Es ist schon verrückt, was der Fußball aus mir macht. Oliver Kahn

Wann geht Elon Musk das Geld aus?

8.000 US-Dollar pro Minute! Soviel Geld verbrennt Tesla. Das entspricht 11,52 Millionen Dollar – Tag um Tag! Und auch Jahr um Jahr? Noch lächelt Firmengründer Elon Musk die verlustreichen Tatsachen gekonnt in den Hintergrund. Aber schon Mitte 2018 könnte der große „Zahltag“ kommen, denn die Cash-Reserven gehen zur Neige. Wann wollen die Investoren ihre Milliarden zurück?

Bob Lutz ist nicht irgendwer. Er ist ehemaliger CEO von General Motors, und er weiß, wie man Autos nicht nur ankündigt, sondern auch millionenfach verkauft. Und Lutz wählt jetzt klare Worte: „Immer wenn Tesla in finanziellen Nöten ist, lenkt Musk ab. Er sagt : Macht euch keine Sorgen, schaut auf unsere Batteriefabrik. Oder: Wir fliegen ja bald zum Mars, oder: Wir graben einen Tunnel unter Los Angeles." Das Interview des erfahrenen Spitzenmanagers mit dem US-Fernsehsender CNBC gnadenlos zu Teslas Geschäftsmodell wirbelte viel Staub auf, denn Lutz legte nach: „Das Unternehmen wird vom Markt verschwinden, die Leute haben offenbar alle die blaue Pille genommen wie im Kinofilm Matrix. Elon Musk ist eine Gott-ähnliche Figur geworden, die Steve Jobs von Apple ersetzt.“

Eine solche Kritik an der kalifornischen Zukunftsschmiede ist nichts neues, es gab sie schon immer. Doch während sie früher schnell verpuffte und durch Teslas schnelle Erfolge oft auch unbegründet schien, wird sie nun allmählich gefährlich für die Visionen des Elon Musk. Denn immer breiter wird diese Kritik. Die schlechten Zahlen und nicht eingehaltenen Versprechen sind eine Tatsache. Erst vor kurzem musste Firmengründer Musk den mit 619 Millionen Dollar bisher höchsten Quartalsverlust in der Geschichte seines Unternehmens verkünden. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte man noch 22 Millionen Dollar verdient. Über dieses schwindelerregend schlechte Ergebnis kann auch der mit 30 Prozent stark und besser als von Analysten erwartet gestiegene Umsatz nicht hinwegtäuschen.

Model 3: nur 260 Stück anstatt 5.000

Eines der größten Probleme bleibt diesbezüglich weiter die Produktion des so wichtigen Model 3, sprich des Teslas für den Massenmarkt. Für dessen Herstellung haben die Amerikaner hohe Investitionen in Kauf genommen, bereits Ende des laufenden Jahres wollte man 5.000 Fahrzeuge pro Woche ausliefern. Im gesamten Quartal drei sind es nun mickrige 260 geworden. Klarer kann man sein Ziel wohl nicht verfehlen. Zum Ende des ersten Quartals 2018 – so der neue Fahrplan – soll es dann klappen mit den 5.000 Einheiten. Angesichts der momentanen Standes ein sehr fragwürdiger neuer Fahrplan. Bekanntlich sind dabei nicht die fehlenden Bestellungen das Problem, die Auftragsbücher sind voll, sondern der Fakt, dass es für die Belieferung des Massenmarktes ganz andere Produktionskapazitäten braucht, die Tesla noch nicht hat und die Unmengen an Geld verschlingen.

Auch wenn Elon Musk zugab, dass die Produktion in der Startphase eine Herausforderung sei und er nicht sicher sei, wie lange es dauere bis die Probleme bewältigt sein würden, machte er zuletzt wieder genau das, was Bob Lutz und andere an ihm so wahnsinnig macht. Unter gewohnt großem Tamtam stellte er die Neuauflage des Roadsters vor. Innerhalb von galaktischen 1,9 Sekunden soll das neue Modell von null auf einhundert Stundenkilometer beschleunigen. Zeitgleich präsentierte Musk Pläne für die Produktion eines E-LKWs, der schon 2019 vom Band laufen und selbst bei Volllast rund 800 Kilometer schaffen soll.

Das sind mal wieder sehr ehrgeizige Ziele. Böse Zungen würden wohl behaupten, dahinter stecke nur der Plan die auf Tesla zukommenden finanziellen Engpässe zu überbrücken. Die 250.000 Dollar, die die neue Founders Series des Roadsters kosten soll, müssen Käufer nämlich gleich bei Bestellung und in vollem Umfang bezahlen. Nicht unwahrscheinlich, dass sie danach noch Jahre auf ihren Sportwagen warten müssen. Und auch wer „nur“ den Serien-Roadster in seiner Garage sehen will, muss bei der Bestellung 50.000 Dollar anzahlen. Beim neuen E-Truck sind es 5.000 Dollar. Tesla könnte mithilfe dieser Strategie allein durch den neuen Super-Roadster 250 Millionen Dollar einnehmen. Und das ohne zunächst eine Gegenleistung erbringen zu müssen.

Noch knappe neun Monate: Fällt dann der Hammer?

Für Tesla wären diese Einnahmen eminent wichtig, wenngleich sie niemals ausreichen, sollte man weiterhin solch gigantische Verluste schreiben. Gesetzt dem Fall wären Elon Musks Cash-Reserven nach Berechnungen von Bloomberg nämlich bereits am 6. August 2018 aufgebraucht. „Musk braucht Geld, und zwar schnell“, ist Kevin Tryan, Analyst bei Bloomberg Intelligence überzeugt, glaubt deshalb auch, dass die Kalifornier bis Mitte 2018 eine Kapitalerhöhung von zwei Milliarden Dollar anstreben werden. Aber wie lange geht diese Hängepartie noch gut? Wie lange vertrauen Musk seine Investoren noch?

„So lange die Firma Geld verbrennt, hängt sie von der Geduld und dem Enthusiasmus der Aktionäre oder einem weißen Ritter mit tiefen Taschen ab“, zitiert das Handelsblatt Christian Hoffmann, Vermögensverwalter bei Thornburg Investment Management. Es fällt nicht allzu schwer, Hoffmann diesbezüglich Recht zu geben. Für Tesla geht es inzwischen ums Überleben und beinahe alles hängt von der Produktion des Model 3 ab. Schafft man es hier nicht bald die versprochene Größenordnung von 5.000 Fahrzeugen pro Woche oder zumindest pro Monat zu erreichen, könnte es eng werden für Tesla. Denn auch der Kursanstieg an der Börse von über 50 Prozent seit Beginn des Jahres basiert zu großen Teilen auf den Erwartungen an den Tesla für den Massenmarkt.

Aktionäre, Anleger, Investoren und Medien weltweit werden 2018 also sehr genau hinschauen, was Tesla noch aus dem Hut zu zaubern imstande ist. Ein weiteres Geldverbrennungsjahr wie 2017 wird man sich kaum noch einmal leisten können. Aber wer weiß, vielleicht landet Musk ja schon bald, im genau richtigen Moment, höchstselbst auf dem Mars.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Wim Weimer, Albert Wunsch, Stephan Scherzer.

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