiven Marken.

Mit Tiffany hat sich CEO und Chairman Bernard Arnault, mit einem geschätzten Vermögen von 76 Milliarden US-Dollar laut Forbes viertreichster Mensch der Welt, nun eine weitere prestige-trächtige Marke eingekauft. Für die Rekordsumme von 14,7 Milliarden Euro oder 135 US-Dollar je Tiffany-Aktie. Das entspricht rund dem dreifachen des Tiffany-Jahresumsatzes und steht für die teuerste Übernahme in der Geschichte der Franzosen. Mitte 2020 soll sie final abgeschlossen sein. Es wäre nichts ungewöhnliches, wenn Aktionäre ob eines solchen Deals in die Habachtstellung wechseln würden. Gewinne sichern und erst einmal die weitere Entwicklung abwarten würden.

Nicht so bei LVMH. Die Aktie des Luxusgüterkonzerns kletterte auf ein neues Rekordhoch. Zwar brauchte es dazu keinen großen Sprung mehr, und doch ist es erstaunlich, wie ungerührt das LVMH-Papier seiner Wege geht. Anfang des Jahres noch 258,20 Euro wert, sind es jetzt 409,25 Euro. Ein Plus von 58 Prozent. Auf Dreijahressicht steht sogar eines von 140 Prozent zu Buche. Auf Fünfjahresssicht eines von 216 Prozent. Entstanden ist dabei ein famoses Chartbild. Seit zehn Jahren geht es für die Aktie ohne nennenswert große Einbrüche bergauf, in den vergangenen Jahren dazu im schneller.

LVMH enteilt dem Rest des Luxusgütersektors

Das Geschäft mit Luxusartikeln läuft rund. Die Käuferklientel weitet sich aus. Im vergangenen dritten Quartal ist LVMH erneut stärker gewachsen, als von Analysten erwartet. Die Umsätze stiegen um 17 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten summierten sich die Einnahmen auf 38,4 Milliarden Euro, ein Plus von 16 Prozent. Ein exzellentes Ergebnis, das dank Fortschritten sowohl in den USA und Europa als auch in Asien erzielt werden konnte. Hervorragend läuft es im Mode- und Lederwarengeschäft. Nicht zuletzt dank der Kernmarke Louis Vuitton legte der Spartenumsatz um 22 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro zu. Aber auch die Verkäufe von Schmuck und Hennessy Cognac zogen an. LVMH scheine weiter Marktanteile zu gewinnen und setze mit dem Wachstum Maßstäbe in der Branche, schrieb Goldman Sachs-Analystin Louise Singlehurst. HSBC-Analyst Erwan Rambourg wurde noch deutlicher: In Bezug auf Größe und Tempo sei LVMH inzwischen dem Rest des Luxusgütersektors enteilt, so der Experte. Das Kursziel hob Rambourg auf 470 Euro an.

Mit dem Tiffany-Zukauf bauen die Franzosen ihre Vormachtstellung nun noch weiter aus. LVMH-Finanzdirektor Jean-Jacques Guiony sprach von einem „wichtigen Meilenstein für die Gruppe“. Lynxbroker-Analyst Ronald Gehrt sieht Tiffany als die ideale Ergänzung des Konzernportfolios. Dank der Übernahme nämlich kann LVMH nun auch im Bereich des Edelschmucks global angreifen. Man sei optimistisch, den Umsatz weiter zu steigern, sagte Guinoy.

Langfristig zweifelt niemand daran, dass sich die Tiffany-Übernahme auszahlen wird

Daran glauben auch die Analysten. Mit der Übernahme dürften die Konsensschätzungen für das Jahr 2020 steigen, schrieb UBS-Analystin Zuzanna Pusz. Der Deal dürfte sich als langfristig wertsteigernd erweisen, pflichtete ihr RBC-Analyst Rogerio Fujimori bei. Beide wiesen jedoch gleichzeitig darauf hin, dass es zunächst etwas dauern könnte, bis sich die Akquisition auszahlen würde.

Um diese kurzfristige Sicht auf die Dinge scheren sich Anleger jedoch wenig bis gar nicht. Langfristig zweifelt niemand daran, dass sich der Tiffany-Deal bezahlt macht. Dazu verwöhnen die Franzosen ihre Aktionäre jetzt schon mit einer Dividende in Höhe von sechs Euro je Aktie. 2017 lag die noch bei fünf Euro. Ein Anstieg von 20 Prozent innerhalb eines Jahres also und die zehnte jährliche Dividendenanhebung in Folge. Die Schätzungen für 2019 liegen bei 6,80 Euro je Papier. Das entspräche erneute einem saftigen Aufschlag.

Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür

Schon ohne die Tiffany-Übernahme gab die LVMH-Aktie kaum Anlass zur Kritik. Nun treibt die zusätzliche Wachstumsphantasie den Kurs weiter an. Das einträgliche Weihnachtsgeschäft steht dazu vor der Tür. Mit einem für 2019 erwarteten KGV-Wert von 27,6 ist die Aktie zwar schon recht teuer, solange jedoch kein Ende des Wachstums in Sicht ist, lässt sich darüber wohl hinwegsehen.
„Es ist eine legendäre amerikanische Marke mit einer reichen Geschichte“, sagte LVMH-Finanzkommunikationschef Chris Hollis über Tiffany. Diese Geschichte setzt sich nun unter dem LVMH-Konzerndach weiter fort, was wiederum die Franzosen noch reicher macht.

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