Ich bin überzeugter Europäer. Thilo Sarrazin

Jörg Thadeusz hat sie alle gehabt!

Muss dem Wahnsinn einiger Hassprediger auch noch im Radio ein Forum geboten werden?


So begründet Jörg Thadeusz die seltsame Idee von ihm und Radioeins, einfach mal ein paar Hassprediger*innen in die Sendung einzuladen und ihnen dort ein Forum für ihren Wahnsinn zu bieten. Akif Pirinçci, Thilo Sarrazin … Jörg Thadeusz hat sie alle gehabt! Und er bedankt sich für all diejenigen, die in den sozialen Netzwerken so eifrig Kritik daran üben. Offenbar ist der Coup gelungen: In Einschaltquoten ist die Wirkung fantastisch. Was allerdings seinen eigenen Einfluss auf diese „Meinungen“ angeht, so räumt Thadeusz selbst ein, kurz bevor er seine Aufmerksamkeit dem Rechtspopulisten Thilo Sarrazin zuwendet:

[…] um einige Missverständnisse wenigstens anzusprechen, ausräumen werde ich das wohl kaum!

Werbung für Meinungsmüll

Klar. Denn irrational begründete Meinungen können auch mit noch so viel scharfer Analysefähigkeit seitens eines Radiomoderators natürlich niemals auf rationale Weise ausgeräumt werden. Wenn zum Beispiel jemand glaubt, er habe die Fähigkeit, sich unsichtbar zu zaubern, so werde ich ihm das mit Physik sicher nicht ausreden können. Eher wohl schon mit einer intensiven psychiatrischen Betreuung.

Dennoch. Radioeins und Jörg Thadeusz, die ja Teil des öffentlichen Rundfunks sind, finden es okay, unser aller Geld dafür auszugeben, ein wenig für Meinungsmüll zu werben. Ahnung war für Meinung noch nie erheblich. Eine Meinung hat Mensch so automatisch, wie er ein Gehirn hat. Nur sind eben nicht alle Gehirne gleich gesund und für Meinungen gilt dasselbe. Ausräumen wird Radioeins also nix, aber vorführen, das können sie.

Und so führen sie erst einen Pirinçci an seiner Nase durch den öffentlichen Raum, dann einen Sarrazin. Darf ’s noch ein bisschen mehr sein? Wie wäre es mit einem Schuss Holger Apfel oder Pierre Vogel? Noch ein kleines bisschen mehr Ressentiment und Vorurteile, ein wenig mehr unbegründete Feindbilder im Öffentlich-Rechtlichen? Damit es auch der letzte Mensch noch irgendwie mitbekommt, dass all seine primitiven Meinungen über andere Menschen auch noch anderswo gedacht werden. Der arme Umnachtete wird endlich erhört! Welch Wohltat für all diejenigen unter uns, die zur Meinungsbildung in den Keller gehen.

Tatsächlich wird Radioeins damit natürlich niemanden überzeugen, wie sie ja offenbar auch selbst wissen. In Wahrheit bieten sie nur denen ein Forum, über die es sich besser schweigen ließe. Ideen des Hasses sollten ignoriert, und nicht ausgerechnet in diesem riesigen Rahmen besprochen werden. Klar haben einige Intellektuelle Spaß daran, wenn Jörg Thadeusz seine Interviewpartner*innen Stück für Stück auseinandernimmt. Allen voran er selbst. Und es ist ja auch legitim, dass einer sein Ego ein wenig aufblasen möchte. Geht ja vielen so, aber muss das denn im öffentlich/rechtlichen Radio sein?

„Deutsche Presse auf die Fresse!“

Hinter den Radios sitzen aber auch diejenigen, die das alles nur in ihrem Hass bestätigt. Wenn ein Thadeusz einem Pirinçci ständig ins Wort fällt und alles auf eine irgendwie hochnäsige Art besser weiß als er, so gießt er nur Öl in das Feuer, das sich viele in den Medienanstalten wünschen. Der Wutbürger, der sich selbst für keinen Nazi hält, nur eben keine Ausländer mag, wie all die besorgten Bürger™, die kürzlich erst in Marzahn skandierten: „Deutsche Presse auf die Fresse!“, er ist hocherfreut über die derzeitigen Sendungen auf Radioeins. Endlich zeigt es denen mal einer, denkt er sich. Und klar, dass der überhebliche Medienvertreter ihm dann so über den Mund fährt.

KEINE NAZIS!



Somit bestätigen Jörg Thadeusz und Radioeins diesen armen Tölpel, der sich selbst immer als Opfer der größten Ungerechtigkeiten verortet. Sie geben ihm ein Forum und auf gewisse Weise geben sie ihm erst recht.

„Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.“ (Ludwig Wittgenstein)

Wer sich hier geärgert hat, dass Frau Kelle in meinem Text als „Hasspredigerin“ bezeichnet
wurde, ist damit natürlich völlig im Recht. Sie hat in dieser Reihe nichts verloren. Es tut mir leid,
dass ich diesen Fehler gemacht habe und ich bitte um Entschuldigung für diese Unüberlegtheit.
Reuevoll, Meike Büttner.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Meike Büttner: Der Zuschauerdefekt

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