Brüste und Hintern oder Feingefühl und Verständnis?

von Nadine Kuhnigk12.12.2017Gesellschaft & Kultur, Medien

Sind es lange geschwungene Lippen und ein roter Kussmund, ein pralles Dekolleté und ein wohlgeformter Hintern? Bedeutet Weiblichkeit, so sexy auf High-Heels laufen zu können, dass sogar eine Frau einem hinterher schaut? Heißt es so attraktiv zu sein, dass einem kein Mann widerstehen kann und jede Frau sich Sorgen macht, ihr Mann könnte bei einem schwach werden?

Aufopfernde Ehefrau und Sexobjekt in einem

Laut Wikipedia bedeutet Weiblichkeit „kulturell und gesellschaftlich der Frau zugeschriebene Eigenschaften“. Wird wiederum diese Frage, also welche Eigenschaften typisch Frau sind, gegoogelt, fallen Begriffe wie „romantisch, abhängig, nachgiebig, bescheiden, empfindsam, selbstaufopfernd, herzlich“ und auf der anderen Seite Eigenschaften wie „sinnlich, verspielt, verführerisch“. Besonders heraus sticht, dass Attribute wie Stärke oder Willenskraft eindeutig nicht zu den oftmals aufgezählten Eigenschaften zählen. Im Gegenteil. Fast in jedem Artikel wird die Frau auf der einen Seite als sexuelles Objekt und auf der anderen Seite als treues, aufopferndes Wesen beschrieben, welches nur auf dieser Erde ist, um den Mann Rückendeckung zu bieten und für ihn da zu sein. Sind Frauen also nur weiblich, wenn sie sich in enge Kleider pressen, Lippenstift auftragen und den Mann kokett anlächeln und am besten noch dazu so tun, als wüssten sie gar nicht, worüber er redet und ein IQ von minus 100 haben? Denn wenn ja, dann bin ich offiziell unweiblich und nicht für diese Rolle gemacht.

Mogelpackung Push-Up-BH: Am besten Doppel-D

Natürlich sollte man bei der Aussage auch die kulturell unterschiedliche Bedeutung von Weiblichkeit mit einbeziehen. In verschiedenen Kulturen ist eine gewisse Körpermasse der Inbegriff von Weiblichkeit. In Europa wiederum geht der Trend eindeutig eher in Richtung Schlankheitswahn, auch wenn wir uns mittlerweile zum Glück wieder auf dem Weg in Richtung „gesündere Zukunft“ befinden. Schlanker Bauch, trainierter Hintern und am besten eine große Oberweite: Laut Playboy in Deutschland der „Inbegriff von Weiblichkeit“ für Männer. Tut mir Leid, dass ich diese Träume zerstören muss: Zumindest ein Großteil der schlanken Frauen hat keine große Oberweite, sondern bewegt sich statistisch gesehen zwischen Körbchengröße 75 A und 75 B.

Schönheitsideale „zwingen“ uns dann zu Push-Up-BHs, obwohl, sollte es zum Geschlechtsverkehr kommen, sowieso rauskommt, dass das Ganze eher eine Mogelpackung war. Werden alleine die Oktoberfestfotos verschiedenster junger Frauen mit anderen Fotos aus deren Alltag verglichen, fällt schnell ein Unterschied auf: Ich wette, dass zwischen diesen Bildern mindestens eine Körbchengröße liegt. Das ist keinesfalls eine Verurteilung, sondern nur eine Aufzählung der Tatsachen und unzähliger Shoppingtouren mit diversen Freundinnen.
Bringt der Begriff der Weiblichkeit also vor allem auch negative Folgen mit sich? Haben Frauen vielleicht so stark das Gefühl, diesem Ideal entsprechen zu müssen, dass wir zu körperverändernder Unterwäsche oder noch viel drastischer, Abführmitteln und Diätpillen, greifen, um diesem Bild entsprechen zu können? Und vor allem, ist die Aussage, als weiblich wahrgenommen zu werden, es wert, einem Schönheitsbild zu entsprechen, welches den eigenen, angeborenen genetischen Veranlagungen vielleicht gar nicht entspricht?

Zurück an den Herd!?

