Meinungsgeilheit

von Meike Büttner26.09.2014Gesellschaft & Kultur

Das Recht, unsere Meinung zu äußern, verteidigen wir Deutsche bis aufs Blut. Das heißt aber nicht, dass wir wirklich Ahnung haben.

Meinungen sind wie Probleme. Jeder hat welche. Und weil wir gerne zeigen, was wir haben, schätzen wir Deutschen keine Freiheit so sehr wie die der Meinungsäußerung. Entgegen einer großen deutschen „Zeitung“ postuliere ich aber: Bild Dir keine Meinung!

Was ist eigentlich Meinung? Meine Meinung ist ein Urteil, das ich völlig automatisch bilde, sobald ich irgendetwas sehe. Find ich gut, find ich doof, find ich völlig gestört, geht mir an der Rückseite vorbei …

DIE wissen das!

Als Mensch habe ich definitiv mehr Meinung als Ahnung, da ich schlicht nicht alles wissen kann, aber leider ständig davon ausgehe, mein Urteil auf ausführlichem Wissen zu gründen. Darum darf ich das auch aussprechen, sooft es in der Zunge kribbelt und als anständiger Debattendeutscher deklariere ich das Ganze dann auch gerne als „Wahrheit“ und stelle mich dem gesamten Land als diejenige zur Verfügung, die das Ganze endlich mal benennt. Deutschland darf mir dankbar sein. Ich habe die Meinungsfreiheit vertreten, unser höchstes Gut. Ich muss dafür auch nicht studiert haben oder Empirie vorweisen können. Im Gegenteil. Wenn Sie wissen wollen, wie man Kinder erzieht, fragen Sie am besten Menschen ohne Kinder. DIE wissen das! Oder wie ist eigentlich so ein Leben mit Hartz IV? Wer noch nie welches erhalten hat, hat sich sicher schon lange eine Meinung gebildet.

Kennen Sie eigentlich diesen Paragrafen aus der Verfassung, auf den Sie sich mit Ihrer (selbstverständlich auf ausführlichen Recherchen und Forschungen beruhenden) „Meinung“ ständig beziehen? Und wenn Sie offenbar schon den kurzen Artikel im Grundgesetz nicht zu Ende gelesen haben, wie soll ich Ihnen dann eigentlich abnehmen, dass Sie wirklich mehr als Textüberschriften lesen?

So wie “Uwe Ostertag()”:http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/hass-im-netz-ich-bin-der-troll-13139203.html, der sich neulich in der „FAZ“ als Troll geoutet hat.

Ein Experiment

Vielleicht versuchen wir es mit einem Codewort. Sollten Sie diese Kolumne bis hierhin gelesen haben und planen, einen Kommentar zu hinterlassen, so geben Sie doch bitte durch Schreiben des Wortes „Meinungsgeilheit“ zu erkennen, ob Sie den Text überhaupt gelesen haben. In diesem Fall möchte ich Sie mit einem Absatz aus Artikel 5 unserer Verfassung bekannt machen.

bq. Art. 5 GG
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

So. Und nun bin ich mal gespannt, wie viele Kommentatorinnen zu Ende gelesen haben. Hab’s auch extra nicht so lang gemacht. Und wenn ich darum bitten dürfte, nicht meine Ehre verletzen. Dazu dürfen Sie gerne noch einmal den allerersten und tatsächlich wichtigsten Artikel dieser Verfassung zu Rate ziehen.

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