Der Papst macht es anders als die Deutschen wollen | The European

Franziskus und die Frauen

Notker Wolf6.06.2022Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik

An Pfingsten tritt im Vatikan endlich die Kurienreform in Kraft, die durch viele Sitzungen vorbereitet wurde und schon lange erwartet wurde. Sie ist keineswegs die Sensation, die sich viele erhofft hatten, und doch beinhaltet sie eine stille Revolution.

Papst Franziskus, Quelle: Shutterstock

Der Papst möchte eindringlich, dass die kurialen Behörden im Dienst der Kirche und nicht die Ortskirchen und die Gläubigen beherrschen. Dienen, nicht Herrschen ist gemäß dem Evangelium seine Devise. Er trennt dabei die Leitungsgewalt von der bischöflichen oder priesterlichen Weihe. Denn seiner Auffassung nach ist der Klerikalismus die grundlegende Krankheit der Kirche. Kleriker, die meinen, unberührbar zu sein, und der Klerikalismus steht auch an der Wurzel des Missbrauchs. Eltern meinten, so etwas tun Priesters nicht und glaubten nicht den Kindern oder Jugendlichen, die Betroffenen konnten sich so etwas auch nicht vorstellen und wagten nicht, die Vorfälle zu berichten.

Jetzt können Laien, also Frauen und Männer in die höchsten Leitungsämter berufen werden.

Auch Laienmönche können zu Äbten gewählt werden. Der hl. Benedikt war übrigens ein Priester und hatte doch mit seiner Regel einen enormen Einfluss auf die religiöse und kulturelle Entwicklung des Abendlandes. Voraussetzung ist im Wesentlichen die Qualifikation und das Zeugnis, für die Menschen im Sinne des Evangeliums zu wirken. Die vatikanischen Behörden werden alle gleichgeschaltet. Es gibt keinen Unterschied von Kongregationen, Päpstlichen Räten und Dikasterien, alle heißen jetzt Dikasterien und können auch von Laien geleitet werden. Nur die bisherige Glaubenskongregation hat sich der Papst vorbehalten.

In einem Dikasterium können Frauen auch Bischöfen Anweisungen erteilen. Sie brauchen dazu keine Ordination.

Der Papst geht anders vor, als die Deutschen es wünschen. Die Ordination der Frau würde seiner Ansicht nach noch zu keiner tiefgreifenden Veränderung führen. Der Klerikalismus würde fortbestehen, in diesem Fall unter Einbeziehung der Frauen.
Er möchte, dass alle im Dienst der Verkündigung des Evangeliums für unsere Gesellschaft stehen, nicht nur Bischöfe, Priester, sondern auch die Laien. Bisher unterstanden die kirchlichen Behörden Kardinälen, jetzt können es auch Laien sein, ob Mann oder Frau. Das ist die eigentliche Neuerung.

Im Übrigen heißt ja auch im Deutschen „Ministerium“ „Dienstbehörde“. Sie ist zum Dienst am Volke da. Ob das immer so verstanden wird?

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