Dauerhaft kann man keine Politik gegen die Grundrechenarten machen. Volker Beck

Die fünf Lieblinge der Hedgefonds-Elite

Quartal um Quartal werden sie von Anlegern mit Hochspannung erwartet. Die 13F-Filings-Reports. In diesen müssen US-Großanleger mit mehr als 100 Millionen Dollar verwaltetem Vermögen seit jeher Bestände, Käufe und Verkäufe offenlegen. In welche Unternehmen haben die Finanzprofis in den ersten drei Monaten des Jahres am liebsten investiert? Wir haben die Top 5 für Sie herausgesucht.

Fünfter Platz: Time Warner

Time Warner, das weltweit größte Medien- und Entertainment-Unternehmen, landet auf Rang Fünf der Liste, die das Analysehaus RBC Capital auf Basis der Daten von 340 US-Hedgefonds zusammengestellt hat. 85 davon hielten im ersten Quartal 2018 Positionen des Unterhaltungsriesen, deren Wert sich insgesamt auf zirka 10,5 Milliarden Dollar aufsummierte. Das entspricht immerhin 14 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des Konzerns mit Sitz in New York City.

Ein Blick auf die Kursentwicklung der Aktie erklärt ihre Beliebtheit. 2009 noch kosteten die Anteile von Time Warner rund 15 US-Dollar. Inzwischen sind sie über 94 Dollar wert. Zwischenzeitlich kletterten sie sogar bis auf 104 Dollar in die Höhe. Grund für den Höhenflug waren und sind die Versuche des Mobilfunkgiganten AT&T Time Warner aufzukaufen. Ende 2017 waren die zunächst an einem Veto von US-Präsident Trump gescheitert, was dem Kurs eine ordentliche Delle verpasste. Inzwischen sind einige Anleger und Analysten wieder ganz optimistisch, das US-Justizministerium prüft den Fall gerade. Ausgang: Völlig offen.

Ungeachtet der Fusionsspekulationen fußt die Kursentwicklung der Amerikaner auf höchstsoliden Ergebnissen. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres stieg der Umsatz um vier Prozent auf acht Milliarden Dollar, der Gewinn legte um 23 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar zu. Darüber hinaus sind die Gewinne innerhalb der letzten fünf Jahre im Schnitt um fünfzehn Prozent angewachsen. Experten rechnen auch für die kommenden Jahre mit einem zweistelligen Ergebniswachstum.

Ein für 2018 erwartetes KGV in Höhe von 11,5 sowie eine Dividende von 1,65 Dollar je Aktie machen das Papier zusätzlich attraktiv. Sollten die US-Behörden den Deal mit AT&T verweigern, könnte der Aktie aber erst einmal ein gutes Stück an Kursphantasie abhandenkommen. Winken sie ihn dagegen durch, mangelt es der Aktie aus genannten Grünen wohl nicht an weiterem Aufwärtspotenzial.

Vierter Platz: Amazon

Mit Amazon auf Rang vier geht es hinein in die große Dominanz der Tech-Werte. Die Aktie des Mega-Konzerns ist in 98 von 340 Depots enthalten. Der Gesamtwert der Positionen beläuft sich auf etwas über zwölf Milliarden Dollar, was wiederum einem Anteil von 1,7 Prozent an Amazons Börsenwert entspricht.

Die Beliebtheit des von Jeff Bezos gegründeten Konzerns innerhalb der Hedgefonds-Gemeinde überrascht wenig. Auch wenn das KGV der Aktie mit einem Wert von 130 inzwischen beinahe schwindelerregende Höhen erreicht hat, Amazon schafft es mit intakten Wachstumsaussichten und einem sowieso beeindruckenden Wachstum in der Gegenwart die Bewertung immer wieder zu rechtfertigen. In den letzten fünf Jahren hat Bezos den Gewinn im Schnitt um 55 Prozent pro Jahr gesteigert. Auch wenn sich dieses Wachstum wohl abschwächen dürfte, nicht wenige Experten rechnen für die kommenden Jahre weiter mit mehr als 20 Prozent Gewinnsteigerung.

Das erste Quartal 2018 gab da schon gleich mal die richtige Richtung vor. Während der Umsatz um 43 Prozent auf 51 Milliarden Dollar stieg, kletterte das operative Ergebnis um 93 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar. Und der Kurs, der kletterte mit. Inzwischen kostet der Amazon-Titel 1.610 Dollar. Im Juni 2008, also vor ziemlich genau zehn Jahren, bekam man den Anteilsschein noch für 80 Dollar. Das entspricht – kaum zu glauben – einem Kursplus von fast 2.000 Prozent. Allein seit Jahresbeginn hat die Aktie trotz ihrer bis dato schon hohen Bewertung 37 Prozent an Wert zugelegt.

