Apple: Wie viel Potenzial steckt in der Aktie?

Oliver Götz23.08.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Apple scheint die nächste Mini-Krise überstanden zu haben. Die jüngsten Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen, die Aktie steht seit Jahresbeginn mit fast 30 Prozent im Plus. Und nicht nur deshalb, bleiben die Papiere des iPhone-Konzerns gefragt.

Eines, das machen sie in Cupertino besonders gern. Zahlen vorlegen und damit die Analystenerwartungen übertreffen. Seit Jahren ist auf die Vorhersagen der Experten diesbezüglich kaum Verlass. Ein ums andere Mal werden sie im Schnitt übertroffen. Mal deutlich, mal weniger deutlich. Doch irgendwie schafft es Apple immer wieder seine Kritiker eines Besseren zu belehren. Und von diesen gab und gibt es seit einiger Zeit genug. Auch unter Analysten. Die große Abhängigkeit vom iPhone ist das Dauerthema. Dass die Verkäufe des Flaggschiffs zurückgehen, ebenso. Fehlende radikale Innovationen, seit Steve Jobs nicht mehr da ist, auch das wird dem Apfel-Konzern gern vorgeworfen. Alles gerechtfertigt, doch ganz offenbar schafft Apple dennoch, immer wieder aufs Neue, Wachstum herbeizuzaubern. Und das, obwohl Umsätze und vor allem die Gewinne ein Niveau erreicht haben, wovon es ein Großteil der Konkurrenz wohl nicht einmal wagt zu träumen.

Wird aus der Rutschpartie erneut eine Klettertour?

Dieses Hin und Her zwischen der Anleger- und Analysten-Angst um ein Ende der Apple-Erfolgsstory und der dann in mal kürzeren, mal längeren Abständen folgenden Entwarnung seitens des Konzerns durch starke Zahlen, treibt so auch seit Jahren den Aktienkurs. Meist kommt es zu einer bisweilen stark ausgeprägten Rutschpartie in den Frühjahrsmonaten, ehe daraus zum Ende des ersten Halbjahres und in den zweiten sechs Monaten eine umso intensivere Klettertour wird. Nicht so 2018, als es im Herbst ganz tief nach unten ging, vom Rekordhoch bei über 230 auf nur noch 142 US-Dollar. Schuld daran waren jedoch allgemeine Marktturbulenzen und die zwischenzeitliche Schwäche der US-Tech-Werte. Die Erholung folgte prompt, im Mai diesen Jahres kosteten die Apple-Papiere schon wieder 215 Dollar. Danach setzte die klassische Frühjahrsschwäche ein. Auf rund 175 Dollar ging es nach unten, da vor allem die Zahlen aus China enttäuschten. Einmal mehr setzte sich unter Anlegern die Ansicht durch, dass es nun doch schwierige Zeiten werden, für den inzwischen von Tim Cook geführten, einst wertvollsten börsennotierten Konzern der Welt. Dann ging es erneut nach oben. Einstiegschancen werden bei der Apple-Aktie seit jeher konsequent genutzt.

Und so stand der Kurs Ende Juli wieder bei 208 Dollar. Schuld daran waren auch die auf einmal wieder sehr soliden Zahlen zum dritten Geschäftsquartal und ein noch überzeugender Ausblick auf das vierte. So sank der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr unterm Strich zwar um 13 Prozent auf 10,04 Milliarden Dollar, lag damit aber trotzdem über den Erwartungen am Markt. Ebenso der Umsatz, welcher um ein Prozent auf 53,8 Milliarden Dollar kletterte. Im laufenden Dreimonatszeitraum soll dieser wieder deutlich höher liegen, irgendwo zwischen 61 und 64 Milliarden Dollar. Das ist mehr als im letzten Jahr (62,4 Milliarden) und mehr als von Analysten erwartet (60,9 Milliarden).

AppleWatch und Co. gleichen iPhone-Verluste aus

Das iPhone macht zwar weiter die erwarteten Probleme – mit Blick auf das smarte Telefon gingen die Umsätze in Quartal Drei um zwölf Prozent zurück – jenes ausgenommen wuchsen die Geschäfte jedoch um 17 Prozent. Die Bereiche „Online-Dienste“ und „Tragbare Geräte“ gleichen die Umsatzverluste des iPhones damit mehr als aus. Allein letztere Sektor, zu dem unter anderem AppleWatch, die AirPods und der HomePod gehören, steigerte die Umsätze um mehr als 50 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar. Auch der Verkauf von iMacs (+9,4 Prozent) und iPads (+8,7 Prozent) erlöste erneut mehr Geld. Die AppleWatch bleibt derweil laut Strategy Analytics die bestverkaufte Digital-Uhr. Ihr Anteil am Gesamtmarkt soll inzwischen bei fast 50 Prozent liegen.

Der Umsatz der Online-Dienste, zu denen unter anderem AppleMusic, ApplePay und die Cloud-Services gehören, stieg ebenfalls deutlich. Um 12,6 Prozent auf 11,5 Milliarden Dollar. Inzwischen zählt Apple rund 420 Millionen Abonnements. Mit dem Spieleangebot AppleArcade, AppleTV und einer im August in den USA startenden Apple-Kreditkarte dürften es noch ein paar Millionen mehr werden. Übrigens: Trotz zurückgehender Umsätze schlug Apple den chinesischen Smartphone-Gesamtmarkt. Dazu gehe es im Reich der Mitte in allen Sparten aufwärts, nur im iPhone-Bereich nicht, sagte CEO Cook der Nachrichtenagentur Reuters.

Wie viel Potenzial steckt in der Aktie?

Es sieht also fast danach aus als könnte sich das Bild der letzten Jahre wiederholen. Ein eher schwächeres erstes Halbjahr verunsichert Anleger, ehe es im zweiten traditionell dank des Weihnachts- und Vorweihnachtsgeschäfts sowie der Markeinführung neuer Modelle aufwärts geht. Trotz der Zukunftssorgen, die man sich um Apple durchaus machen kann – schließlich wurden Entwicklungen wie die Cloud im Vergleich zur Konkurrenz ziemlich verschlafen – könnten dann wieder Rekorde gebrochen werden.

Die Kombination aus negativer Anlegerstimmung, dem Potenzial für eine Steigerung im Service-Bereich und einem niedrigen Schwellenwert für die Septemberprognose lasse sie positiv auf die Ertragslage blicken, schrieb so auch Morgan Stanley-Analystin Katy Huberty. Sie listet die Aktie mit einem Kursziel von 247 Dollar sogar als Top-Pick. Zurückhaltender ist Matthew Cabral von der Credit Suisse. Apple habe mit Blick auf den Gewinn gut, jedoch nicht großartig abgeschnitten, schrieb er in seiner Studie. Er beließ seine Einschätzung für die Aktie auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 209 Dollar.

Doch wer weiß, vielleicht übertrifft Apple am Ende ganz traditionell erneut die Erwartungen. Was freilich schwierig wird, sind die Analysten im Schnitt optimistischer geworden, doch bei Apple scheint diesbezüglich wenig unmöglich. Nebenbei läuft da ja auch noch das 100 Milliarden Dollar schwere Aktienrückkaufprogramm und eine Jahresdividende in Höhe von 3,08 Dollar kann sich für einen Tech-Wert sehen lassen.

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