Mehr als Profite

von Michael Spangenberger28.10.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wirtschaft

Selbst Adam Smith wusste schon, dass die Habenden auch Gebende sein sollten – der Gesellschaft zuliebe sollte ihnen das bewusst werden.

Es ist schon erstaunlich, dass es immer noch Mitglieder der politischen und ökonomischen Eliten gibt, die durch die Verhaftung von über 700 Kapitalismuskritikern auf der Wallstreet, im Tempelbezirk des Kapitalismus, überrascht werden. Spätestens seit 2008 und der damit verbundenen Finanzkrise ist dem aufmerksamen Beobachter gesellschaftlicher Veränderungsprozesse klar, dass einer kapitalistischen Wirtschafts- und Finanzordnung ohne Ethik und Werteordnung keine Zukunft beschert sein wird.

Man kann nur von der Akzeptanz der Menschen leben

Wenn Ökonomie und Politik die Entkoppelung von Real- und Finanzwirtschaft betreiben, werden sie dem Mittelpunkt allen Wirtschaftens, dem Menschen, niemals gerecht. In demokratischen Strukturen leben insbesondere Politik und Ökonomie von der Akzeptanz der Menschen. Wer mit Arroganz und Hybris agiert, vermag nicht die großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Menschheit anzunehmen. Die derzeit zunehmende Kapitalismuskritik und auch die Renaissance marxistisch geprägter Ideologien machen deutlich, dass die Bürger sich mit dem Gefühl der Ohnmacht gegenüber ökonomischer Machtausübung nicht mehr abfinden. Diese Ohnmacht bedingt irrationale Reaktionen von Wut und Aggression, deren revolutionäre Sprengkraft weitgehend unerkannt bleibt.

Ignoranz führt unwiderruflich zu Verlust

Wenn die sozialen und materiellen Ungleichheiten die Gleichwertigkeit der Menschen konterkarieren, verliert die Wirtschaftsordnung das Fundament, auf dem Interessensausgleich nur stattfinden kann. Nur dann, wenn auch Investmentbanker und Politiker Hunger, soziale Verwerfungen und die Perspektivlosigkeit ganzer Generationen ignorieren, werden die Besitzenden, die Reichen und die Mächtigen alles verlieren, was man mit Wohlstand und Eigentum umschreiben kann. Dies zu gewärtigen, hat nichts zu tun mit der Einschränkung liberaler Wirtschaftsordnung, hat nichts zu tun mit Gleichmacherei und schon gar nichts mit der Missachtung des Privateigentums, sondern in erster Linie mit dem moralischen Defizit, das die Solidarität der Menschen untereinander unverzichtbar macht. Die aktuellen Erfahrungen der Fragilität kapitalistischer Systeme wurden durch Bankenkrise, Verschuldung, Katastrophen und politische Rebellionen in vielen Staaten in äußerster Konkretion offenkundig. Was ist zu tun? Was muss verändert werden? Die Ökonomie muss sich ihrer politischen Verantwortung wieder bewusst werden. Obwohl viele Führungskräfte der globalen Finanzwelt charakterlich noch reputierte und qualifizierte Persönlichkeiten sind, so müssen ihnen für das operative Geschäft Grenzen aufgezeigt werden, die Pervertierungen eindämmen. Freiheit ist immer Freiheit zur Bindung. Des Weiteren haben die, die zu den Habenden gehören, stets die Verpflichtung, sich auch den Gebenden zuzuordnen und sei es nur zur Realisierung eines sozial verträglichen Eigennutzes, den Adam Smith schon beschrieb.

Nicht einfach nur dagegen

Deshalb besteht zukünftige Gerechtigkeit vor allem aus der Möglichkeit zur Partizipation. Wer dies nicht freiwillig zulässt, sollte sich nicht wundern, dass materielle Güter einer zunehmend radikalisierten Umverteilung anheimfallen und wirtschaftliche wie politische Systeme zerstören, die keinerlei Glaubwürdigkeit mehr besitzen und zukünftigen Generationen Zugänge zur Bildung, Ausbildung und Realisierung individueller Lebensmodelle verweigern. Kapitalismuskritik ist keine Leistungsverweigerung, kein Ausstieg aus Verantwortung und Verpflichtung, sondern der Schrei von Menschen nach Sinnfindung und Glück.

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