Wie Phönix aus der Asche

Abdel Mottaleb El Husseini17.05.2011Politik

Nach dem Ende des Regimes Mubarak gewinnt Ägypten enorm an Bedeutung – auch für den Nahost-Friedensprozess. Dass ist kein historischer Zufall, sondern das Gesetz der Geopolitik.

aa490c88a3.jpg

Während die Obama-Administration ihren “erfolgreichen Racheakt gegen Osama bin Laden(Link)”:http://www.theeuropean.de/yascha-mounk/6553-nach-osama-bin-ladens-tod prunkvoll feierte, fand gleichzeitig in der vorigen Woche in Kairo die Versöhnung zwischen den verfeindeten palästinensischen Organisationen Fatah und Hamas statt. Beide Ereignisse zeugen von einer Konstanz der US-Politik und vom Beginn einer substanziellen Änderung des politischen Kurses des postrevolutionären Ägyptens. Diese Diskrepanz in den politischen Prioritäten zwischen den einst untrennbaren Bündnispartnern wird voraussichtlich einen wesentlichen Einfluss auf die politische Karte des Nahen Ostens zur Folge haben. Mit dem “Sturz des Regimes vom Ex-Präsidenten Hosni Mubarak(Link)”:http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/5595-das-ende-von-mubarak ändert sich die politische Rolle Ägyptens in der Region. Das bevölkerungsreichste arabische Land steigt nach einer langen Phase der Stagnation wie ein Phönix aus der Asche empor. Diese Entwicklung kann einfach als eine erneute Bestätigung der Gesetze der Geopolitik und nicht als ein historischer Zufall interpretiert werden.

Das Volk fordert Solidarität mit Palästina

Ägypten hat stets eine zentrale und richtungsweisende Rolle in der arabischen Welt eingenommen. Die Revolution gegen die britische Kolonialherrschaft 1919, die Anfänge des arabischen Nationalismus, das Ende der irakischen, jemenitischen, syrischen, libyschen und sudanesischen Monarchien – alles ging vom Nil aus. Bis zum Scheitern des Nasserismus 1967 führte Ägypten die Bemühungen der arabischen Welt, die nationalen Interessen des palästinensischen Volkes durchzusetzen und die Einheit der arabischen Völker zu errichten. Doch mit der Unterzeichnung des Vertrages mit Israel verlor Ägypten seine führende Rolle in der arabischen Welt. Das ägyptische Regime von Hosni Mubarak kehrte der arabischen Welt den Rücken und verwandelte Ägypten in einen festen Bündnispartner der israelisch-amerikanischen Politik. Der prowestliche politische Kurs diente seiner Diktatur. Korruption und Repression gingen Hand in Hand. Und mit dem Bedeutungsverlust Ägyptens in der arabischen Welt wurden der Iran und die Türkei zu den neuen Hauptakteuren der regionalen Politik. Damit ist seit dem 25. Januar 2011 Schluss. Das ägyptische Volk hat die Diktatur gestürzt und ist dabei, ein freiheitliches politisches System aufzubauen. Dass diese Entwicklung die ägyptische Außenpolitik gründlich ändert, steht außer Frage. Die künftigen Regierungen in Kairo müssen die Forderungen der Ägypter achten, dass nach einer unabhängigen Außenpolitik und nach Solidarität mit dem palästinensischen Volk verlangt. Ägypten wird zwar die Friedensverträge mit Israel einhalten. Doch die neue Regierung wird mit den Palästinensern sympathisieren und die Blockadehaltung der ultrarechten israelischen Regierung nicht tolerieren.

Aussöhnung – ein erster Erfolg

In diesem Zusammenhang kann die palästinensische Aussöhnung als erster Erfolg betrachtet werden. Kairo bat Hamas und die Fatah an einen Tisch, nachdem sowohl Politik als auch Gewalt keine Ergebnisse in Bezug auf einen palästinensischen Staat gebracht hatten. Das Aufflammen einer “neuen palästinensischen Intifada (Link)”:http://www.theeuropean.de/avrahim-burg/2719-israel-und-palaestina gegen die israelische Besatzung wird wahrscheinlicher. Der Drang nach Freiheit und Menschenwürde wird nicht vor den Türen Palästinas Halt machen. Die Palästinenser, die in den vergangenen Monaten gegen die nationale Spaltung demonstriert und die Fatah und Hamas zur Versöhnung zwangen, werden dem Beispiel der anderen arabischen Völker folgen – und diesmal Rückenwind aus Kairo bekommen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die AfD ist der Komplize für rechten Terror

Was in Hanau passiert ist, ist mehr als Totschlag. Wir müssen es aussprechen: Es ist Massenmord. Es ist ein gezielter Angriff gegen Ausländer, Fremde, Nichtdeutsche. Egal wie man es nennt: Es war rassistischer und rechter Terror. Vielleicht war es ein Einzeltäter, aber er wurde getragen von eine

Eine Sterblichkeitsrate von 3,4 Prozent ist erschreckend hoch

Die WHO errechnet bei Coronavirus-Erkrankten eine hohe Mortalitätsrate von 3,4 Prozent. Italien meldet sogar fast 5 Prozent. Rechnerisch würden damit Millionen Todesfälle drohen. Doch Experten warnen vor falschen Hochrechnungen. Die Daten erzählen nur die halbe Wahrheit.

Neue Migrationskrise geht auf Kosten der Gesundheit der Bundesbürger

Jens Spahn hat Angst. Man musste nur die Körpersprache des Gesundheitsministers beobachten, wie er bei Maischberger am Tresen saß, um zu wissen: dieser Mann, der sich bis vor kurzem noch für Kanzlermaterial hielt, ist hilflos angesichts der Krise, der er sich gegenüber sieht. Hilflos, und heillo

Jetzt kommt Merkels große Wirtschaftskrise

In der deutschen Wirtschaft geht mittlerweile die Angst um - die Angst vor einer großen Wirtschaftskrise. Diese Krise wird kommen, und es wird zu erheblichen Teilen Merkels Wirtschaftskrise sein. Alle Schuld daran auf den drohenden Ausbruch einer Corona-Epidemie zu schieben – wie man es im Berlin

Die Ramelow-Partei will die Reichen erschießen

An diesem Wochenende trafen sich die Funktionäre der LINKEN in Kassel zu einem Strategieseminar. Auf dem Programm stand der „sozial-ökologische Systemwechsel“. Wie dieser von statten gehen soll, führte eine Funktionärin aus, nachdem sie ihre Ausführungen mit dem Satz: „Nach einer Revoluti

Merkels Rede wurde dem Ernst der Lage nicht gerecht

Leider wurde diese Rede dem von ihr selbst beschworenen Ernst der Lage nicht gerecht. Sie sagte doch tatsächlich: „Deutschland hat ein exzellentes Gesundheitssystem.“ War sie in den letzten Wochen in Urlaub?

Mobile Sliding Menu