Grund für die beeindruckende Rally: Mit einem hervorragenden Cloud-Geschäft macht Amazon seit 2017 endlich auch nennenswerte Gewinne. Im Kerngeschäft – dem Onlineversandhandel – braucht man sich im Westen zudem keiner ernstzunehmenden Konkurrenz erwehren. Die Marktstellung von Bezos Lebenswerk kann wohl gut und gerne als sogenanntes Beinahe-Monopol durchgehen. Und in Seattle bleibt man nicht stehen. Mit Amazon-Fresh und der Übernahme der US-Biosupermarktkette Whole Foods gehört nun auch der (Online-)Lebensmittelhandel zum Konzerngeschäft. Sprachsteuerung „Alexa“ derweil hat die Konkurrenz aus dem Silicon Valley fürs erste abgehängt.

Kein Wunder, dass neben der Hedge-Fonds- auch die Analystengemeinde von der Amazon-Aktie überzeugt ist. Von insgesamt 26 raten 23 Analysten zum Kauf. Die restlichen drei dazu, das Papier zu halten. Bei der US-Investmentbank GoldmanSachs steht die Aktie mit einem Kursziel von 2.000 Dollar sogar auf der Conviction-Buy-List.

Dritter Platz: Microsoft

In Aktien von Microsoft waren in den ersten drei Monaten 2018 31 Prozent der betrachteten Hedge-Fonds investiert. Und das mit insgesamt etwas über 16 Milliarden Dollar, was gleichbedeutend mit einem zirka zweiprozentigen Anteil an Microsofts Marktkapitalisierung an der Börse ist.
Microsoft dürfte als Parabeispiel dafür gelten, wie man sich mithilfe neuer Geschäftsfelder wieder zurück zu starken Zahlen, guten Wachstumsaussichten und einer starken Börsenperformance schießen kann. Zwischenzeitlich von nicht wenigen im Vergleich mit Apple und Alphabet als großer Verlierer abgestempelt, übertraf man zuletzt in gewohnter Regelmäßigkeit die Erwartungen der Analysten. Gemeinsam mit Amazon hat man recht früh erkannt, dass sich im Cloud-Geschäft ziemlich viel Geld verdienen lässt und so ist man hinter dem Bezos-Konzern inzwischen die Nummer Zwei am US-Markt.

Längst ist Microsoft nicht mehr nur Windows, auch wenn die Amerikaner mit ihrem Kerngeschäft immer noch den meisten Umsatz erwirtschaften. Zukäufe, wie die der Plattformen LinkedIn und Skype zeigen die Bemühungen, sich breiter aufstellen zu wollen. Selbst im Smartphone und Tablet-Geschäft konnte man zuletzt ganz ordentliche Wachstumszahlen präsentieren. Insgesamt stieg der Umsatz im ersten Quartal 2018 um 16 Prozent auf 26,8 Milliarden Dollar, der Gewinn um 35 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar. Ergebnisse wie diese bringen Microsoft eine hohe Nettoliquidität, womit wiederum Aktienrückkäufe, Dividendenerhöhungen und natürlich auch kostspielige Investitionen möglich erscheinen.

Geht es nach der Analystenmehrheit verspricht vor allem das Cloud-Angebot noch viel Wachstumspotenzial. Ähnlich Adobe Systems steckt Microsoft immer mehr Software zusammen in die „Wolke“ und verlangt für die Nutzung eine monatliche Gebühr. Hinzu kommt das von den eigenen Produkten losgelöste und global aufstrebende Angebot von Cloud-Infrastruktur. Beides dürfte langfristig Umsätze und Gewinne antreiben, schrieb Credit Suisse-Analyst Michael Nemerhoff in einer Studie.

Wie die meisten seiner Kollegen sieht er die Aktie des Bill Gates-Konzerns bald deutlich über 100 Dollar. Derzeit steht der Kurs bei knapp über 98 Dollar. Auf Dreijahressicht hat die Aktie über 109 Prozent an Wert zulegen können. Auf Sicht eines Jahres 40 Prozent. Charttechnisch betrachtet ist der langfristige Aufwärtstrend weiter bestens intakt.

Zweiter Platz: Alphabet

Die Aktie von Alphabet liegt in 35 Prozent der analysierten Depots. Insgesamt hielten die Hedge-Fonds an der Google-Mutter Anteile im Wert von 18,8 Milliarden Dollar. Oder anders ausgedrückt: 2,6 Prozent am Börsenwert des Internet-Riesen. Der zuletzt aufgrund des Facebook-Datenskandals und der anschließenden Datenschutzdiskussion etwas ins Schlingern geratene Aktienkurs steht derzeit bei 1.084 Dollar. Das entspricht für das Jahr 2018 einem kaum merklichen Zugewinn. Mit Blick auf die letzten drei Jahre ergibt sich dann aber schon ein überzeugenderes Bild. In diesem Zeitraum hat sich der Kurs fast verdoppelt.

