Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt. Mahatma Gandhi

Altruismus ist Gift

Corporate Social Responsibility hat Grenzen. Denn zum einen ist Altruismus marktwirtschaftliches Gift, zum anderen verlangt die Gesellschaft nach Profitdenken. An diesen Realitäten muss sich auch unser Gutmenschentum messen lassen.

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Corporate Social Responsibility ist ein prominenter und viel diskutierter Begriff mit positiver Bedeutung. CSR wird nicht selten als Allheilmittel verstanden, das geeignet ist, alle Probleme dieser Welt lösen zu können. Zweifellos ist die Diskussion um die Verantwortung von Unternehmen sinnvoll und notwendig. Allerdings gilt auch bei CSR der Ausspruch von Paracelsus: “Dosis sola venenum facit” – allein die Menge macht das Gift.

Heute wird an Unternehmen eine Menge an Forderungen im Namen von CSR gestellt: Sie sollen auf Arbeitsplatzverlagerungen und Entlassungen verzichten, lebensnotwendige Medikamente zum Selbstkostenpreis abgeben oder für das örtliche Kinderheim spenden. Es scheint, als wäre es am besten, wenn Unternehmen sich gänzlich selbstlos verhielten.

Muss Moral wehtun?

Es ist ein Problem der CSR-Diskussion, dass ihr vielfach unrealistische Erwartungen zugrunde liegen. Dies fängt bereits damit an, dass CSR oftmals mindestens implizit als Gegenentwurf zur Gewinnerzielung verstanden wird. Je selbstloser Unternehmen agieren, desto mehr Verantwortungsnahme wird unterstellt. Hierin spiegelt sich die Vorstellung wider, dass moralisch wünschenswertes Verhalten erst dann echt ist, wenn es mit Verzicht verbunden ist – ganz nach dem Motto: Moral muss wehtun.

Diese Vorstellung ist aus zwei Gründen problematisch. Unternehmen können es sich nicht leisten, im Namen von CSR pauschal auf Gewinne zu verzichten und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden. Altruistisches CSR ist eine Marktaustrittsstrategie. Entweder CSR lohnt sich für ein Unternehmen oder es hat keine Chance, in der Praxis zur Geltung zu kommen.

Die Gesellschaft fordert Profit

Bedeutender ist allerdings das zweite Argument: Es ist im gesellschaftlichen Interesse, dass sich Unternehmen gewinnorientiert verhalten. Das Gewinnstreben von Unternehmen steht unter geeigneten Spielregeln im Dienste der Gesellschaft. Ohne die Möglichkeit der Gewinnerzielung würden Unternehmen keine gesellschaftlich wertvollen Investitionen tätigen. Erst die Aussicht auf Gewinne gibt Unternehmen Anreize, Mitarbeiter zu beschäftigen, Güter zu produzieren oder in Forschung und Entwicklung zu investieren. Die pauschale Forderung, auf Gewinne zu verzichten, blockiert gesellschaftlich erwünschte Marktmechanismen.

Unternehmen werden, können und sollen nur dann Verantwortung übernehmen, wenn dies mit Gewinnerzielung vereinbar ist. Dies bedeutet nun nicht, dass jede Gewinnerzielung legitim ist. Es gibt eine Vielzahl an Formen unverantwortlicher Gewinnerzielung: etwa wenn Leistungen verkauft werden, die sich allein an Provisionen orientieren und nicht an Kundenbedürfnissen oder wenn an Sicherheitsstandards gespart wird, infolgedessen es zu Umweltkatastrophen kommt.

Allerdings sind derartige Formen der Gewinnerzielung nicht im wohlverstandenen Unternehmensinteresse, da hiermit Vermögenswerte wie Reputation, Integrität oder Vertrauenswürdigkeit zerstört werden. Insofern sollten Unternehmen ein vitales Eigeninteresse daran haben, bestimmte Gewinne nicht zu realisieren. Aber nicht aus Gründen des Verzichts, sondern weil dies eine Investition in die Bedingungen des langfristigen Erfolgs darstellt.

Abschließend seien zwei Voraussetzungen genannt, damit CSR gesellschaftlich wertvoll werden kann: Zum einen ist Gewinnerzielung nicht von vornherein zu problematisieren und zum anderen gilt es auch danach zu fragen, wo die Grenzen von CSR liegen. Immer dann, wenn diese Voraussetzungen vernachlässigt werden, droht CSR zum gesellschaftlichen Gift zu werden.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Karsten Kilian, Malte Wilkes, Guido Walter.

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