Das gefährliche Spiel mit dem Bitcoin

von Oliver Götz26.11.2017Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft

Beinahe unaufhaltsam steigt der Bitcoin von Rekord zu Rekord. 8.200 US-Dollar ist eine dieser Computerberechnungen inzwischen wert, allein 2017 hat sich der Kurs mehr als verachtfacht. Eine Forschungsstudie der Royal Society gibt nun allerdings Anlass zur Sorge. Technologisch heißt es dort, sei der Bitcoin inzwischen von vielen Wettbewerbern überholt worden. Das dürfte ein böses Erwachen geben.

2017 – so zumindest sieht es derzeit aus – wird zum Jahr der Jahre für den Bitcoin. Die Digitalwährung befindet sich auf einem beinahe unglaublichen Höhenflug. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert des Bitcoin von zirka 1.000 US-Dollar auf inzwischen über 8.200 US-Dollar mehr als verachtfacht. Das nächste angestrebte Kursziel der Kryptowährung dürfte nun die 10.000-Dollar Marke sein.

Dass dieses Ziel schon bald erreicht wird, erscheint nicht unwahrscheinlich, werden durch die diesjährige Erfolgsgeschichte doch immer mehr Anleger aufmerksam auf das Computer-Gold. Und damit auch immer mehr traditionelle Investoren, die den Bitcoin und andere Kryptowährungen inzwischen als eine neuartige Asset-Klasse entdeckt hätten, wie Professor Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance gegenüber dem Handelsblatt betonte. Goldman-Sachs Chef Lloyd Blankfein äußerte sich kürzlich so: Er möge den Bitcoin zwar nicht, aber er könnte durchaus die nächste Entwicklungsstufe des Geldes darstellen. Und auch MorganStanley-CEO James Gorman sieht im Bitcoin „mehr als eine Masche“ und ein durchaus „sehr interessantes Konzept“.

Die Probleme des Bitcoin aber sind nicht von der Hand zu weisen. Die Schwankungen der Digitalwährung sind so groß, dass man sie derzeit nur schwer als echte Währungsalternative ernst nehmen kann. Zu Beginn der Woche war ihr Wert innerhalb von zwei Stunden um sechs Prozent in die Tiefe gerauscht. Grund war ein Hackerangriff auf die Konkurrenzwährung Tether, durch den 26 Millionen Euro verloren gingen. Das ließ natürlich auch bei Bitcoin-Anlegern die Alarmglocken schrillen. Es dauerte allerdings nicht lange, da hatte sich der Kurs bereits wieder erholt.

Zu heiß für die meisten Anleger

Innerhalb kürzester Zeit verliert und gewinnt der Bitcoin also hunderte Euro an Wert. Das macht die Währung zu einem gefährlichen Investment. Zudem drohen Bitcoins bald ihren unregulierten Rahmen zu verlieren. So hat China inzwischen Handelsblattformen für Digitalwährungen verboten, Russland den Zugang zu Internetseiten eingeschränkt und die EZB denkt über Regulierungen in der Eurozone nach. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege bei der Deutschen Bank warnt deshalb eindringlich: „Ich würde es (die Investition in den Bitcoin, Anm. d. Red.) dem normalen Anleger schlichtweg nicht empfehlen.“ Neu ist all das nicht. Der interessierte Marktbeobachter dürfte die Risiken kennen. Und dennoch war der Bitcoin 2017 wohl eines der lohnendsten Investments der Welt.

Sehr neu dagegen ist eine “Forschungsstudie der Royal Society”:http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/4/11/170623, die für Aufregung sorgen könnte, da sie nicht die Cyber-Divisen selbst kritisiert, sondern vielmehr den Bitcoin als möglicherweise überbewerteten Vorreiter. Über vier Jahre, vom 28. April 2013 bis zum 13. Mai 2017, haben die Briten das Verhalten von 600 aktiven und insgesamt 1.469 Kryptowährungen untersucht und sind zu dem Schluss gekommen: Der Marktanteil des Bitcoin geht zurück. Und das während sich die Marktkapitalisierung aller Digitalwährungen zusammen allein zwischen Mai 2016 und 2017 vervierfacht hat. Die derzeit auf den Bitcoin folgenden fünf wertvollsten Kryptowährungen weisen zudem eine exponentiell steigende Marktkapitalisierung auf. Gemeint sind unter anderem Ethereum, Ripple oder Litecoin. Gemeinsam machen sie zwanzig Prozent des gesamten digitalen Währungsmarktes aus. Der Bitcoin ist also längst nicht mehr alleine und sieht sich mit starker Konkurrenz konfrontiert, die zum Teil sogar mit einer neueren und besseren Technologie aufwarten kann. Wobei die Studie im Allgemeinen festhält, dass es keine Kryptowährung gibt, die dem Rest technologisch klar überlegen ist.

