Hitzewelle in Deutschland

Norbert Breuer26.07.2019Medien, Wissenschaft

Seit Tagen leide ich unter einer Hitzewelle, die sich an die 40 Grad herantastet und dreist in mein Leben eingreift. Selbst mein Büro wird zum Glutofen: 27,1 Grad am PC. Une chaleur torride, wie die Franzosen sagen. Wie soll ich da einen vernünftigen Satz „zu Papier“ bringen.

Sitze im Friseur-Salon „Laetitias Haarkonzept“.

Gleich kommt Ritsch-Ratsch-Jenny und bearbeitet meine verbliebenen Strähnen. Wenngleich bei mir ja leider kein Konzept mehr nutzt. So gerät das „Cutting“ ihr mangels Masse immer mehr zur Pantomime, zumal ich meine wenigen Haare schon benamsen kann: „Bleib bei mir“, „Sei nicht spröde“ usw. Aber Jenny ist eben einsame Klasse, denn ihre Kopfmassagen mit einer elektrisierend-prickelnden Kälteessenz sorgen für hochsommerliche Wohlfühl-Momente.

Ich blättere derweil, die liegt da aus, mal in der GITTE, welche durch ihre gleichnamige Diät bekannt ist und die gesamte deutsche Frauenschar bekanntlich dauerhaft verschlankt hat.

Frauenzeitschriften finde ich ab und an nämlich spektakulär. Gerade las ich darin, also in echt: „Junge Frau bekommt SMS von ihrer toten Großmutter“. „Wat et nit all jit”, staunt da der Kölner. Den Artikel „Das sind die Haarfärbetrends 2019 – was ihr bei colorierten Haaren beachten solltet!“ überblättere ich geflissentlich.

Die Leserinnen dürfen auch abstimmen: „Ist man als Frau glücklicher als Single oder in einer Ehe?“ Nur 26% sind für „Ich halte Ehe und Familie immer noch für das ultimative Lebensglück“, doch 54% votieren für „Ich glaube, am glücklichsten ist man mit sich selbst – also als Single“. Gar nicht mal soviel, wenn man bedenkt, daß im gleichen Magazin 71% der Frauen für ein regelmäßiges Update ihres Smartphones sind. Und die 54% sind wahrscheinlich alle verheiratet.

Wozu passen mag: IPSOS hat 1.028 Frauen befragt. Ergebnis: Weniger als ein Prozent der Befragten wünschen sich einen Mann, der am heimischen Herd die Kinder betreut, während die Frau das Geld verdient. Der Traumprinz der deutschen Frauen sei übrigens groß, dunkelhaarig, muskulös und naturverbunden. (Ich bin leider nur naturverbunden; also gut, ja, es gibt Bessere als mich – aber nicht allzu viele).

Treue und Verläßlichkeit liegen ebenfalls ganz vorne, wie bei den alten Germanen. Womit die Damen selbst aber nicht durchweg aufwarteten, sonst wäre das Avunkulat nicht eingeführt worden; bei selbigem übernimmt der Oheim den Vaterpart, da man in Ermangelung von Gentests, andererseits des Vorhandenseins vieler Büsche, nicht sicher sein konnte, wer der leibliche Vater, wohl aber, wer die Mutter und deren Bruder waren.

Tja, wir Männer haben es nicht mehr leicht. Um so beglückender, daß es seit 1999 den „Internationalen Männertag“ gibt, wie mein upgedatetes Smartphone zu meiner Verblüffung preisgab. Er wurde auf Trinidad und Tobago eingeführt und wird am 19. November heiß gefeiert. Dann haben die da unten vor Südamerika nämlich bis zu 34 Grad.

Wie ich in Wikipedia erstöbere, wird dieser „Internationale Männertag“ inzwischen fast erdumspannend begangen, bloß – guck dir das wieder an – in Deutschland nicht. Die Alternativen haben jedenfalls noch zu keiner Glitzer-Parade aufgerufen. Und Zeit online wußte scheint’s noch zehn Jahre danach nichts von diesem beispielgebenden Festtag, denn man schrieb entweder ahnungslos oder kryptisch: „Noch besser wäre allerdings ein Internationaler Männertag, der dazu dienen sollte, daß sich Männer Teile der weiblich dominierten Gesellschaftsbereiche erobern.“ Meint man rückerobern oder soll ich Jenny ablösen?

Noch besser: Im Namen der hehren UNESCO sprach eine Dame namens Ingeborg Breines über den „Internationalen Männertag“: er sei eine großartige Idee, die zu mehr Gleichgewicht der Geschlechter führen würde.“ Es soll sogar darum gehen, „männliche Vorbilder hervorzuheben“. Hört, hört, Ihr weichgespülten teutschen Männer!

Oder handelt es sich bei all dem wieder um Fake News? Da muß man „mal genauer hinschauen“, wie unsere Politiker/-innen neuerdings bei jeder Gelegenheit herumposaunen. Sollen sie bloß aufpassen, daß wir Wähler/-innen nicht mal genauer hinschauen, was?

