Kulturgut statt Kulturkampf

von Monika Grütters10.06.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur

Es wäre naiv zu glauben, dass eine Absage der Ausstellung zur Aufklärung auch nur einen chinesischen Funktionär umgestimmt hätte. Ai Weiwei ist inhaftiert, und er wäre inhaftiert geblieben. Wir brauchen offene Kulturpolitik genau in diesen Situationen – sie ist oftmals die einzige Verbindung von geschlossenen Gesellschaften zur Außenwelt.

Die Bedeutung der Kulturpolitik hat enorm zugenommen. Dazu gehört es auch, sich immer wieder Rechenschaft abzulegen darüber, warum und wie wir Kulturpolitik in Deutschland und auch unsere Kulturpolitik im Ausland verstehen, wie wir sie gestalten. Die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik (AKBP) ist heute ein integraler Bestandteil der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, deren grundsätzliche Aufgabe es ist, Verbindungen zu anderen Kulturen und Ländern herzustellen, diese zu pflegen und dabei gleichzeitig einen Beitrag zur Wahrung und Förderung der deutschen Interessen im Ausland zu leisten. Die Aufgaben werden durch eine Vielzahl unabhängiger Mittlerorganisationen wahrgenommen. Gerade in hermetischen Gesellschaften erreichen wir so die betroffene Zivilgesellschaft über unser Engagement am besten: In Nordkorea mit einem Lesesaal, in Afghanistan mit Mädchenschulen, in Teheran (Iran) haben wir die Verträge mit DAAD und DAI wieder unterschrieben, in Vietnam den „Parzifal“ mit einheimischen Schauspielern aufgeführt, in China waren wir vor zwölf Jahren die erste Nation, die ein Kulturinstitut eröffnen konnte, heute sind die wir die Einzigen, die zwei haben.

Im Dienst der Menschenrechte

In China ist die Ausstellung zur „Aufklärung“ durch die drei großen deutschen Museumszentren im neuen Chinesischen Nationalmuseum auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 1. April eröffnet worden, kurz drauf wurde vor den Augen der Welt der wohl berühmteste Künstler Chinas, Ai Weiwei, verhaftet. Seitdem sehen wir uns Vorwürfen ausgesetzt, wir seien naiv, degradierten uns mit Großprojekten wie diesem zur Dekoration totalitärer Regime, und das alles im Zweifelsfall der wirtschaftlichen Interessen wegen. Ich kann dazu nur sagen: Wir machen Museumspolitik nicht statt Menschenrechte, sondern “im Dienst der Menschenrechte”:http://www.theeuropean.de/markus-loening/6846-der-westen-und-china. Ziel unserer Anstrengungen sind in der Regel nicht die Administration, die Politik oder deren Funktionäre, sondern die Zivilgesellschaft – die Menschen. Einen trotzigen Abbruch der deutschen Ausstellung zur „Kunst der Aufklärung“ in Peking lehne ich ab, denn einen Wettlauf der Rigorismen haben wir alle nicht nötig. Eine Schließung würde keinen chinesischen Funktionär beeindrucken und schon gar nicht zur “Freilassung Ai Weiweis”:http://www.theeuropean.de/staeck-klaus/6713-freiheit-fuer-ai-weiwei führen, sondern vor allem das deutsche Gewissen beruhigen. Die Schließung der Ausstellung wäre ein Einknicken gegenüber dem System. Denn wer Ateliers verwüstet, der verwüstet auch die Seelen der Menschen.

Es gilt, Haltung zu bewahren

Wir sind nicht so naiv zu glauben, dass wir auch nur einem einzigen Funktionär den Kopf verdrehen könnten; aber die Menschen, die unter den Restriktionen leiden, für die sind unsere Kultur-, Bildungs- und Kooperationsangebote oft der einzige Hoffnungsschimmer. Daher gilt jetzt mehr denn je, auch und nicht zuletzt in China: Haltung bewahren. Denn gerade in hermetischen Gesellschaften haben wir mit dem Prinzip Wandel durch Annäherung über die Kultur weit mehr erreicht als über die Politik, die Wirtschaft, die Diplomatie. Wir groß die Kraft der Kultur ist, haben die Chinesen genau dadurch demonstriert, dass sie gerade einen Künstler “seiner Freiheit beraubt”:http://www.theeuropean.de/wolfgang-kubin/6808-steuerhinterziehung-ai-weiwei haben. In unserem Kulturverständnis verbreiten wir Werte wie Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Toleranz – und weltweit haben diese Kulturen noch jedes politische System überlebt.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die erstaunlichen Geschäfte der Greta Thunberg-Lobby

Greta Thunberg bricht mit einem Segelboot in die USA auf. Das globale Medienspektakel um die Klimaschützerin erreicht einen neuen Höhepunkt. Doch im Hintergrund ziehen Profis ihre PR-Strippen und machen erstaunliche Geschäfte.

"Ganz klar die Ausländerkriminalität."

Vor einigen Wochen stellte Friedrich Merz völlig zu Recht - aber natürlich auch völlig entsetzt - fest, dass sehr viele Polizisten und Soldaten mittlerweile Unterstützer der Alternative für Deutschland sind.

Der Rest der Welt hält Deutschland für verblödet

Deutschland ist nur für kaum mehr als 1 % des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, während China, der größte Emittent, vom Pariser Klimaschutzabkommen das Recht auf Steigerung seiner CO2-Emissionen eingeräumt bekommen hat. Die politisch herbeigeführte Verelendung der deutschen Bevölk

Die SPD tut eigentlich sehr viel für die Menschen

Die Halbzeitbilanz entscheide über den Verbleib der SPD in der GroKo, sagt die kommissarische Parteichefin Schwesig. Was sie weiter saghte, sehen Sie hier!

Unsere Positionen sind keineswegs AfD-nah

Gern unterstellen unsere Gegner der WerteUnion, unsere Positionen seien AfD-nah. Die Realität ist aber, dass die WerteUnion Positionen vertritt, die über Jahrzehnte unbestritten Positionen der CDU/CSU waren. Leider hat die alte Parteiführung diese Positionen in den letzten Jahren aber über Bord

Warum Sie aus der Klimakirche austreten sollten

Es gibt in der Wissenschaft unterschiedliche Meinungen darüber, ob es eine allgemeine Klimaerwärmung gibt und welchen Anteil der Mensch daran hat. Diese unterschiedlichen Positionen werden von Politik und Systemmedien nicht offen diskutiert; vielmehr wird wahrheitswidrig behauptet, dass nur ein un

Mobile Sliding Menu