Die Linke ist gespalten – ein Neuanfang muss her!

von Nils Heisterhagen6.07.2016Europa

Der Brexit ist nicht nur ein Erdbeben für die EU, sondern ist auch ein Einschnitt für die kosmopolitische Linke. Die muss sich nun neu erfinden. Es ist höchste Zeit!

Der Brexit ist ein Einschnitt. Ein Einschnitt für die Welt, für Europa, für die Briten, aber auch für die kosmopolitische Linke. Diese kosmopolitische Linke ist zurzeit im Klagemodus: Sie hadert und sie prangert an. Aber sie kommt vom Klagen nicht ins Handeln. Sie scheint ermüdet, sich gegen die Ungerechtigkeiten in dieser Welt ernsthaft zu erheben.

Karl Marx und die Veränderung

Statt diese Veränderung der Welt in die Hand zu nehmen, redet die Linke eher über sie. Karl Marx würde sich schämen. In seiner 11. Feuerbachthese hat er doch schließlich deutlich gemacht, dass es darauf ankommt, die Welt zu verändern.

Doch weiter muss die Welt auf eine Finanztransaktionssteuer warten. Weiter ist globale Steuerflucht sehr lohnenswert und einfach möglich. Weiter ist das internationale Bankensystem ziemlich dereguliert. Weiter pumpen die Notenbanken billiges Geld in den Finanzmarkt und lassen die Finanzwirtschaft so weiter rasant wachsen, sodass diese Finanzwirtschaft sich immer weiter von der Realwirtschaft abkoppelt. Weiter sterben Menschen in dieser Welt an Hunger und fehlendem Zugang zu Gesundheitsversorgung. Weiter sind viele Menschen vom Zugang zu Bildung ausgeschlossen. Weiter sind selbst in den Industrienationen die Chancen auf Bildungserfolg extrem von der Herkunft abhängig. Weiter steigt auch die ökonomische Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen rasant. Weiter erwärmt sich das Klima rasant. Die kosmopolitische Linke hatte vielleicht nie mehr zu tun als heute. Aber sie scheint zurzeit nicht in der Lage zum Handeln.

Die Linken lenken von eigenen Schwächen ab

Stattdessen moralisiert diese kosmopolitische Linke. Sie wittert bei jedem, der von dem Pfad der Internationalisierung abzukehren scheint, den Verrat. Sie stemmt sich zwar vollkommen zu Recht gegen die Autoritären von rechts, die eine unzumutbare Renationalisierungsstrategie verfolgen und von einer erschütternden Irrationalität getrieben sind. Aber die kosmopolitische Linke übersieht dabei, dass sie auch von ihrer eigenen Schwäche abzulenken versucht.

Anstatt ihre Handlungsschwäche selbst zu erkennen und durch Kritik an sich selbst zu neuer Stärke zu finden, stempelt sie Zweifler aus den eigenen Reihen ab. Sie stempelt sie ab, in dem sie die Zweifler bezichtigt, den Wert der doch lange gemeinsam verfolgten kosmopolitischen Strategie der linken Internationalisierung verworfen zu haben – obwohl doch Zweifel noch lange nicht Abkehr bedeuten. In dem sie nun aber eindimensional moralisiert, grenzt sie auch aus. Und treibt so viele Linke in die Hände derer, die klare Antworten zu haben scheinen – auch wenn es die falschen Antworten sind.

Die Linken verlieren Wähler an die Rechtspopulisten

Die kosmopolitische Linke – egal aus welcher Partei nun im Einzelnen – verliert so Wähler an die Rechtspopulisten, weil sie einfach nicht vermittelt bekommt, dass sie die Welt noch verändern kann. Und ob sie die Welt überhaupt noch verändern will, selbst das ist dem Beobachter auch nicht so klar. Und so ergibt sich, dass viele Bürger – und besonders viele enttäuschte Linke – denen auf den Leim gehen, die noch weniger Antworten haben als alle anderen, aber so laut schreien und poltern, dass das nicht wirklich auffällt.

Auch wenn man nach dem Brexit nun auf mehr Einsicht hoffen darf, ist doch die Erkenntnis für die Linken höchst nötig, dass sie gerade im Begriff sind, einen strukturellen Wählerabgang zu den Vereinfachern und Antwortgebern der nationalen Avantgarde zu erleiden.

Bezeichnend für diese Entwicklung und das Entstehen einer neuen Heimat für ehemals viele Linke ist die

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