Nun lese ich noch mein Tages-Hokuskop – in der GITTE ist es sicher nur für Frauen, aber heute wird ja alles gezwittert: „Auch für die Anliegen anderer sind Sie offen und begegnen ihnen mit einer menschlichen und warmen Herzlichkeit.“

Das stimmt nicht. Ich bin vielmehr übler Laune, wie Sie oberhalb schon erspürt haben mögen. Seit Tagen leide ich unter einer Hitzewelle, die sich an die 40 Grad herantastet und dreist in mein Leben eingreift. Selbst mein Büro wird zum Glutofen: 27,1 Grad am PC. Une chaleur torride, wie die Franzosen sagen. Wie soll ich da einen vernünftigen Satz „zu Papier“ bringen.

Gestern abend ist mir die Maus zu Boden geplumpst, da liegt sie immer noch. Ich kann mich nicht überwinden, sie aufzuheben. Nein.

Als die Postbotin läutet, öffne ich ihr nicht. Ich hätte dazu an mir herunterschauen müssen, ob ich schon eine Hose anhabe. Das ist mir zu aufwendig.

Eine solche Hitze gab es hier noch niemals. Bernie von nebenan widerspricht, es habe sie sehr wohl schon gegeben, mit exakt der gleichen Luftfeuchtigkeit sogar. Allerdings in Santa Ana del Yacuma am Amazonasbecken, wie er kleinlaut einräumt.

Hitze befeuere unsere Rachegelüste, haben Forscher der Duke University’s Fuqua School of Business von North Carolina herausgefunden. Ein Team analysierte dazu sage und schreibe 57.000 Baseballspiele. Die müssen üppig Zeit haben, denn das dauert, wenn man es ordentlich macht, etwa 20 Jahre. Dabei stellten sie fest, daß Rachegelüste mit der Temperatur ansteigen. Für solch einen Quatsch wird also Steuergeld verfeuert.

Bei ihrem Landsmann Raymond Chandler hätten sie es schon Jahrzehnte zuvor nachschlagen können, denn er machte uns in „Blutiger Wind“ mit der Lage in Kalifornien bekannt: „Es blies ein Wüstenwind an diesem Abend. Einer jener heißen, trockenen Santa Anas, die von den Gebirgspässen herunterkommen. An Abenden wie diesen endet jede Saufrunde mit einer Keilerei. Sanftmütige Hausfrauen tasten prüfend über die Schneide des Tranchiermessers und studieren die Hälse ihrer Männer.“ Danach geschehen zwei Morde und ein Mordversuch.

Wie wir sehen, macht uns Hitze widersinnigerweise matt und giftig zugleich. Daher ende ich für heute lieber mal. Offen gestanden weiß ich auch gar nicht mehr, über was ich heute schreiben wollte. Es muß an der Hitze liegen, sie dörrt das Gehirn aus.

Im Friseur-Salon läuft jetzt übrigens gerade noch Dalidas: „Am Tag, als der Regen kam. Lang ersehnt, heiß erfleht. Auf die glühenden Felder. Auf die durstigen Wälder. Da erwachten die Träume, da kamst du.“

Der „Tag des Regens“ wird jährlich am 29. Juli begangen. Für alles gibt es ja jetzt einen Tag. Nehmen wir nur mal an, Ihnen gefiele das Dekolleté von Friseuse Jenny. Schalten Sie Ihr Smartphone ein, kurz geguckelt und schon haben sie den National Cleavage Day aufgespürt: „Tag des Ausschnitts“. Gesponsert von den pfiffigen Wonderbra-Leuten.

Für so viel Mumpitz wie sie sog. Feiertage erfunden haben, reicht ein Kalenderjahr gar nicht mehr aus. Also ist es zu Vielfachbelegungen gekommen. Wobei die US-Amerikaner nicht nur mit den meisten Tagen aufwarten, sondern auch mit den idiotischsten.

Immerhin: Am 3. August ist „Internationaler Tag des Bieres“. Ärgerlicherweise haben sie auf das gleiche Datum aber den „Wisch-den-Fußboden-Tag“ gewuchtet, statt uns Männer endlich mal in aller Bierruhe genießen zu lassen.

Noch zwei Ehrentage gefällig? Am 27. Mai ist „Welttag des Purzelbaums“, zu dem ich selbst nur mehr ungern beitragen möchte. Am 28. September ist Pilzesammeln angesagt, denn auf uns wartet der „Europäische Pilztag“ – God bless you.

Apropos „durstig“ und „Träume“. Ein Pilsken kredenze ich mir gewöhnlich erst nach dem Sport. Vielleicht genügt es ja heute, wenn ich bloß die Maus aufhebe. Ich werde das mal wohlwollend erwägen. Zusagen möchte ich es nicht.

Jenny lächelt betörend. Dabei ledert sie gerade ihr Rasiermesser am Abziehriemen ab. Sie war heute etwas in sich gekehrt …

Eingedenk Chandler rette ich mich lieber mit einem satten Trinkgeld hinaus. Man weiß ja nie bei dieser Hitze.

 

 

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