Ab zum Arzt!

von Michael Peschke17.11.2009Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wissenschaft

Die Menschen in Deutschland sind verunsichert und lauschen täglich den widersprüchlichen Aussagen der Experten. Dabei ist der Impfstoff gegen die Schweinegrippe viel harmloser als oft kolportiert. In Schweden wurde bereits im Frühsommer geimpft und den Patienten hat es offenbar nicht geschadet.

Die Verunsicherung in der Bevölkerung, wie sie sich zur Schweinegrippe verhalten soll, ist medizinisch nicht gerechtfertigt, wenn auch psychologisch nachvollziehbar. Die Schweinegrippe ist selbst jetzt, wo die Zahl der Infektionen drastisch zunimmt, nicht dramatisch im Vergleich zu den allgemeinen Lebensrisiken.

Trotzdem plädiere ich für eine Impfung

Grundsätzlich sollten sich alle impfen lassen. Momentan verläuft die Schweinegrippe zwar in der Regel noch mild, man hat zwei bis drei Tage hohes Fieber und ist danach meist wieder auf dem Damm. Aber: Wir wissen nicht, ob das so bleibt. Grippeviren, das hat die Vergangenheit gezeigt, verändern sich und können dann auch zu schweren Krankheitsverläufen führen. Wenn sich die Schweinegrippe weiter ausbreitet – und davon gehen wir aus –, dann kommt in der Regel eine Impfung zu spät, wenn man erst mal mit dem Virus in Kontakt gekommen ist. Der Impfstoff wirkt erst nach etwa zwei Wochen, das Immunsystem braucht diese Zeit, um sich gegen das Virus zur Wehr zu setzen. Ist man mit Menschen in Berührung gekommen, die die Schweinegrippe haben, so ist man vor einer Ansteckung auch durch sofortige Impfung nicht geschützt. Dann ist die Impfung zwar nicht schädlich, aber eben auch nicht nützlich. Man sollte sich daher jetzt für eine Impfung entscheiden.

Nebenwirkungen: Schmerzen, Übelkeit, Fieber

Viele behaupten, die Impfung sei riskant wegen der Wirkverstärker, die im Impfstoff enthalten sind. Das ist so nicht richtig. Tatsächlich führt der Wirkverstärker dazu, dass die üblichen Nebenwirkungen einer Grippeimpfung, wie Schmerzen an der Einstichstelle, Übelkeit und Fieber häufiger auftreten. Das liegt aber genau daran, dass der Wirkverstärker, wie der Name schon sagt, die Aktivierung des Immunsystems verstärkt und damit eben auch jene leichten Nebenwirkungen. Das Gute an diesem Impfstoff ist, dass er auch noch schützt, sollte sich das Virus verändern. Er bietet einen breiteren Schutz, sodass sich der Körper auch gegen schwere Verläufe zur Wehr setzen kann. In Schweden wurde aufgrund des Klimas schon früher mit den Impfungen begonnen, daher liegen dort schon umfangreiche Erfahrungen mit dem Impfstoff vor. Leichte Nebenwirkungen kommen häufiger vor, schwere dagegen nicht. Das deckt sich auch mit unseren Erfahrungen in Hamburg. Viele haben jetzt besonders Angst um ihre Kinder. Da sollte man jedoch nicht in Panik verfallen – die Kinder vorsorglich nicht mehr in die Schule zu schicken, ist kein geeignetes Instrument gegen die Schweinegrippe. Kinder müssen mit anderen Kindern zusammen sein. Ab zwei Jahren ist auch für sie eine Impfung völlig unproblematisch. Wären meine Kinder in diesem Alter, würde ich sie impfen lassen. Ansonsten hilft Händewaschen. Und zwar für alle. Das klingt banal, doch die Hygienemaßnahmen leiten sich von den Übertragungswegen ab. Die Schweinegrippe ist eine Tröpfcheninfektion. Der Infizierte hustet und niest die Erreger in die Luft. Diese lagern sich an allen möglichen Gegenständen ab: an Türklinken, auf Tellern und Tischplatten und so weiter. Darüber kommen wir mit ihnen in Kontakt. Auf der Haut kann so ein Erreger uns nichts tun, führen wir jedoch unbedacht unsere Hand zum Mund, dann stecken wir uns an. Händewaschen, zum Beispiel vor jedem Essen, reduziert die Keimbelastung deutlich. Viel mehr braucht man nicht zu tun. Das Tragen eines Mundschutzes beispielsweise steht in keiner Relation zur Übertragung.

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