Akif, sein Penis und Ich

Nils Pickert12.06.2013Gesellschaft & Kultur

Warum Feminismus manchmal anstrengend ist, aber Maskulinismus immer um so viel beschissener.

Wenn ich ein Maskulinist wäre, müsste ich Ihnen und mir an dieser Stelle umgehend versichern, nicht schwul zu sein, weil ich andernfalls nicht darüber schreiben könnte, was die Phallusphantasmagorien des Kollegen “Akif Pirinçci”:http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ich_trage_einen_grossen_penis mit mir und mit Feminismus zu tun haben. So macht Mann das nämlich. Selbst wenn Mann sich nur aufgrund ähnlicher Weltanschauungstotalausfällen in den Armen liegt, muss klargestellt werden, dass das auf gar keinen Fall damit zu tun haben könnte, “irgendwie schwul zu sein”:http://www.das-maennermagazin.com/blog/rene-kuhn-leutnant-dino-und-der-antifeminismus.

Aber da ich kein Maskulinist bin, habe ich andere Sorgen. Feministische Sorgen. Schwer zu erklären, aber ich versuche es trotzdem.

Feminismus als Reise nach Jerusalem

Als feministischer Mann macht man sich immer verdächtig. Den eigenen, maskulinistisch bewegten Geschlechtsgenossen gilt man als politisch korrekter Verräter, beziehungsweise “Lila Pudel”:http://www.wikimannia.org/Lila_Pudel und Feministinnen fragen sich vollkommen zu Recht, was von so einem Typen zu erwarten ist und worauf er es eigentlich abgesehen hat. Gerade wenn Mann zu diesem Gebiet auch noch journalistisch arbeitet, ist doppelt Vorsicht geboten. Denn Feminismus stellt ja nicht zuletzt das Bemühen dar, Frauen zu ermächtigen und ihnen Raum zu geben, um ihre Stimmen zu erheben.

Räume müssen dazu sowohl erobert als auch exklusiv geschaffen werden. Die Tatsache, dass ich mich als Mann in diese Räume schreibe, in denen es mir wie allen anderen darum geht, Frauen endlich auch einmal zu Wort kommen zu lassen, stellt einen eklatanten Widerspruch zu dem Umstand dar, dass immer da, wo ich gerade veröffentlicht werde, eine Frau es nicht wird. Und da die Kapazitäten für feministische Wortmeldungen im Journalismus ausgesprochen begrenzt sind, gleicht das Ganze dem Spiel Reise nach Jerusalem: Alle laufen im Kreis und rufen „Mehr Platz für Frauen!“, die Musik setzt aus, ich ergattere einen Stuhl und kann mich setzen, während eine Frau stehen bleibt und damit raus aus dem Spiel ist. Klingt nicht wirklich gut.

Auch deshalb muss Mann sich die Frage gefallen lassen, wie ernst solche Aussagen gemeint sind. Es könnten ja Lippenbekenntnisse sein, die Mann sich lediglich zur Spielteilnahme abringt. Feminismus also als lohnendes Alleinstellungsmerkmal für männliche Journalisten, die sich damit von ihren Kollegen abgrenzen wollen, um eine Art Wiedererkennungsmehrwert in einer Branche zu schaffen, in der Beliebigkeit beinahe zwangsläufig ins berufliche Aus führen muss.

Und selbst wenn Mann es ernst meinen sollte, ist Feminismus nicht auf eine männliche Perspektive angewiesen, sondern findet sie bestenfalls nützlich. Frauen brauchen keinen Mann, der ihnen erklärt, wie Feminismus funktioniert. Männlich sein macht mich nicht zu einem besseren Feministen. Es mag mir zu einer anderen Perspektive verhelfen, aber auch nur in dem Maße, wie mir weibliche Gesichtspunkte fehlen. Darum tun Feministinnen gut daran, vorsichtig und wachsam zu bleiben. Trotzdem gibt es gute Gründe, für die Möglichkeit von männlichen Feministen zumindest offen zu bleiben. Zum einen weil es sich bei den Maskulinisten bezeichnenderweise genau umgekehrt verhält.

Die Aussagen der Männer nutzen

Die haben nicht erst seit Esther Vilar ein Kronzeuginnenprogramm installiert, mit dem sie den Status quo von Frauen verteidigen lassen, die sich immer wieder in Variationen dazu äußern, warum bestehende Herrschaftsverhältnisse gut sind oder auf einen früheren Zeitpunkt zurückgestellt werden müssten. Gerade in den sich ständig wiederholenden Backlashs wäre es daher vielleicht ganz nützlich, wenn sich der Feminismus argumentativ auch mit Aussagen von Männern munitioniert.

Zum anderen wegen Akif Pirinçcis Penis. Männer, die über den vorgeblich „von der Political Correctness dressierten und entmündigten Mann“ Dinge schreiben wie:

bq. „Er darf sein neugeborenes Kind in einem Schal um den Bauch tragen, für seine Angebetete ‚gut kochen‘, im Kreißsaal dabei zusehen, wie der Quell seiner Freude sich in eine abstoßende Wunde verwandelt, so dass er diesen Eindruck nicht mehr aus dem Kopf wird kriegen können, und sogar lauthals das Recht auf Abtreibung beklatschen, also sich mit lauter unmännlicher Scheiße schmücken und sein männliches Ich bis zu seelischer Selbstentleibung verleugnen, und gilt dann als wahrer guter Angehöriger seines Geschlechts. Niemals aber darf er das von schwachköpfigen und in der Regel abgrundtief hässlichen Steuergeldschmarotzerinnen, sprich von irgendwelchen Frauenbeauftragten, Politikerinnen und Emanzen- und Genderziegen festgezurrte Korsett des Memmen sprengen und einfach mal so sein steifes Ding hervor zeigen, auch im übertragenen Sinne nicht“

sind von Frauen nicht mehr zu erreichen und brauchen anscheinend Männergespräche, phallische Verbundenheit oder sonst irgendwas in der Richtung. In diesem Sinne:

Lieber Akif,

mach dir keine Sorgen. Da ich, wie eingangs beschrieben, nicht darauf angewiesen bin, mich meiner Heterosexualität ständig selbst zu vergewissern, kann ich dir versichern, dass dein Penis bei mir in guten Händen ist. Vielleicht schaust du mal vorbei, ich koch auch gut für dich (hat mir mein Vater beigebracht). Wir könnten über alles reden.

Darüber, was es heißt, Verantwortung für die eigenen Kinder zu übernehmen. Oder darüber, warum nur die letzten Waschlappen sich mit Freunden entspannt über die Gewaltorgien des letzten Tarantinofilms unterhalten, aber rumjammern und ihren Arsch nicht hochkriegen, wenn es darum geht, ihrer Partnerin beizustehen, wenn sie ihr gemeinsames Kind in die Welt presst. Und darüber, dass die wahren Schlappschwänze immer die sind, die nicht aufhören können, sich zwanghaft mit ihrem eigenen Gemächt zu beschäftigen. Da setzt man sich als erwachsener Mann schon mal Hohn und Spott aus, wenn man seinen infantilen Genitalbezug so offensichtlich nicht überwinden kann. Was sollen Frauen dazu auch schon sagen: Das machst du aber ganz fein, mein Kleiner? Eher nicht.

Aber wir kriegen das schon wieder hin. Alles zu seiner Zeit und ganz gemäch(t)lich.

Mit pudelwohlen Grüßen
Nils

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