Nehmt uns für bare Münze

von Michael Konken4.05.2011Außenpolitik, Medien

Einschränkungen bei der Pressefreiheit müssen sich nicht in direkter oder indirekter Gewalt äußern – auch das stetige Drehen an der Kostenschraube gefährdet das Metier. Guter Journalismus kostet Kreativität und Mut, Zeit, aber auch Geld

Die Pressefreiheit ist ein verletzliches Gut. Es gibt brutale und völlig inakzeptable Versuche, die Presse zu gängeln und Journalisten an ihrer Arbeit zu hindern. Sie sind offensichtlich in Libyen und in anderen politischen Krisenherden, in denen Journalisten immer wieder sogar “mit ihrem Leben dafür bezahlen müssen”:http://www.huffingtonpost.com/2011/04/20/tim-hetherington-chris-hondros-killed-libya_n_851558.html, dass die Öffentlichkeit erfährt, was repressive Regime anrichten. Nicht ganz so offensichtlich sind Gefährdungen der Pressefreiheit, wenn eine Regierung “wie kürzlich in Ungarn”:http://www.theeuropean.de/jozsef-czukor/5509-ungarns-eu-ratspraesidentschaft Gesetze durchdrückt, um mit vorgeblichem Schutz des Staates missliebige Äußerungen zu unterdrücken. Zu Recht hat die europäische Öffentlichkeit solche Versuche als inakzeptabel zurückgewiesen. Ungarn ist ein Stück weit zurückgerudert und hat Konsequenzen für ausländische Medien gemildert, entscheidende Bedrohungen der nationalen Medien aber keineswegs zurückgenommen.

Das Geld fließt wieder

Es gibt aber auch anscheinend unpolitische, vorgeblich mit nüchternen wirtschaftlichen Erwägungen begründete Versuche, der Pressefreiheit an den Kragen zu gehen. Solche Versuche erleben wir derzeit in Deutschland. Unser Land hat sich von der weltweiten Rezession schnell erholt. Auch viele Verlage verdienen wieder sehr gut. Nur ein Beispiel: Der Axel-Springer-Verlag, eines der mächtigsten deutschen Medienhäuser, hat 2010 das “wirtschaftlich beste Jahr seiner Geschichte”:http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/108981-axel-springer-bilanz-2010-rekordergebnis-und-enttaeuschte-anleger.html geschrieben. Zugleich verlangen die deutschen Verleger aber drastische Einschnitte in der redaktionellen Kostenstruktur. Um bis zu fast ein Drittel wollen sie die tariflichen Leistungen kürzen – obwohl auch Verlage wie Holtzbrinck oder Gruner+Jahr Rekordgewinne vermeldet haben. Sie verkennen, dass diese Gewinne in erster Linie auf dem Engagement ihrer Redakteure und freien Journalisten beruhen und dass dies die Voraussetzung für eine unabhängig-kritische Berichterstattung ist. Medienprofis in den Redaktionen erwarten für ihre Arbeit ein angemessenes Entgelt, aber bekommen es nicht immer. Deshalb wehren sich die deutschen Journalisten gegen den geplanten Raubbau an den Redakteurstarifen. Sie fordern zum Beispiel, dass freie Journalisten endlich nach längst geltenden, aber über weite Strecken geflissentlich ignorierten gemeinsamen Vergütungsregeln bezahlt werden, einer Art Mindestlohn. Es sind Regeln, die es für Pressefotografen in Deutschland noch nicht einmal gibt.

Guter Journalismus kostet Kreativität, Mut und Zeit – aber auch Geld

Wer Honorare und Gehälter immer weiter drückt, riskiert in den Medien Qualität und Kreativität – eine subtile, aber wirksame Form, die Pressefreiheit und ihre Ergebnisse zu diskreditieren. Immer mehr Verlage vergessen offenbar, dass sie keine beliebig gestaltbaren Unterhaltungsprodukte verkaufen, sondern einen öffentlichen Auftrag zu erfüllen haben: die Unterrichtung der Bürger über das Weltgeschehen – jeden Morgen wie selbstverständlich aus der Tageszeitung und aus Radio, Fernsehen und Online-Journalen. Journalistinnen und Journalisten müssen so arbeiten können, wie das ihre Leser, Zuhörer und Zuschauer erwarten. Ihre demokratische Aufgabe wollen Journalisten auch zukünftig erfüllen – zu den Rahmenbedingungen, die dazu erforderlich sind. Guter Journalismus kostet Kreativität und Mut, Zeit, aber auch Geld. Zu Dumpingtarifen ist er nicht zu bekommen. Wer diese Schraube überdreht, zerstört die Pressefreiheit von innen.

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