Alphabet ist nach Apple und Amazon der nach Marktkapitalisierung drittwertvollste börsennotierte Konzern der Welt. Dafür und überhaupt für den Tech-Sektor ist das KGV mit einem Wert von 24,7 noch beinahe angenehm niedrig. Amazon – wie bereits erwähnt – kommt auf ein KGV von über 130. Die Ergebnisse für das erste Quartal des laufenden Jahres waren zudem äußerst zufriedenstellender Natur, übertrafen gar die Erwartungen der Analysten. So stiegen die Umsätze um 26 Prozent auf 31 Milliarden und die von Bilanzierungseffekten profitierenden Gewinne um 73 Prozent auf 9,4 Milliarden US-Dollar.

Diese hervorragenden Zahlen beruhen weiterhin zu einem großen Teil auf denen von Google. Die restlichen Konzernsparten tragen kaum nennenswertes zum Umsatz bei, machen größtenteils Verluste. Wichtig sind sie dennoch, denn im hart umkämpften Zukunftsmarkt – beispielsweise mit Blick auf das autonome Fahren und die künstliche Intelligenz – will und darf man wohl keinen Trend verschlafen. Nicht nur im Silicon Valley, vor allem auch in China bastelt die Konkurrenz in hohem Tempo an den Technologien der Zukunft.

Voraussetzung dafür, dass Alphabet hier am Ball bleiben kann, sind die Gewinne von Google. Und die wiederum werden größtenteils durch Werbung generiert. So ist Google abhängig von Inserenten und Alphabet von Google. Gut möglich, dass auch diese Erkenntnis unter Anlegern dazu geführt hat, den Kurs zuletzt eher seitwärts zu treiben. Damit klafft nun doch schon eine etwas größere Lücke zwischen aktuellem Kurs und dem Januar-Rekordhoch in Höhe von 1.187 Dollar. Da der langfristige Aufwärtstrend in Takt scheint, Zahlen und Aussichten gut sind und die Analystenmehrheit positiv gestimmt ist, könnte sich derzeit also auch eine interessante Einstiegsgelegenheit bieten.

Erster Platz: Facebook

Verstrickt in einen Datenskandal historischen Ausmaßes, von der internationalen Presse zerrissen, von Analysten herabgestuft und von Anlegern abgestraft. Die zweite März-Hälfte war für Facebook und Facebook-Aktionäre eine zum Vergessen. Innerhalb kürzester Zeit brach der Aktienkurs um 18 Prozent ein, 70 Milliarden Dollar an Börsenwert gingen flöten. Und ein bis dato musterhafter Aufwärtstrend wurde jäh durchbrochen. Ja, es sah vor kurzem gar nicht gut aus für Mark Zuckerbergs Imperium und für Anleger, die ihm vertrauten.

Wie sich inzwischen allerdings herausgestellt hat, war wohl alles halb so schlimm. Zumindest mit Blick auf die Auswirkungen der Datenaffäre auf die Geschäftsentwicklung. Einen Imageschaden müssen sie bei Facebook ohne Frage verkraften. Doch der scheint halb so schlimm, wenn die Zahlen weiter passen. Und das tun sie. Oder besser gesagt taten es. Im ersten Quartal 2018. Dank florierender Werbeeinnahmen stieg der Umsatz um 50 Prozent auf fast zwölf Milliarden Dollar, der Gewinn kletterte um 63 Prozent auf zirka fünf Milliarden Dollar. Damit lag der Gewinn je Aktie bei 1,69 Dollar und somit deutlich über den Analystenerwartungen.

Die Reaktionen an der Börse fielen ähnlich deutlich aus, wie nach Bekanntwerden des Datenskandals. Nur dieses Mal im positiven Sinne. Inzwischen hat die Aktie ihre Verluste mehr als aufgeholt und ist meinem Kurs von 189 Dollar nicht mehr weit von ihrem Rekordhoch aus dem Januar bei 193 Dollar entfernt. Damit steht auf Fünfjahressicht ein Kursplus von 660 Prozent zu Buche.

Nicht wenige Hedge-Fonds-Manager haben wohl auf seine solche Erholung gewettet und sich die Aktie des Social-Media-Konzerns ins Depot gelegt. Im ersten Quartal 2018 war sie mit einem Gesamtwert von gut 19 Milliarden Dollar in 136 der von RBC Capital untersuchten Fonds zu finden und ist in dem Segment damit klarer Beliebtheits-Champion.

Diese Analyse erschien zuerst in Ihrer BÖRSE am Sonntag.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Dietmar Bartsch, Beatrice Bischof, Alice Weidel.

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