Grüner König Kretschmann

von Michael Knoll28.03.2011Innenpolitik

Mit Winfried Kretschmann bekommt Baden-Württemberg einen untypischen Politiker als Ministerpräsidenten. Für seine Partei ist er dennoch genau der Richtige.

Da stand er auf der Bühne bei der grünen Wahlparty in Stuttgart und hatte die Arme zum Jubeln hochgerissen. Winfried Kretschmann, der Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen, der Wahlsieger und zukünftige Ministerpräsident Baden-Württembergs. Trotz aller Freude, die er ausstrahlte, konnte man die Demut, die er wohl in diesem Moment des Glücks verspürte, erahnen. Die Demut vor der Verantwortung, die auf ihn zukommen wird. Verantwortung für das Land, für die Partei und für ihn. Dass man dies in diesen Momenten an ihm erahnte, ist gut so. Es spricht für Winfried Kretschmann. Und es spricht für die Grünen Baden-Württembergs, dass sie ihn zum Spitzenkandidaten nominiert hatten.

Die Grünen sind nun Volkspartei

Für die Grünen hat eine neue Ära begonnen. Sie stellen einen Ministerpräsidenten, ein Privileg, das in den letzten fünfzig Jahren lediglich den Volksparteien von SPD und Union vergönnt war. Bündnis 90/Die Grünen sind nun auch Volkspartei geworden, seit dem 27. März 2011 ist dies amtlich. “Organisatorisch und personell wird sie diese Herausforderung stemmen können(Link)”:http://www.theeuropean.de/debatte/1312-zukunft-der-gruenen, intellektuell wohl weniger. Jedenfalls nicht von der grünen Berliner Viererbande Renate Künast, Claudia Roth, Cem Özdemir und Jürgen Trittin. Letzterer verheddert sich zu häufig in den eigenen politischen Volten der vergangenen Jahre. Die Parteivorsitzende war schon immer mehr Bauch als Gehirn der Partei, bei ihrem Parteikollegen fehlt noch die eigene Formulierung grüner Perspektiven. Und die grüne Spitzenkandidatin von Berlin weist den Anspruch, dass die Ökopartei auch Volkspartei sein könnte, stets weit von sich. Obwohl gerade die Grünen in den innerstädtischen Bezirken der Hauptstadt längst Volkspartei geworden sind. Künast war aber stets eher opportunistische Wendepolitikerin als intellektuelle Vordenkerin. Gerade darin unterscheidet sie sich von Winfried Kretschmann. Aus dem ersten grünen Ministerpräsidenten könnte mehr werden als ein momentaner Irrtum der Wähler, die sich von der Atom-Katastrophe in Japan zum Urnengang haben treiben lassen, wie es am Wahlabend suggeriert wurde. Kretschmann hat Eigenschaften, die ihn im Gegensatz zu etlichen Banalos der eigenen Partei weit hinaustragen. Sein aufgeklärter Katholizismus, seine Herkunft aus der Provinz, seine Fähigkeit, über sich selbst zu reflektieren, sein Wertekonservatismus und sein Beharrlichkeit, zu verändern haben ihn zu einem Querdenker gemacht, einer unbequemen Person, die dennoch weiß, die divergierenden Flügel der baden-württembergischen Grünen zu integrieren. Man nimmt ihm das Ringen um Positionen, um Fragen von Politik und Moral, Gesellschaft und Verantwortung ab, vielleicht auch deswegen, weil sein schwerfälliges Schwäbisch die Schwierigkeit von Politik und ihrer Kommunikation unterstreicht. Oberflächliche Leichtigkeit geht ihm ab, gut so.

Kretschmann steht vor großen Aufgaben

Dem Sieg der Grünen in Baden-Württemberg ging harte, jahrzehntelange Arbeit voran, er bedurfte politischer Ereignisse wie “Stuttgart 21(Link)”:http://www.theeuropean.de/debatte/4238-stuttgart-21 und der “Katastrophe in Japan(Link)”:http://www.theeuropean.de/debatte/3837-atomausstieg. Kretschmann fällt dieses Glück nun zu, das Land zu regieren. Wir werden in fünf Jahren sehen, ob er und seine Partei diese Chance genutzt haben. Ob eine grün-rote Landesregierung der ganzen Republik das zurückgeben kann, was sie am dringendsten braucht. Den Aufbruch in den Bürgerstaat, eine Repolitisierung, damit wir das Gemeinwesen wieder als Aufgabe von uns allen verstehen als nur das Ding derer da oben. Viel Verantwortung für einen grünen Ministerpräsidenten. Gott sei Dank ist es Kretschmann geworden.

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