Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten. Albert Camus

Von einem dynamischem Wachstum sind wir weit entfernt

Das Wirtschaftswachstums in den früh industrialisierten Ländern ist ernüchternd.

Wer wollte dies ernsthaft bezweifeln? Dynamisches wirtschaftliches Wachstum kann äußerst erstrebenswert sein, vorausgesetzt es genügt drei Bedingungen:

Es darf, erstens, nicht die Lebensgrundlagen langfristig oder gar auf Dauer beeinträchtigen. Zweitens darf es nicht auf Kosten anderer gehen, weder räumlich noch zeitlich. Und drittens muss die Verteilung der Früchte dieses Wachstums plausibel sein. Wachstum, das diesen Bedingungen nicht genügt, entfriedet Völker und gesellschaftliche Gruppen und wirkt zerstörerisch.

Das Wirtschaftswachstums in den früh industrialisierten Ländern ist ernüchternd.

Hieran gemessen ist die Bilanz des weithin postulierten Wirtschaftswachstums in den früh industrialisierten Ländern ernüchternd. Die von ihm verursachten Schäden an Umwelt und Natur lassen sich nicht länger bemänteln. Böden, Wasser und Luft – sie alle sind notleidend geworden. Und Pflanzen, Tiere und Menschen leiden mit. Zugleich geht ihr Wachstum massiv auf Kosten anderer, sei es der modernen Arbeitssklaven, die in Drittländern helfen, unseren Wohlstand zu mehren, sei es unserer Nachfahren, die mit den Schulden befrachtet werden, die höherer Wachstumsraten willen bei uns seit Jahrzehnten aufgehäuft werden. Und schließlich ist die Verteilung dessen, was da wächst, abnehmend einsichtig. Wenige bekommen immer mehr, viele gehen leer aus.

Wachstum um des Wachstums willen ist mithin kein sinnvolles Ziel.

Wachstum um des Wachstums willen ist mithin kein sinnvolles Ziel. Denn auch Tumore wachsen. Worum es geht, ist ein Wachstum, das bestimmten Bedingungen genügt und erst dadurch wohlstandsmehrend und gedeihlich wird. Von einem solchen Wachstum sind wir bislang weit entfernt.

Der Text erschient zuerst auf Denkwerk Zukunft

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Sebastian Sigler, Daniel Ben-Ami, Andrew Rzepa.

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