Die Gigabit-Gesellschaft

von Niek Jan van Damme28.02.2011Medien

Die Welt ist hungrig auf Breitband. Nicht nur Privathaushalte, auch Unternehmen sind auf das Netz angewiesen. Damit die Kosten von allen Anbietern getragen werden, brauchen wir neue Anreize fĂŒr diese Firmen.

Die Welt ist hungrig – nach Bandbreite. Immer neue Anwendungen im Internet lassen den Datenverkehr förmlich explodieren. Studien zufolge steigt das Datenvolumen bis 2013 um das FĂŒnffache, im Mobilfunk sogar um das 60-Fache. Dieser rasante Anstieg ist nur durch den schnellen Ausbau intelligenter und leistungsstarker Breitbandnetze aufzufangen. Eine Reihe von LĂ€ndern treibt den Ausbau schneller Telekommunikationsnetze massiv voran, etwa Japan, SĂŒdkorea oder die USA. Die Verantwortlichen dort wissen: Eine flĂ€chendeckende Breitbandinfrastruktur ist ein SchlĂŒsselfaktor fĂŒr die AttraktivitĂ€t des Wirtschaftsstandortes. Innovationskraft, ProduktivitĂ€t, Wachstum und BeschĂ€ftigung sind eng mit der Breitbandversorgung verknĂŒpft. Deutschland steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Wir sind auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft. Neben die Informationssuche, Shopping und den Austausch in sozialen Netzwerken treten neue Anwendungen: Telemedizin, elektronische BehördengĂ€nge oder die intelligente Steuerung von Stromnetzen sind nur einige Beispiele. DafĂŒr benötigen die Menschen ĂŒberall schnelle Internetverbindungen – sowohl im Festnetz als auch mobil.

Die Gigabit-Gesellschaft im Fokus

Die Telekom hat den Bau von Netzen und Prozessen fĂŒr die Gigabit-Gesellschaft in den Fokus ihrer Strategie gestellt: Von 2010 bis 2012 investiert der Konzern in Deutschland rund zehn Milliarden Euro in Glasfasernetze, neue Mobilfunktechnologien und IT. Zwei konkrete Beispiele: ** Allein 2010 hat die Telekom mehr als 1.000 Orte in Deutschland neu an das Breitbandnetz angeschlossen. 2011 sollen rund 1.500 weitere Orte hinzukommen. ** Ebenfalls in diesem Jahr wird die Telekom den Glasfaserausbau vorantreiben. Bis zu 160.000 Haushalte in zehn deutschen StĂ€dten sollen bis Ende des Jahres direkt mit Glasfaser versorgt werden. Die nötigen Investitionen können aber nicht von einem Unternehmen alleine geschultert werden. Die Telekom kann mit einem Marktanteil von 50 Prozent nicht 100 Prozent des Netzes ausbauen. Experten schĂ€tzen, dass in Deutschland mindestens 40 Milliarden Euro in eine flĂ€chendeckende Breitbandinfrastruktur investiert werden mĂŒssen. Hier sind alle Wettbewerber gefragt, sich zu beteiligen. FĂŒr den Netzausbau braucht die Industrie allerdings die richtigen Rahmenbedingungen. Mit welcher Geschwindigkeit die Netze hierzulande weiter ausgebaut werden, hĂ€ngt maßgeblich von Gesetzgeber und Regulierer ab.

Neue Anreize notwendig

FĂŒr die anstehenden Milliardeninvestitionen sind neue Anreize und Investitionssicherheiten notwendig. Deutschland braucht eine moderne Regulierung. Bislang stand die Etablierung eines funktionierenden Wettbewerbs im Fokus, um niedrigere Preise fĂŒr Endkunden durchzusetzen. Dieses Ziel ist erreicht. Jetzt sind andere Schwerpunkte gefragt: Entscheidend ist dabei, dass die Unternehmen die Preise fĂŒr die Nutzung der neuen Glasfaserinfrastruktur frei aushandeln können. Neue Kooperationsmodelle zwischen den Betreibern mĂŒssen eine echte Risikoteilung erlauben. Zudem sollten die Telekommunikationsunternehmen auch die KabelkanĂ€le von anderen Branchen und die GebĂ€udenetze nutzen können. Durch Synergien lassen sich die Kosten fĂŒr den Netzausbau erheblich senken. Und schließlich braucht es offene und standardisierte NetzzugĂ€nge zu allen Glasfasernetzen, sonst drohen regionale Monopole zu Lasten der Verbraucher. Es besteht also Handlungsbedarf. Schließlich geht es um die Lebensadern unserer Informationsgesellschaft – und um eine bedeutende Weichenstellung fĂŒr die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland.

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