Das kommende Börsenjahr könnte ungemütlich werden | The European

Bank of America warnt: 2022 übernehmen Bären das Ruder!

Oliver Götz24.10.2021Medien, Wirtschaft

Das kommende Börsenjahr könnte ungemütlich werden. Die Analysten der Bank of America sorgen sich in einem Papier vor dem „dritten Schock in drei Jahren“. Ihr Rat: Die mögliche Jahresendrally noch mitnehmen und dann verkaufen. Von Oliver Götz.

Kommt jetzt der Börsencrash? Quelle: Shutterstock

Kursgewinne wie in diesem Jahr wird es wahrscheinlich nicht wieder geben, warnt die Bank of America in einer Mitteilung an Investoren mit Blick auf 2022. Das ist zunächst keine besonders gewagte These, schließlich kannten die großen Indizes 2021 nur den Weg nach oben. Trotz der jüngsten Rücksetzer hat der S&P500 bislang 20 Prozent zugelegt. Der Nasdaq100 17,5 Prozent und – vielleicht entscheidender – auf Dreijahressicht 114 Prozent. Der Dax hinkt mit einem Plus von 12,5 Prozent etwas hinterher, steuert aber ebenfalls einem weiteren, sehr erfolgreichen Jahr entgegen. Da wird die Luft zwangsläufig irgendwann dünn. Dank starker Zahlen vieler Konzerne und Unternehmen, ist sie den Indizes bislang allerdings noch nicht ausgegangen und auch das dritte Quartal scheint für einen Großteil der Firmen stark verlaufen zu sein. Das zumindest legen die ersten Quartalsberichte, unter anderem die der Banken, nahe.

Entsprechend ließe sich auch ein wenig Optimismus wagen, was den deutlichen Pessimismus der Bank of America-Analysten dann doch zu einer eindringlichen Warnung werden lässt. In dem am Freitag vergangener Woche veröffentlichen Papier, bereitet den Experten vor allem der anstehende politische Schwenk der Federal Reserve (Fed) Sorgen. Sollte sich die amerikanische Notenbank dazu gezwungen sehen, die Zinsen früher als erwartet anzuheben, könne es zu einem „Zinsschock“ kommen, heißt es. Diese würde den dritten Schock darstellen, mit dem Anleger in dann drei Jahren konfrontiert worden wären.

Zunächst hätte ein Wachstumsschock 2020 dafür gesorgt, dass die Aktienkurse nach oben schnellten, nun führe eine Inflationsschock zu steigenden Rohstoffpreisen, der es der Fed nun endgültig schwer machte, auf einen Kurswechsel im kommenden Jahr zu verzichten. „Wir stehen an der Schwelle zu einer politischen Wende, weg von Pro-Wachstum, hin zu Anti-Inflation“, schreiben die Banker. Die Fed hat bereits angekündigt, ihr monatliches Ankaufprogramm von Anleihen in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar bis Mitte nächsten Jahres zu beenden. Zuvor wird es wohl bereits monatlich zurückgefahren.

Laut Bank of America gibt es drei Gründe, warum die Fed nun auch bereits im kommenden Jahr und nicht erst 2023 die Zinsen anheben wird, wie dies viele Markteilnehmer erwarten.

1. Die erneute Nominierung von Fed-Chef Jeromy Powell dürfte zu einer freundlichen Rhetorik gegenüber Zinserhöhungen führen.

2. Die Löhne und Gehälter steigen wieder, was dazu führt, dass es Nullzinsen nicht mehr zwingend als Stimulus für die Wirtschaft braucht.

3. Die Lohn- und Mietpreisinflation ist und dürfte hoch bleiben. Die kann mit steigenden Zinsen bekämpft werden.

Sell the year-end rally!

Sollten Anleger ihre Aktien jetzt also verkaufen? Nein, sagt die US-Investmentbank. Mit einer Jahresendrally sei zu rechnen, heißt es. Diese könnten Anleger noch mitnehmen und erst danach Gewinne mitnehmen.

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