Neben dem äußerlichen Aspekt der Weiblichkeit wurde vor allem auch die Frau als unterwürfiges, dem Mann zur Seite gestelltes Wesen, dargestellt, die für sein Wohlergehen sorgt, herzlich und lieb ist. Im Zeitalter der Emanzipation, in dem Frauen wählen gehen und Führungspositionen ausfüllen, nehme ich solche Kommentare als primitiv und sexistisch war. Natürlich soll eine Frau ihren Partner unterstützen und genauso sollte sie ihn gut behandeln, für ihn da sein und sofern sie gerne kocht, gibt es keinen Grund, dies nicht zu tun. Genauso wichtig und gut ist meiner Meinung nach, zu Hause zu bleiben, solange die Kinder klein sind. Das bleibt aber jeder Frau selbst überlassen und ist eine individuelle Entscheidung. Genauso gut sollte auch jeder Mann sich exakt so seiner Frau gegenüber verhalten. Füreinander da zu sein, sich zu unterstützen und zu beschützen, sollte also keinesfalls die Definition von Weiblichkeit, sondern die eines anständigen Verhaltens sein.

Kann ich mein Weiblichkeitszertifikat abgeben?

Wenn Weiblichkeit also die Aussage bedeutet, sich absichtlich dümmer zu stellen, als man ist, oder so zu tun, als ob die Frau etwas nicht könnte, nur um den Mann in seiner Rolle als Mann zu bestärken? Dann möchte ich nicht weiblich sein. Nach diesen Eigenschaften bin ich das schlichte Gegenteil von Weiblichkeit und trotzdem gibt es Tage, an denen ich mich weiblich fühle. Vielleicht in einem engen Kleid, vielleicht auch in einer Jeans, aber ganz sicher nicht als eine Frau, die einem Mann nach dem Mund redet oder sich verstellt, um weiblicher zu wirken. Wenn ich plötzlich so tun muss, als wüsste ich nicht, wie man Parkett verlegt oder tapeziert, oder so tun soll, als würde ich vor Wespen Panik haben, oder vor Spinnen wegrennen, obwohl ich sie normalerweise mit der Hand raustrage, dann bin ich ab heute gerne unweiblich und gebe mein gedachtes Weiblichkeitszertifikat mit einem Lächeln auf dem Gesicht wieder ab.

Viele Frauen denken, sie müssten perfekt sein, um weiblich zu wirken. Perfekt sein, um den richtigen Mann abzubekommen und perfekt sein, um zu verstecken, dass auch sie einen schlechten Tag haben und nun mal alles andere sind als perfekt. Dabei sind Frauen so viel mehr, ob weiblich oder nicht.

Ja, ich bin die Frau, die vorher eine ganze Weile im Bad stand. Ich bin aber auch die Frau, die auf dem folgenden Bild, Würstchen essend komplett ungeschminkt abgelichtet wurde und dabei vielleicht nicht gerade weiblich aussieht, aber dafür glücklich. Zugegeben hätte ich dieses Foto vor einiger Zeit noch niemals veröffentlicht. Gerade weil ich es selber als nicht attraktiv empfinde. Doch genau das ist vielleicht ein Fehler in unserem Denken: Frauen müssen nicht immer schön, attraktiv oder sexy sein. Sondern vor allem sie selbst.
Weiblichkeit als Einstellung: Sich selbst treu bleiben!

Weiblichkeit ist mit Sicherheit auch, attraktive Unterwäsche zu tragen oder ein voller Kussmund. Vor allem aber ist es eine Einstellung. Es ist die Einstellung, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen, ganz gleich, welche Zahl auf der Waage steht. Sich auch in einer Latzhose und einem weiten T-Shirt sexy fühlen zu können und vor allem, sich selbst treu zu bleiben und zu sich selbst zu stehen.

Diejenigen, die Weiblichkeit also mit einer Frau in hohen Schuhen assoziieren, die sich lasziv über die Lippen streift und sich dabei „per Zufall“, nach vorne beugt, die muss ich enttäuschen. Auch diese Dame wird zu einem anderen Zeitpunkt mit einer Chipstüte in der Hand und Pickelcreme auf dem Gesicht auf der Couch liegen und ganz sicher nicht immer so aussehen und diese Weiblichkeit repräsentieren.

Vielleicht ist Weiblich-Sein tatsächlich, auch mal den Mann stark wirken zu lassen, oder ein enges Kleid zu tragen. Vor allem aber ist es, die Frau zu sein, die man tief im Herzen ist. Ganz egal ob im Minirock und Strapsen, oder einer weiten Latzhose, charakterlich weich wie Butter und zahm wie ein Lämmchen, oder eine knallharte Geschäftsfrau. Vielleicht ist es auch die bewusste Entscheidung heute mal nicht gestylt sein zu müssen, sondern ein Foto öffentlich zu stellen, auf dem das Äußere nicht perfekt ist.

Quelle: “f1rstlife”:https://www.firstlife.de/

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