„Wir werden Klartext reden!“

von Oliver Götz10.01.2019Außenpolitik, Innenpolitik, Medien

Vor einem Rekordpublikum haben am Morgen Verlegerin Christiane Goetz-Weimer und ihr Mann, der Verleger Wolfram Weimer den fünften Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee eröffnet. Mit dabei: Über 60 Konzerne, gut 50 prominente Spitzenredner und mehr als 500 Konferenzteilnehmer, darunter viele namhafte Politiker und Unternehmenslenker.

Rundum doppelt so groß also wie noch im letzten Jahr, diskutiert der Gipfel heute und morgen und damit zum ersten Mal über zwei Tage hinweg die großen politischen, wirtschaftlichen und medialen Fragen aus Gegenwart und Zukunft. „Wir werden Klartext reden“, gab Goetz-Weimer gleich in ihrer Begrüßungsrede die Richtung vor.

Kein belangloser Smalltalk. Das ist schon seit jeher eines der zentralen Anliegen des Ludwig-Erhard-Gipfels, der aufgrund seines rasanten Wachstums in diesem Jahr zum ersten Mal in der Bachmair-Weissach-Arena und damit einer der größten und modernsten Eventlocations im Süden Bayerns stattfindet. Bei der von der ARD bereits als „die deutsche Antwort auf Davos“ geadelten Konferenz geht es darum miteinander und im gegenseitigen, konstruktiven Austausch ohne Blatt vor dem Mund nachzudenken, vorzudenken und weiterzudenken. Mit Blick auf Deutschland, genauso wie mit dem auf Europa und die Welt.

Wie lauten die Megatrends in der Gesundheitsbranche, wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? In welche Richtungen entwickeln sich Medien, wie lassen sich Wirtschaft und Gesellschaft noch besser miteinander vernetzen? Und was macht eigentlich die Finanzwelt im neuen Jahr? In welche Richtung entwickeln sich die Märkte? Welche Innovationen könnten sie nachhaltig beeinflussen? Auf diese und noch viel mehr Fragen versucht der Ludwig-Erhard-Gipfel Antworten zu geben. Und das mit einer wohlüberlegten, hochkarätigen Auswahl seiner Gäste. Ob nun große Unternehmenslenker, wie Stefan Oschmann, CEO beim deutschen Pharmakonzern Merck oder bedeutende politische Amts- und Würdenträger, wie FDP-Chef Christian Lindner oder EU-Kommissionspräsident Jean-Claude-Juncker. Überhaupt ist der Kreis der Kooperationspartner deutlich gewachsen: Neu dabei sind so unter anderem die Deutsche Telekom, Bentley, Siemens und Audi. Aber auch BAT, die HypoVereinsbank und der Finanzdienstleister BlackRock sind wieder mit dabei.

Innovation-Day macht den Auftakt

Auf dem „Jahresauftakt für Entscheider“ wie der Gipfel gerne genannt wird, versammeln sich Menschen, die sich nicht davor scheuen die großen Themen zu diskutieren, die nicht davor zurückschrecken zu entscheiden, wenn es darauf ankommt. Und „wer es durch das Katastrophengebiet und die Schneewalze“ hierhergeschafft habe, der sei genau richtig, hier auf dem Gipfel am See, frotzelte Verlegerin Christiane Goetz-Weimer zur Begrüßung und nahm damit Bezug auf den nicht enden wollenden Schneefall, der seit Tagen im Süden Bayerns für den Ausnahmezustand sorgt. Es spricht für die Veranstalter, dass trotz der Ereignisse größere Beeinträchtigungen ausblieben, der Gipfel so relativ pünktlich in seinen ersten Tag, den „Innovation-Day“ starten konnte.

Sie freue sich auf streitbare Ideen, eine lebhafte Debatte und den freien Meinungsaustausch, alles in allem auf einen „Neujahrsempfang des Freigeistes“, begrüßte Goetz-Weimer weiter und bedankte sich nicht zuletzt für einen noch nie dagewesenen Gipfel-Zuspruch. „Mit ihrer Unterstützung“, sprach sie die im Publikum sitzenden direkt an, „beweisen sie gesellschaftliches Engagement für Zusammenhalt, Dialog und Toleranz.“

Und genau das scheint in Zeiten von der „Zumutung“ Donald Trump, und aufstrebenden Autokraten wie dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan immer wichtiger zu werden. Doch nicht zuletzt mit dem Brexit präsentiere sich vor allem auch Europa tief zerstritten, blickte Goetz-Weimer besorgt auf das derzeit sehr fragil wirkende Gebilde EU. Und nicht weniger kritisch auf die politische Situation in Deutschland: Ob Merkel-Rücktritt, der in einer Woche von Horst Seehofer folgende oder eine chronisch-kriselnde SPD, der bei der anstehenden Europawahl womöglich eine Niederlage gegen die AFD droht, „mit der politischen Stabilität in Deutschland ist es vorbei.“

Den positiven Ausblick wagen

Doch alles in allem dürfe dies nicht dazu führen, zu sorgenvoll in die Zukunft zu schauen, betonte die Verlegerin. Medien und Politik redeten fortlaufend von schwierigen, dramatischen, bewegten Zeiten. Sie sei skeptisch geworden, ob dies so wirklich stimme. „Seit gestern sind 137.000 Menschen der bittersten Armut entkommen“, sagte sie. Erstmals seit Jahrzehnten sei der Jahreswechsel dazu ohne größeren Krieg von statten gegangen. Natürlich habe es dennoch Gewalt und Bürgerkriege gegeben, aber insgesamt sei es derzeit erstaunlich und erfreulich friedlich auf der Welt.

Dieser positiven Sicht der Dinge schloss sich mit Professor Ulrich Reinhardt von der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen auch der Auftaktredner des ersten Gipfel-Tages an. Wenn er mit seinen Studierenden spreche, so Deutschlands wohl bekanntester Zukunftsforscher, werde er mit Blick auf das, was kommt, meistens mit Sorgen konfrontiert. Dabei seien viele davon unbegründet. Inzwischen liege die weltweit Lebenserwartung im Schnitt bei 72 Jahren, gab er ein Beispiel. Auf die Frage danach, gäbe aber nur jeder vierte Deutsche dir richtige Antwort. Ähnlich sieht es mit dem Bildungszugang von Frauen aus. Inzwischen besuchten Mädchen global und im Schnitt neun Jahre die Schule, und damit nur ein Jahr weniger als Jungen. Mit Blick auf Deutschland steige das Bildungsniveau derweil erheblich, ganz besonders das von Frauen, und auch eine Spaltung der Gesellschaft sei – wie gern behauptet – wissenschaftlich nicht belegbar.

Hochrangige Paneldiskussionen folgen

Ein Mut machender Auftritt und Vortrag des Zukunftswissenschaftlers, der kaum besser ein- und hinleiten konnte, auf die hochkarätig besetzten Paneldiskussionen, die im Anschluss folgen sollten und unter anderem die Megatrends in Gesundheits-, Medien-, und Mobilitätsbranche diskutierten.

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