Ohnehin herrscht auf dem digitalen Währungsmarkt nach wie vor Chaos. Ungefähr sieben neue Kryptowährungen kämen pro Woche neu auf den Markt, heißt es in der Royal Society-Studie. Und genauso viele würden gleichzeitig wieder verschwinden. Zudem seien die Plätze zwei bis sechs im Bedeutungsranking der Währungen – Bitcoin lag bisher unangefochten immer auf Platz eins – schon von 33 verschiedenen Anbietern mit einer durchschnittlichen Lebenszeit von 12,6 Wochen eingenommen worden.

Die große Gefahr

Aber zurück zum Bitcoin: Auf Basis der in der Studie angewandten Modelle rechnen die Royal-Society-Forscher in Zukunft weiter mit großen Kurschwankungen und halten eine Werthalbierung bis 2025 für möglich. Der Bitcoin beherrsche zwar derzeit den Markt, doch aufgrund technologischer Bedenken und der Aufholjagd der Konkurrenz werde seine führende Position zunehmend in Frage gestellt, glauben die Wissenschaftler. Ihr Konsens: Der Bitcoin wird nicht wegen seiner Technologie und damit einhergehend seiner überlegenen Blockchain so viel öfter gekauft als die digitalen Münzen der Konkurrenz, sondern aufgrund seines Marktanteils und dem Fakt, dass er die erste Kryptowährung auf dem Markt war. Das habe ihn berühmt und dominant gemacht.

Kommt also der Bitcoin-Preisverfall? Platzt schon bald eine gewaltige Blase? Vielleicht, ja. Schließlich ist die Überbewertung, der der Bitcoin unterliegt, klar erkennbar und nicht wegzudiskutieren. Andererseits sind auch viele Unternehmen an der Börse im Vergleich mit ihrer aktuellen Performance in der Realwirtschaft klar überbewertet. Viele amerikanische Tech-Werte wie Snapchat, Tesla oder Amazon sind hierfür vielleicht das klarste Beispiel. Deshalb steigen ihre Kurse aber mehrheitlich trotzdem in die Höhe, da Anleger auf eine erfolgreiche Zukunft wetten. Und genau um diese Wette auf die Zukunft geht es auch beim Bitcoin.

So scheint alles möglich. Die Blase könnte platzen, ja. Vielleicht ist ein Bitcoin aber auch bald weit über 10.000 US-Dollar wert. Die Digitalwährung muss sich nur weiter gut selbst verkaufen können. Sollte es aber tatsächlich zu einem Preisverfall kommen, können spekulationsfreudige Anleger seit kurzem sogar mit einem sogenannten Short-Zertifikat der Schweizer Institute Vontobel und Lenteq davon profitieren. Ein gefährliches Spiel – das dürfte klar sein – bleibt es derweil allemal.

_Warum die Spekulation auf Bitcoin für Anleger, die ihre Altersvorosrge im Blick haben, purer Wahnsinn ist: Jetzt in Ihrer_ “*BÖRSE am Sonntag*”:http://www.boerse-am-sonntag.de/aktien/aktie-der-woche/artikel/das-gefaehrliche-spiel-mit-dem-bitcoin-8966.html!

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten machen linke Berichtserstattung

Zur Studie des Reuters Institute, wonach die öffentlich-rechtlichen Sender lediglich eine Minderheit der Bevölkerung erreichen, die sich darüber hinaus links der Mitte verortet, erklärt der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland.

Die AfD ist der Aufstand der Straße gegen die Zumutung des kategorischen Imperativs

Die mangelnde Problemlösungsfähigkeit, die den regierenden Parteien in Umfragen unterstellt wird, scheint mir das eigentliche Problem. Keiner behauptet, die AfD könne die Probleme lösen oder habe die Konzepte dafür; sie ist reine Protestpartei, inhaltlich nichts sagend.

Der Klassenkampf hat gerade erst begonnen

Es ist hohe Zeit zu begreifen, dass der linke Zeitgeist brandgefährlich ist. Jene, die das, was sie für das Gute halten, wie eine Monstranz vor sich her tragen und unermüdlich die Welt verbessern wollen, lassen alle Hemmungen fallen, wenn sie feststellen müssen, dass es Andersdenkende gibt.

Die DDR kommt wieder!

Zwei Drittel der Berliner befürworten einen Mietendeckel, wenn die Mieten zu stark ansteigen. Das Bundesverfassungsgericht sagt, dass „preisrechtliche Vorschriften, die durch sozialpolitische Ziele legitimiert werden, verfassungsrechtlich nicht ausgeschlossen sind“. Die Mietpreisexplosion in Be

Die AfD verändert die politische Geographie

Am 1. September wird in Brandenburg und Sachsen gewählt. Die ermatteten Volksparteien bekommen ihre Quittung für eine Politik politischer Lethargie. Die AfD pflügt seit Wochen die politische Landschaft um, aber warum hat sie so eine Macht in Ostdeutschland?

Greta Thunberg ist eine grüne Koboldexpertin

Tag für Tag verkünden uns Marionetta & Co. mit ernster Miene, dass das Ende der Welt bevorsteht, wenn nicht endlich, endlich, endlich die Forderungen einer schwedischen Schulschwänzerin und einer grünen Koboldexpertin eins zu eins in die Tat umgesetzt werden - sprich: Wenn unser aller Leben nich

Mobile Sliding Menu