Wir haben das Ende der Experimentalphysik noch lange nicht erreicht. Rolf-Dieter Heuer

Schlaaand ist so süüüß

Pokal hin oder her – die Deutsche Nationalmannschaft hat gewonnen. Und Deutschland erst recht. Herzen haben sie gewonnen, das Team und sein Land, die Herzen der Welt! Mit dem Spiel gegen England kassierten sie die eine Hälfte, mit dem gegen Argentinien die andere.

Hach, was sind sie alle, aber auch wirklich alle, verknallt in die jüngste Mannschaft des Turniers – in den Poldi, den Schweini und den Jogi. Die Engländer schwärmen von den “boys”, die ihre “men” ganz schön alt aussehen ließen, Frankreichs Zeitungen stöhnseufzen verzückt “La Mannschaft”, während sie L’Équipe lieber unbeschrieben lassen, und ein südafrikanisches Blatt bejubelte die tollen “Wunderkinder”, die unter dem Bundesadler kicken. Und alle so: Schland!

Alle finden Schland ganz zauberhaft

Aber seien wir mal ehrlich: Eigentlich hat die allgemeine Verliebtheit in Deutschland ja schon vor zwei Monaten begonnen. Sie erinnern sich, dieser schwedische Moderator? “I heart you”, hat er gesagt. Wissen Sie noch? Beim Grand Prix d’Eurovision! Germany: 12 Points. Von Dänemark, Finnland, Estland, der Schweiz und, und, und. Alle lieben Lena, unsere Lena. Und damit lieben sie auch uns. Ja, wirklich: Alle finden uns, Schland, irgendwie ganz zauberhaft.

Das liebeswerte, junge Deutschland; es könnte gerade so weiter gehen: Jetzt haben wir auch noch Bettina, die jüngste First Lady ever. Und die Bettina hat – hallo, wie liebenswert! – ein Tribal-Tattoo auf dem Oberarm.

Womit wir nun endlich beim eigentlichen Thema wären. Unter uns: Ein solches Tattoo ist weder tough noch verrucht. Es ist weder mit dem ernstzunehmend hart trainierten Bizeps einer Michelle Obama zu vergleichen, noch mit den Gesängen einer düster-polygamen Vergangenheit, die die französische Première Dame schnurrt. Ein Tribal-Tattoo am Oberarm ist vielleicht ganz süß – vielleicht aber auch ein bisschen lächerlich.

Ähnliches gilt, mit Verlaub, für Lena. Lena hat nicht mal einen Nachnamen. Wie viel Anspruch auf als-Künstlerin-erstgenommen-werden kann jemand ohne Nachnamen erheben? Vermutlich will Lena auch gar nicht so furchtbar ernst genommen werden, so wie sie singt – bisweilen knapp daneben – und so wie sie tanzt – ein bisschen tapsig, stoffelig irgendwie. Nein: Lena will einfach nur süß sein. So süß! Und das klappt.
Hinreißend, betörend, glamourös und zum-stolz-drauf-sein aber geht anders.

Schland ist wie DAS Merkel

Das Süßeste überhaupt ist SCHLAND an sich. Dieses Wort, “Schlaaand” mit Tripel-A mindestens, geht so schön schmelzig ins Ohr und macht automatisch schmunzelnd. Schlaaand ist echt süüüß. Mehr aber auch nicht.

Schland ist wie DAS Merkel, Maskottchen der Nationalmannschaft, das auf der Tribüne steht und hüpft und winkt. Ach, was ist das Fußballmerkel süß, wenn es die Fäustchen ballt und jubelt: “Schlaaand!” Süß wie der Jogi-Bär und die Nutella-Mannschaft. Herr-lich sü-hüß.

Nun ist “süß” zwar nicht unbedingt gleichbedeutend mit “Scheiße”, aber süß ist schon ziemlich nah an lächerlich. Männer, mal ehrlich: Keiner will von einer Frau “süß” gefunden werden. Das heißt doch nur, dass sie einen nicht ernst nimmt.

Darum ist es nun auch nicht der allergrößte Grund zur Freude, dass unsere europäischen Nachbarn uns, das Lena-Schland, jetzt “hearten” und süß finden. Es ist besser als früher, da sie DEUTschland gefürchtet, gehasst und als Spaßbremse abgestempelt haben – keine Frage. Aber für die nächste WM haben wir noch einiges vor: Dann machen wir Schland cool. Und sexy. Und stark. Ach ja: Und Meister machen wir Deutschland dann auch.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Oliver Scheiner, Cécile Calla, Ben Segenreich.

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Kolumne

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von Alexander Kissler
30.03.2010
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