Das Licht ist aus, wir geh’n nach Haus

Nils Pickert24.09.2013Innenpolitik

Die FDP ist politisch implodiert und Spott und Häme werden über den Liberalen ausgeschüttet. Zu Recht. Doch woher kommt der Hass eigentlich?

Bumm! Von 93 Bundestagsabgeordneten auf null in vier Jahren. Die FDP ist politisch implodiert und hat jetzt genau den Schaden, bei dem sie selbst für den Spott überhaupt nicht zu sorgen braucht. Das werden andere für sie übernehmen.

Es steht ja auch reichlich Material zur Verfügung, das die FDP zu großen Teilen selbst produziert hat. Schon 2010 hat der fiktive Kommentator der „Heute-Show“, Gernot Hassknecht, diesbezüglich fast alles über die FDP zusammengefasst, was man für die hinter uns liegende Legislaturperiode wissen musste: “„… und ihr kümmert euch den ganzen Tag um reiche Erben und die gottverdammten Hotelbesitzer. Dafür kommt ihr alle in die Hölle!“()”:http://www.youtube.com/watch?v=L7oLG_VgQNo

Nun ist es also tatsächlich die außerparlamentarische Hölle geworden, weil sich kaum jemand von den Wählerinnen und Wählern der FDP erbarmen wollte. Denn ein Erbarmen wäre es infolge der unsäglichen Zweitstimmenbettelei, der nahezu vollständigen Themenlosigkeit und der Peinlichkeit, ein rot-rot-grünes Schreckgespenst ohne jeden Bezug zur Realität an die deutsche Wand zu malen, gewesen. Das kann, nein das darf für eine demokratische Partei nicht genug sein.

Die FDP verdient Spott und Häme

In der Politik werden keine Trostlutscher in Form von Zweitstimmen vergeben und wer eben jene haben will, der muss schon nicht mehr ganz bei Trost sein, um mit Blick auf das neue Wahlgesetz den Koalitionspartner um welche anzuhauen. “Die FDP hat genau das Kasperletheater betrieben, das sie den politischen Gegnern so gerne vorgeworfen hat zu spielen()”:http://www.welt.de/newsticker/news3/article108491352/FDP-Gabriel-spielt-politisches-Kasperletheater.html.

Dafür verdient die FDP Spott und Häme. Vielleicht nicht gerade so viel, wie in den nächsten Tagen und Wochen über sie ausgegossen werden wird, aber auf jeden Fall reichlich. “Es werden wohl virtuelle Grabsteine errichtet werden()”:http://www.theeuropean.de/alexander-wallasch/7451-ergebnis-der-bundestagswahl-2013 (1949 – 2013) und man wird viele “bitterböse Vergleiche zur Wirtschaft()”:https://twitter.com/rm_marchy/status/382073058875695104 ziehen (Immobilienblase, geordnete Abwicklung, die FDP tritt aus der Politikzone aus, Rainer Brüderle soll sich einen neuen Job suchen – flexibles Renteneintrittsalter und so etc.). Selbst diejenigen, die auf ein Nachtreten verzichten, werden das damit begründen, keine Leichen fleddern zu wollen und sich nicht an Schwächeren vergreifen zu mögen. Überhaupt: Außerparlamentarische Parteien haut man nicht. Na ja und so weiter.

Die inhaltliche Entleerung, welche die FDP selbst betrieben hat, wird ihren Widerhall darin finden, dass kaum einer noch über diese Partei als eigenständiges Subjekt sprechen wird, sondern nur noch in Vergleichen: Wie die Titanic, nur als Schlauchbootvariante! Wie die Salatbleilage zum christdemokratischen Hauptgericht – schmeckt sowieso keinem und wird liegengelassen.

Die Liberalen haben schon immer polarisiert

Das alles wird bis zu einem gewissen Punkt ganz erheiternd sein, allerdings verkennt es zwei Dinge: Erstens ist die FDP eine demokratische Partei, die sich um die Geschichte dieses Landes verdient gemacht hat. So sehr man sich auch selbst auf der anderen Seite des politischen Spektrums verorten mag: Der ernst gemeinten Forderung nach Abschaffung, Auflösung und dergleichen mehr haftet stets ein dümmlicher Stammtischcharakter an.

Und zweitens hat die FDP schon immer polarisiert. War für viele seit jeher uncool, peinlich und hassenswert. Nicht erst seit vier Jahren und schon gar nicht erst seit gestern. Das Aufkündigen der sozialliberalen Koalition durch die FDP 1982 hat es beispielsweise schon vor Jahrzehnten unter dem Begriff “„Genschern“()”:http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelkopf-Sonderregeln#Genschern in ein Kartenspiel geschafft.

Um die Jahrtausendwende haben ein paar ganz Pfiffige versucht, “die schwächelnde Berliner FDP zu unterwandern und nach ihren Wünschen umzugestalten()”:http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/fdp-unterwanderung-sponti-studenten-machen-karriere-a-150985.html. “Dem Liedermacher Funny van Dannen war 2003 peinlich()”:http://www.youtube.com/watch?v=YCyva9ahkBQ, dass Guido Westerwelle bei ihm übernachtet hat. Und die Blockflöte des Todes hat 2011 die ultimative Hymne für alle FDP-Verächter geschaffen: “„Ich hab nie die FDP gewählt!“()”:http://www.youtube.com/watch?v=gpWeTlNfgPg

Woran liegt’s? Um es kurz zu machen: Für viele verkörpert die FDP den besserwisserischen Schwätzer, der austeilen aber überhaupt nicht einstecken kann. “Der breit grinsend seine hässlichen Schuhe zeigt()”:http://ais.badische-zeitung.de/piece/00/ae/98/4d/11442253.jpg, sich für nichts zu schade ist, aber bei allen anderen sofort Zeter und Mordio schreit, wenn sie auch nur den Anschein erwecken, sich anbiedern zu wollen. Der andere als Schluffies und Kiffer verachtet, “selber einen durchzieht()”:http://www.rp-online.de/politik/deutschland/fdp-politiker-verteidigt-kiffen-im-tv-1.3045125 und für Beleidigungen gerügt werden muss, “die er sich selbst aufs Schärfste verbitten würde()”:http://www.merkur-online.de/aktuelles/politik/fdp-politiker-erhaelt-ruege-gysi-beleidigung-727199.html.

Ein dreifaches Hurra dem freien Markt

Die FDP ist (beziehungsweise war auf Bundesebene) der Wandzeitungsagitator des Kapitalismus. Egal wie hirnrissig, egal in welcher Krise: Einfach mal mehr Kapitalismus wagen. Ein dreifaches Hurra dem freien Markt und immer, wirklich immer behaupten, man verstünde etwas von Wirtschaft. Dabei ist noch nicht einmal klar, ob die FDP wenigstens den “Zusammenhang zwischen Schulden und Guthaben(Link)”:http://www.youtube.com/watch?v=gawRwbZ8yS4 verstanden hat.

Vor diesem Hintergrund wird die Partei sich neu ordnen und endlich eine Antwort auf die Frage, vor der sie sich seit Jahren drückt, finden müssen: Warum sollte man, gesetzt den Fall man begeistert sich für liberale Ideen, ausgerechnet die FDP wählen?! Weil weiter so, weil gut gemacht und weil Merkel reicht ja glücklicherweise offensichtlich nicht mehr. Damit ist bis auf Weiteres Schluss.

Oder um den FDP-Politiker und ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel zu zitieren: “„Möchte so gern noch bleiben, aber der Wagen, der rollt.“()”:http://www.youtube.com/watch?v=YGlO961zcF4

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