Großbritanniens bevorstehender EU-Austritt | The European

Ich will mein Land zurück

Nigel Farage5.05.2015Europa, Politik, Wirtschaft

Wenn wir statt Klein- wieder Großbritannien sein wollen, müssen wir die EU verlassen.

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Immer wenn ich im Europa-Parlament sitze, muss ich Leuten zuhören, die die EU für einen Erfolg halten. Dabei bin ich mir nicht einmal sicher, ob sie überhaupt selbst glauben, was sie da behaupten. So geht es mir auch, wenn ich den früheren britischen Premierminister John Major sagen höre, Großbritannien sei innerhalb der EU besser aufgehoben als außerhalb. Er ist intelligent – glaubt er das also wirklich?

Natürlich, Major lebt mit der Schande, den Vertrag von Maastricht unterzeichnet zu haben. Erst unterschreibt er und dann fragt er seine Beamten, welchen Dingen er da eigentlich zugestimmt hat. Natürlich muss er deshalb heute an die EU glauben. Andernfalls wäre er nämlich gezwungen, zuzugeben, mit seiner Unterschrift ein Monster erschaffen zu haben. Ein Monster namens Euro, das die Wirtschaft der europäischen Mittelmeeranrainer vernichtet und Deutschland – mal wieder – großen Einfluss auf die Geschicke des Kontinents sichert.

Major hat überhaupt so vielem zugestimmt, was heute eine Bürde für unser Königreich und die gesamte EU ist. Dafür sollte er sich schämen. Dennoch dürfen wir nicht überrascht sein, dass er heute noch immer Überzeugungstäter ist. Tatsächlich wäre Großbritannien ohne diese Union des wirtschaftlichen Versagens, der Massenarbeitslosigkeit und des niedrigen Wachstums besser dran. Wenn unser Land geht – und das ist keine Frage des „ob“, sondern des „wann“ –, wird es nicht länger Klein- sondern wieder Großbritannien sein. Dann können wir uns der Welt wieder öffnen und zum Gegenentwurf der geschlossenen EU werden.

Arthritischer Handelsblock

Ein unabhängiges Großbritannien könnte im eigenen Interesse agieren und Handelsverträge mit Ländern abschließen, deren Wirtschaft um sechs, sieben oder zehn Prozent im Jahr wächst. Wir wären nicht länger an einen arthritischen Handelsblock gebunden, in dem schon zwei oder drei Prozent Wachstum als Herausforderung gelten. Stattdessen würden wir neue Allianzen mit den dynamischen Wirtschaften des britischen Commonwealth schließen: Kanada, Australien, Indien und Singapur. Natürlich handeln wir dann weiterhin mit allen europäischen Ländern. Eine EU-Mitgliedschaft ist für den Zugang zu Europa aber nicht nötig. Fragen Sie doch mal Norwegen. Oder die Schweiz. Oder die USA. Die importieren mehr in die EU als wir. Ebenso China.

Wir wollen in einem Europa demokratischer Länder leben, arbeiten und handeln. Aber das ist nicht das, was der Elite der EU vorschwebt. Denn die nicht gewählte Kommission hat die Institutionen Europas übernommen, indem sie eine Flagge, eine Hymne und einen Präsidenten einführte. Sie hat ein künstliches und undemokratisches Land namens Europa erschaffen, dessen einziger Erfolg ein wahnwitziges Projekt namens Euro ist, das Millionen von Menschen in die Armut stürzt. Wenn Großbritannien die Union verlässt, kann es sich auf sein Erbe stützen und wieder global handeln.

Die Unabhängigkeit würde uns außerdem riesige Mengen unseres eigenen Geldes zurückgeben – rund 55 Millionen Pfund am Tag. Für alle Leser, die in die deutsche Euro-Falle getappt sind: Wir reden hier von 72 Millionen Euro. Da kommt einiges zusammen. 20 Milliarden Pfund im Jahr, beziehungsweise 26 Milliarden Euro. Mit derart viel Geld könnten wir die Staatsverschuldung reduzieren. Wir könnten Unternehmenssteuern senken. Wir könnten die attraktivsten Wirtschaftsbedingungen der westlichen Welt schaffen. Indem wir für alle Jobs mit Mindestlohn die Einkommensteuer reduzieren, könnten wir die Menschen dazu bringen, wieder arbeiten zu gehen.

Die Schande von Maastricht

Ohne die EU bekämen wir unser Geld, unsere Grenzen und unser souveränes Parlament zurück – und unsere Fischgründe. Großbritannien bekäme auch wieder Sitze in den wichtigen internationalen Organisationen, etwa der WTO. Wir könnten wieder nach eigenem Gusto Verträge abschließen. Wir könnten Zölle für afrikanische Waren abschaffen und so mehr für die Länder dort tun, als es jetzt alle Entwicklungszusammenarbeit tut.

Politiker wie Major behaupten, es ginge nicht allein. Sie meinen, unser globaler Einfluss würde schwinden, weil wir klein sind. Doch sie irren: Wenn wir uns von der EU unterdrücken lassen, sind wir weiterhin gezwungen, stumm am Verhandlungstisch zu sitzen, während EU-Offizielle für 27 Länder verhandeln, aber nie für Großbritannien.

Und nur um den ganzen Schauergeschichten etwas entgegenzusetzen, werden ich Ihnen noch verraten, was sich nicht ändert wird: Die 10.000 LKWs, die täglich Waren nach Großbritannien schaffen, werden weiterhin kommen. Den 25 bis 35 Milliarden Pfund schweren Handelsüberschuss wird sich Europa weiterhin einverleiben. Die EU wird auch keinen Handelskrieg mit uns anzetteln. Überhaupt: Der Vertrag von Lissabon verpflichtet die EU, mit jedem Mitgliedsland, das die EU verlassen will, über Freihandel zu verhandeln.

Wenn Major behauptet, ein Großbritannien ohne EU verlöre seinen Einfluss, dann ist das schlicht falsch. Richtig ist: Wir bekommen unser Land zurück und öffnen eine Tür zur Welt. Wir werden die Schande von Major und seinem Maastricht-Vertrag vergessen machen.

_Übersetzung aus dem Englischen_

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