Sex nach dem Fußball ist besser. Allerdings fällt oft bereits in der ersten Minute das 1:0! Harald Schmidt

Stark wie nie – Netflix-

Mit besonders lauten Pauken und Trompeten hat der Streaming-Dienst Netflix die Berichtsaison der FAANG-Aktien eingeläutet. Im ersten Quartal 2018 stiegen Umsatz, Gewinn und Abonnenten deutlich. Die Zahlen sind Balsam für die gesamte US-Tech-Branche. Die Netlfix-Aktie könnte zudem schon bald neue Allzeithochs markieren.

Der Datenskandal um Mark Zuckerbergs Social-Media-Imperium Facebook hat die globale Tech-Branche nicht nur aufgeschreckt, er hat sie zeitglich in eine ihrer schwersten Krisen überhaupt gestürzt. Lange Zeit beinahe unantastbar, stehen Größen wie Google, Facebook oder Amazon nun deutlich strengere Regulierungen ins Haus. Und das just zu dem Zeitpunkt, an dem jene ohnehin mit einer langsam einsetzenden Marktsättigung zu kämpfen haben und neue Wachstumsstrategien brauchen, um ihre Mega-Bewertungen an der Börse weiter rechtfertigen zu können.

Anleger zeigten und zeigen sich verunsichert, womit die Branche gemessen an den zum Teil gewaltigen Performances der Vorjahre, schwach ins neue Jahr startete. Die Alphabet-Aktie (ehemals Google) hat bislang 3,2 Prozent an Wert verloren, Facebook sogar zehn Prozent. Der Kurs von Apple tritt weitestgehend auf der Stelle, der von Amazon konnte um 18,5 Prozent zulegen. Ohne das lähmende Umfeld wäre aber wohl auch beim Bezos-Konzern mehr drin gewesen.

In den kommenden zwei Wochen veröffentlichen die Konzerne ihre Zahlen. Diese dürften dann die weitere Kursrichtung vorgeben. Bleibt die Frage: Wie gut fallen sie aus? Können die Silicon-Valley-Stars Analysten und Investoren ein weiteres Mal überraschen? Seit vergangenem Dienstag sieht es sehr danach aus. An dem Tag nämlich hat Netflix, also das „N“ der FAANG-Aktien, seine Zahlen vorgelegt. Der Video-On-Demand-Krösus ist mit seiner Ergebnis-Präsentation traditionell immer etwas früher dran als der Branchen-Rest, gilt daher für viele auch als sogenannter „Gradmesser“ des Sektors.

Und dieser hätte dieses Mal kaum besser ausfallen können. In den ersten drei Monaten konnte Netflix 7,4 Millionen neue Kunden hinzugewinnen. Das sind eine Million mehr als von Analysten erwartet. Insgesamt kommt die Heimat von Hit-Serien wie „House Of Cards“ oder „Stranger Things“ nun auf 125 Millionen Abonnenten. Den Umsatz steigerten die Amerikaner um 43 Prozent auf 3,7 Milliarden US-Dollar, was im Quartalsvergleich dem besten Zuwachs der Konzerngeschichte entspricht. Eine bemerkenswerte Leistung, ist es schließlich eher andersherum üblich, sprich im Normalfall gehen die Wachstumsraten bei steigenden Einnahmen zurück. Nicht so bei Netflix, das mit einem Plus von 63 Prozent von 178 auf 290 Millionen Dollar auch in Sachen Gewinn zu überzeugen wusste.

Besser war nur noch der Ausblick des jüngsten FAANG-Mitglieds. Im laufenden zweiten Quartal 2018 will man den Umsatz nochmal um 200 Millionen Dollar steigern, was dann wiederum einem Anstieg von 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspräche. Die Kundenzahl soll sich um weitere 6,2 auf insgesamt 131 Millionen erhöhen. Zudem will Netflix den Verdienst pro Aktie von 64 Cent im abgelaufenen ersten Quartal auf 79 Cent steigern. Ehrgeizige Ziele. Doch wem, wenn nicht Netflix, sollte man es zutrauen können eben solche zu erreichen. „Wir geben im Jahr zehn Milliarden Dollar für Inhalte und Marketing aus und nur 1,3 Milliarden Dollar für Technologie“, sagte CEO Reed Hastings im Gespräch mit Analysten. Dieses Konzept scheint verbunden mit der aggressiven internationalen Expansion aufzugehen. Die Konkurrenz tut sich angesichts dieses Milliardenaufwands schwer damit Fuß zu fassen. Netflix derweil ist inzwischen in über 190 Ländern empfangbar. Erst vor kurzem hat man seine Geschäfte durch eine Partnerschaft mit dem Sender OSN im Nahen Osten und Nordafrika intensiviert. In 17 Ländern hat Netflix zudem bereits Filme und Serien produziert.

Und gerade diese Eigenproduktionen sind es, die die Plattform immer attraktiver und eben auch erfolgreicher machen. Im Vergleich zum Vorjahr soll der Anteil an Eigenproduktionen für monatliche Abonnenten laut den Experten von Cowen & Co. um 85 Prozent gestiegen sein. Immer wieder schaffen es Netflix-Serien unter die Top-Five der meistgesehenen weltweit. Wohl auch aufgrund dieses speziellen Angebots halten Kunden dem Streaming-Anbieter vergleichsweise lange die Treue. Hastings und Co. scheinen zu wissen wie man Abonnenten erfolgreich an sich bindet. Dass man im ersten Quartal des laufenden Jahres auch 1,9 Millionen US-Neukunden begrüßen durfte, ist zudem eine weitere positive Überraschung, gilt der Markt doch eigentlich als gesättigt.

Anleger quittierten die starken Ergebnisse zunächst mit einem satten nachbörslichen Kursplus von sieben Prozent. Das Allzeithoch bei 333 US-Dollar gerät damit wieder in Reichweite. Überhaupt ist die Aktie auf einem guten Weg auch 2018 wieder eine erstklassige Performance abzugeben. Seit Jahresbeginn hat das Netflix-Papier bereits mehr als 60 Prozent an Wert zugelegt. Und das trotz der Tech-Krise. Ein Verdoppler scheint 2018 nicht unmöglich.

Goldman Sachs-Analyst Heath Terry hob sein Kursziel zuletzt von 315 auf 360 US-Dollar an. Netflix habe seiner Meinung nach weiterhin das Zeug dazu, die Markterwartungen zu übertreffen. Die Inhalte seien stark, die Marketingausgaben trügen erste Früchte und neue Partnerschaften böten Potenzial, schrieb er in seiner Studie. Zudem blicke er optimistischer als der Durchschnitt auf Abonnentenwachstum und Profitabilität. Auch die Investmentbanken JPMorgan und Morgan Stanley sowie Wells Fargo hatten ihre Kursziele zuletzt deutlich angehoben.

Da Netflix auf das Geschäft mit Werbung verzichtet, könnten der Datenskandal und die womöglich mit ihm einhergehenden Auflagen an dem Konzern vorübergehen. Das könnte den Tech-Wert gerade zum jetzigen Zeitpunkt attraktiv machen. Die Zahlen stimmen ja schließlich. Allerdings ist die Plattform an der Börse mit 140 Milliarden Dollar nun auch schon beinahe so viel Wert wie Großkonzern Disney. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis lag 2017 bei 148, Dividenden gibt es keine. Die Möglichkeit der Überbewertung besteht also beim „N“ der FAANG-Aktien genauso wie bei seinen Buchstabennachbarn.

In Sachen Konkurrenzangeboten schlafen die übrigens nicht. Reed Hastings hat damit sicher Recht, wenn er sagt: Wenn wir faul oder langsam werden, werden wir überrannt, wie jeder andere auch.“ Derzeit allerdings überrennt Netflix alle anderen. Und das mit unheimlichem Tempo.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Olaf Scholz, Gabriel Felbermayr, Markus Ross.

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